Flüchtlinge müssen Arbeit finden: Neuer Billiglohnsektor?

Für einen Billiglohnsektor für Flüchtlinge hat sich der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, David Folkerts-Landau, ausgesprochen. Dies sei nötig, um den vielen Hunderttausend Neuankömmlingen in Deutschland Arbeit zu verschaffen.


Billiglohnsektor

Dass er mit seiner Forderung ungeteilten Zuspruch erhält, davon geht der Ökonom nicht aus. Im Gegenteil, ihm sei bewusst, dass er damit eine umstrittene Minderheitenposition vertrete, so Folkerts-Landau. Bisher hat sich zum Beispiel Bundesarbeitsministerin Nahles vehement gegen Ausnahmeregelungen beim Mindestlohn für Flüchtlinge gewehrt.

Arbeit - der Schlüssel zur Integration 

In der Beschäftigung sieht der Chefvolkswirt den entscheidenden Ansatzpunkt für die Integration. Der Versuch, Flüchtlinge zu Deutschen erziehen zu wollen, sei ohne Arbeitsperspektive zum Scheitern verurteilt. Um die Aussicht auf Arbeit zu fördern, sei es sinnvoll, den Anfang 2015 eingeführten Mindestlohn für die Zielgruppe zumindest vorübergehend aufzuheben und dadurch einen Billiglohnsektor zu schaffen. Es sei nicht einzusehen, wieso Flüchtlinge nicht eine gewisse Zeit schlechter entlohnt werden sollten als deutsche Arbeitnehmer. 

Folkerts-Landau verspricht sich von einer solchen Maßnahme die Rückverlagerung von Produktion aus Niedriglohn-Ländern nach Deutschland. Derzeit gebe es im Ausland rund sieben Millionen Arbeitsplätze, die von deutschen Firmen bereitgestellt würden. Ein Teil davon könne durch einen befristeten Billiglohnsektor zurückgeholt werden. Insofern würde auch die mögliche Konkurrenz zwischen deutschen Arbeitnehmern und Flüchtlingen um Arbeitsplätze entschärft.

Chancen und Risiken des Flüchtlingsstroms 

Trotz der vielen aktuellen Probleme um den Flüchtlingszustrom zeigte sich der Chefvolkswirt zuversichtlich, was die Chancen der Zuwanderung betrifft. Bei einem richtigen Umgang könnten die Flüchtlinge wegen der Überalterung der deutschen Gesellschaft ein volkswirtschaftlicher Segen sein. Selbst jährliche Aufwendungen von bis zu 30 Milliarden Euro zur Bewältigung des Ansturms würden sich - richtig eingesetzt - rechnen und sollten als Investition in die Zukunft angesehen werden. Zweifel äußerte Folkerts-Landau an Versuchen, die Zuwanderung mit Zäunen oder Obergrenzen limitieren zu wollen. Beispiele in anderen Staaten hätten gezeigt, dass sich damit der Zustrom auf Dauer nicht stoppen lasse. 

Das Risiko des Flüchtlingsstroms liege vor allem in einem Scheitern der Arbeitsmarkt-Integration. Wenn sie nicht gelinge, dann werde Deutschland vermutlich ähnliche Zustände wie Frankreich erleben - die Entstehung von ghettoähnlichen "Banlieues" in Ballungsgebieten, in denen Zuwanderer unter ungünstigen Rahmenbedingungen ihr Leben fristen. Solche Banlieues sind in unserem Nachbarland Brutstätten sozialer Konflikte, von Unruhen und Kriminalität. 

Wie man auch zur Position von Folkerts-Landau stehen mag - dass Arbeit für Flüchtlinge eine Herausforderung darstellt, wird kaum bestritten. Denn erste Erhebungen zeigen, dass die Qualifikation der Neuankömmlinge im Schnitt nicht nur deutlich geringer ist als bei Deutschen, sondern auch schlechter als bei anderen Zuwanderern und Ausländern.


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