Geld aus fossilen Energien abziehen: Divestment als Teil der Energiewende

Auf dem jüngsten G7-Gipfel im bayerischen Schloss Elmau wurde die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft als anzustrebendes Ziel proklamiert. Dies will auch die Divestment-Bewegung, die bei Umwelt- und Klimaschützern immer mehr Anhänger findet.


Energiewende

Eine Bewegung mit Vorbildern 

Der Grundgedanke von Divestment ist simpel. Die Unterstützer der Bewegung propagieren den systematischen Verkauf von Anteilen an Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell nach wie vor auf fossilen Brennstoffen aufbauen. Im Fokus stehen Energiekonzerne mit hohen Karbon-Stromanteilen, Öl- und Gasförderer sowie Kohlebergwerke - kurze alle, die von fossilen Brennstoffen in irgendeiner Weise profitieren. Durch Aktien- und Anleiheverkäufe soll den Unternehmen gezielt Kapital entzogen werden, um damit Druck für eine "Energiewende" in der jeweiligen Unternehmenspolitik zu erzeugen. 

Die Divestment-Initiative hat inzwischen sogar prominente Unterstützer gefunden wie den US-Star-Investor Warren Buffet oder die Church of England. Die Bewegung ist keine neue Erfindung, sondern kann auf Vorbilder verweisen. Eine der aufmerksamkeitsstärksten Anstrengungen dieser Art wollte in den 1970er und 1980er Jahren die Apartheid in Südafrika bekämpfen. Damals wurde dazu aufgerufen, Geld aus südafrikanischen Banken, Konzernen und Pensionsfonds abzuziehen. Allerdings zeigte sich die südafrikanische Wirtschaft damals von der Initiative recht unbeeindruckt. Die Aktien der betreffenden Unternehmen verloren kaum an Wert. Der größte Erfolg bestand darin, den Blick der Öffentlichkeit verstärkt auf die Apartheid zu lenken. 

Ökonomische Argumente zählen meist mehr

Ein ähnliches Schicksal könnte auch der jetzigen Initiative drohen. Die Erfahrung zeigt, dass soziale und ethische Beweggründe selten ausreichen, um Geldströme bei Investments nachhaltig zu beeinflussen. Wenn Divestment stattfindet, treten in der Regel sofort andere Investoren an die Stelle der ethisch handelnden Akteure, die entstehende günstige Marktchancen für sich nutzen. Ein eventuell erzielter Kurseffekt verpufft dadurch sofort wieder. Um Unternehmen, die weiterhin auf Karbon setzen, tatsächlich zu beeindrucken, bedarf es vor allem wirtschaftlicher Argumente. 

Die gibt es durchaus. Öl- und Kohleaktien haben in letzter Zeit nicht besonders performt. Die Ursache dafür lag allerdings nicht in der Disvestment-Bewegung. Die schwache Konjunktur in vielen Ländern trug wesentlich zur verhaltenen Aktienentwicklung bei. Wichtige Industriestaaten haben außerdem in den vergangenen Jahren ihre Subventionen für fossile Brennstoffe zurückgefahren, dafür wurden erneuerbare Energien gezielt gefördert. Das beste Beispiel dafür bietet die Energiewende in Deutschland. Dadurch haben sich Investment-Chancen zugunsten umweltfreundlicherer Formen der Energienutzung und -erzeugung verschoben. 

Um das ehrgeizige Ziel der Dekarbonisierung zu erreichen, bedarf es aber noch erheblicher Anstrengungen. Nur wenn es gelingt, die weiter dynamisch wachsende Weltbevölkerung mit ausreichend Energie aus erneuerbaren Quellen zu versorgen, ist ein Verzicht auf Kohle, Öl und Gas in Zukunft möglich. 


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