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Hanjin Insolvenz werden wir spüren

Nur wenige Deutsche konnten bislang mit dem Namen Hanjin etwas anfangen. Die Firmenbezeichnung steht für die siebtgrößte Reederei der Welt. Das Schifffahrtsunternehmen aus Südkorea befindet sich in akuten Schwierigkeiten. Wenn sie nicht gelöst werden, könnte sich das sogar unterm Weihnachtsbaum bemerkbar machen. Spätestens dann wäre Wahrnehmung garantiert.


Hanjin Insolvenz

Seit August ist die Hanjin-Reederei de facto insolvent. Das Unternehmen sitzt auf einem Schuldenberg von umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro. Der Wettbewerb im internationalen Seefracht-Geschäft ist hart, Überkapazitäten drücken auf die Preise. Noch geht es nicht um das endgültige Aus, in Südkorea und den USA wurden Anträge auf Gläubigerschutz gestellt, um Zeit für einen Sanierungsplan zu gewinnen. Bis Ende November ist man in der Pflicht, ein tragfähiges Sanierungskonzept vorzulegen. In der Zwischenzeit leiden die Hanjin-Transporte unter einer gefährlichen Hängepartie.

500.000 Container hängen fest 

Viele Häfen verweigern inzwischen den Frachtern des Unternehmens das Einlaufen und das Löschen ihrer Ladung, da sie befürchten, dass die Hafengebühren nicht bezahlt werden können. Die Folge ist, Waren erreichen ihre Empfänger nicht, weil sie auf See festhängen. Es geht um schätzungsweise 500.000 Container und einen Warenwert von insgesamt 14 Milliarden Dollar. Betroffen sind Industriegüter, aber auch jede Menge Konsumwaren. Große Hersteller aus Fernost wie Samsung oder LG nutzten bislang die Reederei in erheblichem Umfang, um ihre Erzeugnisse transportieren zu lassen. Von daher überrascht es nicht, dass unter den festhängenden Waren viel Unterhaltungs- und Kommunikations-Elektronik ist. 

Es handelt sich um Güter, die im allmählich anlaufenden Vorweihnachtsgeschäft eine wichtige Rolle spielen. Denn elektronische Geräte sind unter dem Weihnachtsbaum besonders beliebt. Wenn sich die Hanjin-Krise nicht bald löst und die Waren gelöscht werden können, drohen für den Handel - ob stationär oder online - echte Nachschub-Probleme. Verbraucher müssten sich dann auf Lieferengpässe einstellen. Für Hersteller wie Händler wäre dies ein echter Albtraum. Denn das Weihnachtsgeschäft gehört traditionell zu den umsatzstärksten Zeiten des Jahres, Einbrüche hier sind fatal.

Hilfsfonds für Hafengebühren reicht nicht

Bei Hanjin ist man sich der äußerst prekären Lage bewusst, das Löschen der festhängenden Fracht ist essentiell für das Überleben der angeschlagenen Reederei. Anteilseigner und die Politik ringen um Überbrückungslösungen, die wenigstens die Finanzierung der Hafengebühren sicherstellen. Die Anteilseigner - darunter Korean Air als Großaktionär - haben inzwischen einen Hilfsfonds in Höhe von 100 Mrd. Won (rd. 80 Millionen Euro) für die Begleichung von Hafengebühren aufgelegt. Ob das reicht, wird aber bezweifelt. Nach Schätzungen werden mindestens 170 Mrd. Won benötigt. Die nächsten Wochen dürften für Hanjin ebenso spannend wie angespannt werden.


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