Hedgefonds zurück in der Realität: Plage der Heuschrecken

Hedgefonds agieren gänzlich anders als ihr Name suggeriert. Hedging steht im Englischen für Absicherung und Risikoreduzierung. Ihre Anlagestrategie ist dagegen auf Spekulation und bewusste Risiko-Inkaufnahme ausgerichtet.


Hedgefonds

Nicht selten sind Hedgefonds damit erfolgreich. Ein Grund, warum viele Vermögensverwalter und Pensionskassen solche Fonds trotz hoher Gebühren nach wie vor gerne in ihr Portfolio aufnehmen. Angesichts fehlender rentierlicher Alternativen bieten sie eine der wenigen Chancen auf überdurchschnittliche Renditen. 

Hebeln als Prinzip 

Hedgefonds agieren bevorzugt mit besonders riskanten Finanzinstrumenten. Der Ruf der oft als "Heuschrecken" bezeichneten Fonds  ist nicht der beste. Derivate, Leerverkäufe und kreditfinanzierte Operationen sind ihr tägliches Geschäft. Die Anlagestrategie lebt ganz wesentlich vom "Hebeln". Dadurch lassen sich selbst mit kleinen Kursveränderungen große Wirkungen erzielen - nach oben wie nach unten. Der Erfolg der Fonds hängt dabei ganz wesentlich vom "richtigen Gespür" ab - der zutreffenden Einschätzung, wohin sich bestimmte Märkte oder Werte entwickeln. 

Dabei zeigt sich gerade in den letzten Monaten, dass auch Hedgefonds-Manager gründlich daneben liegen können. Das Jahr 2015 ist bisher für die Branche nicht gut gelaufen. Auch Flaggschiffe mussten herbe Verluste in Kauf nehmen. Seit Jahresbeginn wurden sogar schon manche Fonds aufgelöst, weil der Erfolg ausblieb und die Investoren sich reihenweise verabschiedeten. Ein Volumen von 16 Milliarden US-Dollar ist betroffen. 

Verluste durch falsche Einschätzungen 

Gleich mehrmals gab es gravierende Fehleinschätzungen:  

  • viele Fondsmanager wurden von den Kurseinbrüchen im August und den chinesischen Wirtschaftsproblemen kalt erwischt; 
  • ebensowenig wurde die überraschende Kursrallye im Oktober vorhergesehen; 
  • gerade größere Fonds haben ihr Engagement beim US-Pharmahersteller Valeant in Mitleidenschaft gezogen. Der Konzern ist in den Verdacht geraten, Kurse künstlich nach oben manipuliert zu haben. Als das bekannt wurde, waren drastische Kurseinbrüche die Folge;
  • erhebliche Fehlspekulationen gab es auch mit der Glencore-Aktie. Hier hatte mancher auf sinkende Kurse beim weltgrößten Rohstoffhändler gesetzt. Die Entwicklung verlief dann aber genau entgegengesetzt.  

 

Nur etwas für Risikobereite 

Das Umfeld für die Hedgefonds-Branche ist zweifelsohne schwieriger geworden. Dabei haben die Fonds durchaus auch sehr erfolgreiche Zeiten erlebt. Ihr Anlagevolumen hatte sich von 2000 bis 2008 mehr als verachtfacht - auf rund 2 Billionen US-Dollar. In diesem Zeitraum erzielten sie eine durchschnittliche Rendite von hundert Prozent. 

Mit der Finanzkrise kam dann der erste Rückschlag. Der Kollaps von Lehman Brothers & Co. traf auch viele Fondsmanager unvorbereitet. Doch danach erholte sich die Branche überraschend schnell wieder. Der jetzige Einbruch ist vielleicht ebenfalls nur vorübergehend. Seit dem Investment-Modernisierungsgesetz im Jahre 2004 stehen Hedgefonds  begrenzt auch deutschen Normalanlegern offen. Wer sich hier engagiert, sollte sich der Risiken bewusst sein. 


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