Robo-Advisor strukturiert systematisch

Auch die Finanzdienstleistungsbranche sieht sich mit der Digitalisierung konfrontiert, wenn ein Robo-Advisor auf der Grundlage von Algorithmen Anlageempfehlungen erarbeitet und umsetzt. Ist das Ende des Finanzberaters aus Fleisch und Blut eingeläutet?


Robo-Advisor

Algorithmen lösen Finanzberater ab, die Digitalisierung fordert neue Opfer - oder? Was ist dran an einem Robo-Advisor, also einem Programm, das individuelle Eingaben auswertet und die passenden Anlageinstrumente auswählt? Eines gleich vorweg: Eine umfassende Finanzberatung, die auf persönliche Verhältnisse und Präferenzen eingeht, lässt sich auf diese Weise nicht ersetzen.

Robo-Advisor - der automatisierte Finanzdienstleister

Um überhaupt Daten verarbeiten zu können, muss eine Reihe von Fragen beantwortet werden - wie im persönlichen Gespräch mit einem Berater auch: Hier werden wichtige Größen, beispielsweise der anzulegende Betrag oder der zur Verfügung stehende Zeitraum, ermittelt. Schwieriger wird es schon beim immer wieder diskutierten Thema Risikoprofil, denn die Fragestellungen unterscheiden sich, was sich zwangsläufig auf das Ergebnis auswirken muss. Ohne eine gewisse Portion Wissen sollten Anleger also an diesem Punkt ebenso vorsichtig sein wie bei den Kosten, die nicht mehr als 0,5 Prozent betragen sollten.

Was ist dafür zu erwarten? Es werden unterschiedliche Modelle angeboten: 

  • Self-Service: Der Robo-Advisor tritt hier als Tippgeber auf und unterbreitet durchaus konkrete Anlagevorschläge. Dieser Service wird in der Regel kostenlos angeboten und empfiehlt sich daher als Informationsquelle.
  • Half-Service: Hier schlägt der Robo-Advisor nicht nur vor, er schreitet auch zur Tat. Vor jeder Anlage holt er allerdings die Zustimmung des Anlegers ein, sodass dieser den Überblick behält.
  • Full-Service: Der Robo-Advisor berät, legt an und verwaltet, deswegen steht er in diesem Fall unter Aufsicht der BaFin - was kein Qualitätskriterium ist. Auch Banken werden beaufsichtigt, was sie nicht davon abhält, bei der Beratung regelmäßig schlechte Bewertungen zu erhalten.

Digitalisierte Anlageberatung - ein Zukunftsmodell?

Da die meisten dieser Anlageprogramme sich auf ETFs, also auf Indexfonds, konzentrieren, sind die Risiken relativ gering - aber eben auch die Auswahl. So ist auch die Zustimmung deutscher Anleger bislang noch durchwachsen: Jeder Zehnte könnte sich die Nutzung vorstellen, weitere 30 Prozent würden es zumindest nicht ausschließen. Von den befragten Teilnehmern einer Yougov-Umfrage kannten allerdings rund 83 Prozent diese Möglichkeit noch gar nicht.

Unter dem Strich lässt sich festhalten, dass ein solcher automatisierter Berater durchaus eine Unterstützung sein kann. Es bleibt allerdings mehr als fraglich, ob sich die individuelle Beratung auf diese Weise ersetzen lässt: Schon die Ermittlung der jeweiligen Wünsche und Ziele, der Versorgungslücken oder zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel sowie persönlichen Präferenzen kann mit der bisherigen Technologie nicht authentisch abgebildet werden.


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