Sparen wir uns kaputt?

Die wirtschaftliche Situation in Deutschland wird positiv gezeichnet, sowohl Wachstum als auch Arbeitslosenquote dienen dabei als Argumente. Allerdings gibt es seit Jahren einen Mangel, der dramatische Folgen impliziert: Es fehlen Investitionen.


Sparen wir uns kaputt?

Der Bundesfinanzminister freut sich über die schwarze Null, die offizielle Arbeitslosenquote ist ausgesprochen niedrig, der deutsche Export boomt - eigentlich müssten doch alle Beteiligten zufrieden mit der Situation in Deutschland sein. Und doch schlagen verschiedene Ökonomen immer lauter Alarm, denn die Investitionsquote ist in Deutschland nun schon seit Jahren viel zu niedrig. Nicht nur der Staat spart an dieser Stelle, sondern vor allem auch die Unternehmen - die daraus resultierenden Risiken bedrohen die Zukunft der gesamten Gesellschaft.

Infrastruktur, Technologien, Maschinen - Anschluss nicht verpassen

Es gäbe vieles zu reparieren, auszubauen oder neu zu entwickeln - von der deutschen Infrastruktur über Bildung und Internet bis hin zu neuen Technologien und Maschinen, die die deutschen Unternehmen für ihre Wettbewerbsfähigkeit benötigen. Vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Zinsen ist es also nicht nachzuvollziehen, warum sowohl der Staat als auch die Unternehmen und die Privathaushalte ihr Geld zurücklegen - und das zum großen Teil auch noch im Ausland.

Die Mentalität der viel zitierten "schwäbischen Hausfrau", in guten Zeiten für schlechtere vorzusorgen, wirkt sich damit quer durch alle gesellschaftlichen Schichten aus. Gleichzeitig wächst der Investitionsbedarf immer weiter an: Deutsche Straßen- und Schienennetze verrotten ebenso wie Brücken, es fehlen qualifizierte Arbeitskräfte im Bildungssystem und in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes, private Unternehmen ruhen sich auf den aktuellen Exporterfolgen aus - und verpassen womöglich den Anschluss in Bezug auf neue Technologien. Als Beispiel seien hier nur die Elektro-Fahrzeuge von Tesla genannt, deren Vorsprung die deutsche Autoindustrie erst einmal einholen muss.

Deutsches Investitionsvolumen im globalen Vergleich: mangelhaft

Rund vier Prozentpunkte hinkt das deutsche Investitionsvolumen dem Durchschnitt der OECD-Staaten hinterher, wird die Investitionssumme ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung gesetzt - und das schon seit 1999. Mit rund 20 Prozent des BIP wird Deutschland die Spitzenposition nicht mehr lange halten können, darüber sind sich die Experten einig. Es müssten rund 100 Millionen Euro pro Jahr von Staat und Wirtschaft investiert werden, um bereits entstandene Rückstände sukzessive wieder abzubauen.

Eine moderne und zuverlässige Infrastruktur ist für eine florierende Wirtschaft ebenso wichtig, wie das für qualifizierte Arbeitskräfte zutrifft und für Forschung und Entwicklung. Es reicht eben nicht, wie die schwäbische Hausfrau nur an den eigenen Haushalt zu denken. Der Blick muss weit über den Tellerrand hinausgehen. Insbesondere als Exportnation ist Deutschland auf wettbewerbsfähige Produkte und Dienstleistungen angewiesen - und als Argument zählt nicht nur der Preis.


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