Bausparvertrag und Lebensversicherung - durch niedrige Zinsen unter Druck

Nach der Lebensversicherung gerät angesichts der niedrigen Zinsen in der Euro-Zone nun auch der Bausparvertrag unter massiven Druck. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin sieht Probleme für alle Anbieter sowie den Bankensektor insgesamt.


Bausparvertrag und Lebensversicherung

Aus Sicht der deutschen Finanzaufsichtsbehörde BaFin wird die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für Banken und Bausparkassen zunehmend zur Belastung. Viele Anbieter haben Probleme, auf den Finanzmärkten die hohen Renditeversprechen früherer Zeiten auf dem Finanzmarkt zu erwirtschaften. Parallel dazu wachse aber auch die Gefahr eines plötzlichen Zinsanstiegs, der Löcher in die Bilanzen vieler Banken reißen könne. Der EZB-Zins verharrt seit Anfang 2013 auf einem Rekordtief von 0,5 Prozent. Klassische Spar- und Vorsorgemodelle wie Bausparvertrag und Lebensversicherung sind durch das Zins-Tief besonders stark betroffen.

Der Bausparvertrag - Druck auf die Bausparkassen durch Altverträge

Ein Bausparvertrag gilt vielen potentiellen Häuslebauern als der Königsweg zum Eigenheim. Insgesamt haben die Bundesbürger rund 20 Millionen der Verträge abgeschlossen. Kunden, die ihren vergleichsweise hoch verzinsten Bausparvertrag nicht in Anspruch nehmen, sondern weiterhin als Spargrundlage nutzen, bringen die Bausparkassen zunehmend unter Druck. Die versprochenen Renditen sind auf den Märkten derzeit kaum zu finden. Der Verband der Privaten Bausparkassen hält einen Bausparvertrag zwar nach wie vor für ein solides und zukunftssicheres Sparmodell, verwies in einer Stellungnahme zu den BaFin-Hinweisen jedoch explizit auf die Belastungen, die Anbieter und Sparer durch die niedrigen Zinsen zu stemmen haben.

Lebensversicherung - aktuell mit düsterer Prognose 

Von den Problemen durch den aktuellen Zinstrend war die Lebensversicherung allerdings weit vor dem Bausparvertrag betroffen. In besseren Zeiten haben die Assekuranzen ihren Kunden Garantiezinsen von bis zu vier Prozent versprochen. Erst vor kurzem hat die Ratingagentur Moody´s der deutschen Lebensversicherung Finanzlücken von bis zu 90 Milliarden Euro prognostiziert, falls die Niedrigzinsphase auch die nächste Dekade überdauere. Die Lebensversicherung wird durch die BaFin bereits seit 2011 dazu angehalten, die Zinsverluste durch den Aufbau einer Zinszusatzreserve aufzufangen, die bereits jetzt voll auf die Bilanzen der Versicherer durchschlägt. Laut Moody´s wird die Reserve sich Ende dieses Jahres auf rund sechs Milliarden Euro aufaddieren. Moody´s-Analyst Benjamin Serra beziffert den durchschnittlichen Garantiezins der deutschen Lebensversicherung auf derzeit 3,2 Prozent. Im europäischen Vergleich seien die Altlasten lediglich in den Niederlanden höher.

Wenn die BaFin jetzt auch den Bausparvertrag als Sparmodell mit Risiken einstuft, erhält ihre Warnung dadurch eine neue Qualität. Bausparkassen gelten unter deutschen Verbrauchern im Gegensatz zu Banken und Versicherungen als fast absolut stabile Institution. Ein kritischer Blick der Verbraucher auf ihren Bausparvertrag ist in Zukunft auf alle Fälle angebracht. Zwar geht es dabei bis auf weiteres nicht um zu erwartende Insolvenzen, wohl aber um eine Quersubventionierung von Altverträgen durch neue Kunden, wie sie in der Lebensversicherung schon seit längerem üblich ist. BaFin-Präsidentin Elke König sieht als wichtigstes Kriterium für die Zukunftsfähigkeit der Banken eine ausreichende Eigenkapitalausstattung der Institute an, mit der sie in der Lage sind, sowohl das Zins-Tief als auch Zinsänderungen abzufedern. Dieses Thema dürfte auch auf der Agenda des EZB-Bilanztests von 124 Bankkonzernen stehen. Außerdem soll es in diesem Kontext einen "Stresstest" anhand verschiedener Markt-Szenarien geben, laut Elke König sollen dabei auch die Auswirkungen eines abrupten Zinsanstiegs getestet werden. Welche Konsequenzen sich daraus für Bausparvertrag und Lebensversicherung ergeben, dürfte auch für viele Bau- und Vorsorgesparer eine äußerst spannende Frage werden.


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