Börsenregel "Sell in May" - derzeit nur mit begrenzter Gültigkeit

Empirisches und tradiertes Wissen - Bauernregeln oder die Aussagen von Sternzeichen über die Eigenschaften eines Menschen - bietet Orientierungshilfe in einer unüberschaubaren und durch unvorhergesehene Ereignisse geprägten Welt. Auch Börsenregeln bringen durch die überschaubare fundamentale Untermauerung der schwer abschätzbaren Prozesse auf dem Geldmarkt.


Börsenregel "Sell in May" - derzeit nur mit begrenzter Gültigkeit

Die Börsenregel "Sell in May and go away" gehört seit langem zu den empirischen Basisempfehlungen für den Aktienhandel. Anleger sollen in Erwartung einer schwachen Sommer-Performance demnach ihre Wertpapiere im späten Frühjahr verkaufen und erst im Herbst wieder Aktien erwerben. Unumstritten ist diese Börsenregel sicher nicht, empirisch hat sich dieser Ansatz im Hinblick auf die Prognose saisonaler Flauten trotzdem oft als korrekt erwiesen. Der Hintergrund der Börsenregel besteht in der Erwartung eines positiven Jahresstarts, des sogenannten "Januareffekts", da durch die Eröffnung des Geschäftsjahrs der großen institutionellen Anleger viel Kapital und damit Liquidität in die Märkte drängt. 

Setzt der schwache DAX-Start aktuell die Börsenregel außer Kraft?

2013 zeigten deutsche Börsen allerdings einen anderen Trend: Nach einem Kursanstieg zu Beginn des Jahres folgte ein vergleichsweise schwacher Februar. Nach einem erneuten Hoch bis Mitte März fielen die Kurse vieler Aktien wieder deutlich, um nun wieder durchzustarten. Im Vergleich zum DAX entspricht die Aktienkursentwicklung in den USA weitaus stärker der zitierten Börsenregel: Seit Anfang Januar 2013 in der Dow Jones Index inklusive neuer Rekordstände um 13 Prozent gestiegen. Für den DAX hat das aktuelle Jahr damit eher entgegen den Voraussetzungen der Börsenregel "Sell in May" begonnen: Saisonale Kursverluste waren deutlich früher zu verzeichnen als in den meisten anderen Jahren.

Als Resultat verschiedener globaler Konjunkturverwerfungen haben die Anleger "im Mai" kaum Kursgewinne zu verzeichnen, die sie durch Verkäufe realisieren könnten. Analysten beobachten derzeit eine Verunsicherung von Investoren, die allenfalls kurzfristig in Aktien investieren, insgesamt jedoch darauf setzen, dass die konjunkturelle Erholung in diesem Jahr mit Zeitverzug erfolgt.

2013: Konjunktur mit Zeitverzug?

Diese Entwicklung setzt auch den immanenten zweiten Teil der Börsenregel "Sell in May" für Indizes wie den DAX oder auch den Euro Stoxx der Tendenz nach außer Kraft: Die darin anvisierte Sommerflaute ist aus Expertensicht eher unwahrscheinlich. Viele Analysten gehen davon aus, dass die konjunkturelle Erholung in Europa in diesem Jahr mit Zeitverzug - also hoffentlich in diesem Sommer - kommt.

In den USA wird nach dem sehr starken ersten Quartal 2013 dagegen ein spürbarer Kursverfall erwartet. Hinzu kommt, dass viele Aktien derzeit generell nicht hoch bewertet sind, Anleger sollten daher den Markt derzeit möglichst nicht verlassen, sondern sowohl aktuell als auch in künftigen Niedrigkurs-Phasen kaufen. Als besonders schlechter Monat für den DAX gilt übrigens bei Experten der September, für den Langzeitanalysen für den Zeitraum 1965 bis 2012 im Schnitt ein Minus von knapp zwei Prozent verzeichnen. Den richtigen Zeitpunkt für einen Aktienverkauf zu finden, gestaltet sich für Investoren daher schwierig. Die Börsenregel "Sell in May" findet ihre Fortsetzung beispielsweise in der Empfehlung, damit im September wieder einzusteigen - angesichts der empirischen Daten hätte dies allerdings einen Renditenverlust zur Folge. Der sogenannte Halloween-Indikator rät dagegen zu einem Verkauf erst im November. 

Börsenregel "Sell in May" - langfristig erfolgreicher als "Buy and Hold"

Insgesamt haben saisonale Anlagestrategien allerdings durchaus ihre Berechtigung:  Die Analysten der Landesbank Hessen-Thüringen zeigen für die Jahre ab 1990, dass das Befolgen der Börsenregel "Sell in May", dass ihr Befolgen - also der Verkauf der Aktien vor der Sommerflaute und Geldmarkt-Anlagen der Erlöse bis zum Herbst - für den DAX kontinuierlich bessere Renditen nach sich zog als "Buy and Hold". Unter anderem konnten Anleger durch eine solche Strategie ihre Kursverluste in den Baissen der Jahre 1990, 2000 bis 2002 sowie in der Finanzkrise 2008 begrenzen.  Generell gilt, dass das Management von Einzelaktien - und die Gültigkeit jeder Börsenregel - zunehmend problematischer wird. Durch den Kauf von Indexfonds (ETFs) - also die Investition in ganze Märkte oder Marktsegmente - erreichen Investoren heute oft sowohl bessere Renditen als auch eine breitere Risikostreuung. Ihr persönlich optimales Anlagemodell sollten Anleger am besten zusammen mit einem wirklich unabhängigen Berater entwickeln, der nicht auf Provisionen angewiesen ist, sondern seine Klienten auf Honorarbasis berät.


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