China: Wie das Ende der Ein-Kind-Politik der Wirtschaft nützt

Seit 1980 Praxis, jetzt beendet: Nach viertägiger Beratung beschloss Chinas Kommunistische Partei, seine Ein-Kind-Politik, die einst die Bevölkerungsexplosion stoppen sollte, zu beenden. Ab sofort sind einer Familie zwei Kinder erlaubt, sofern - wie überwiegend der Fall - ein Elternteil Einzelkind ist. Hat Chinas Abkehr von diesem restriktiven Modell ökonomische Gründe?


China

Ein-Kind-Politik mit Spätfolgen

Wenngleich China die Ein-Kind-Regelung in den letzten Jahren bereits ein wenig lockerte, zwangen seine Behörden noch immer zahlreiche Frauen, ihr zweites Kind abzutreiben. Jetzt hat man die gesellschaftlichen und ökonomischen Spätfolgen von vier Jahrzehnten Ein-Kind-Politik erkannt, die bis dato ein Anwachsen der Bevölkerung um 400 Millionen verhinderte. Kamen Anfang der 1970er noch durchschnittlich 5,8 Kinder zur Welt, waren es 2012 nur noch 1,5. Die Ergebnisse der Ein-Kind-Politik zeigen sich jetzt, nicht zuletzt in einem Männerüberschuss: Mädchen, in China als Stammhalter nicht erwünscht, wurden häufig abgetrieben. Der Grund, weshalb heute jeder fünfte junge Chinese keine Partnerin findet - ein Statusmakel, der in China nicht selten zu gesellschaftlicher und ökonomischer Ausgrenzung führt.  Zudem ist Chinas Gesellschaft (aktuell 1,3 Milliarden) überaltert, jeder Siebte über 60 - 2025 werden es statt heute 200 dann 300 Millionen sein. Schon jetzt gelingt es Chinas Sozialsystemen kaum, seine älteren Menschen zu versorgen. Denn es fehlen Arbeitskräfte zwischen 15 und 59 Jahren: Ende 2012 sank die Zahl arbeitsfähiger Chinesen erstmalig um 3,45 Millionen. Ohne Zweifel ist China noch ein interessanter Markt.

China auf Deregulierungskurs

Probleme, die Chinas Führung bislang kleinredete: Dank Steigerung von Automatisierung und Produktivität würden ohnehin immer weniger Arbeitskräfte gebraucht. Doch jetzt fürchtet China, dass sich seine Wettbewerbsfähigkeit bis 2030 verringern könnte. Wirtschaftsexperten prognostizieren, dass die neue Zwei-Kind-Politik für jährlich 1,6 Millionen Neugeborene mehr sorgen wird, was ab 2030 mit einer stabilen Zahl an Arbeitskräften und damit bis 2050 mit zusätzlichen 0,2 Prozentpunkten Wirtschaftswachstum pro Jahr rechnen lässt. Aktuell bringt China ein umfangreiches Reformpaket auf den Weg, das die Wirtschaft deregulieren und ausländische Investitionen fördern soll. Außerdem sind eine Zinsreform, die Stärkung von Eigentumsrechten sowie ein Umbau der Sozialsysteme geplant. Die Aktienmärkte haben auf die Ankündigung von Staatschef Xi Jinping, auf diese Weise gesundes Wirtschaftswachstum zu sichern und bis 2020 mehr Marktwirtschaft zuzulassen, bereits reagiert.


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