China wird immer stärker und bedroht die deutsche Industrie

China hat seine Industrie in den letzten Jahren rasant entwickelt. Eine aktuelle Studie zeigt, dass der chinesische Maschinenbau inzwischen auch deutschen Unternehmen massive Konkurrenz macht und mit seinen Erzeugnissen keineswegs nur das untere Preissegment bedient.


China

Die Untersuchung der Impuls-Stiftung des Verbandes "Deutscher Maschinen- und Anlagenbau" (VDMA) belegt, dass China mit seinen Maschinen und Anlagen längst nicht mehr nur im Billig-Segment, sondern auch im stark wachsenden mittleren Marktsegment aktiv ist. Auch ihre Serviceleistungen haben die chinesischen Maschinenbauer verbessert. Mit ihren Angeboten sind die inzwischen auf dem internationalen Markt präsent. VDMA-Präsident Reinhold Festge sieht "akuten Handlungsbedarf" für die deutsche Industrie. Die deutschen Hersteller dürften sich nicht an die "Spitze der Technologiepyramide" verdrängen lassen,  der Markt für echte High-Tech-Produkte sei  dafür nicht groß genug.

China besetzt mit einfachen Lösungen das mittlere Technologiesegment

Anhand der Analyse von 122 Maschinenbau-Unternehmen aus China belegt die Studie zwar, dass der technologische Abstand zwischen chinesischen und deutschen Erzeugnissen nach wie vor erheblich ist. Bei Parametern wie Präzision, Produktivität, Energieeffizienz und Lebensdauer haben die deutschen Hersteller bisher eindeutig die Nase vorn, was ihnen auf dem Weltmarkt allerdings nicht immer hilft. Viele Kunden, vor allem in den Schwellenländern und auch in China selbst - dem weltweit mit Abstand größten Markt für Maschinenbauprodukte - wünschen sich vor allem einfache Lösungen und eben nicht die beste Technik. Für deutsche Ingenieure ist ein solcher Ansatz schwierig. Für sie muss jede neu entwickelte Maschine besser sein. VDMA-Chef Festge wirbt vor diesem Hintergrund für einen Paradigmenwechsel hin zu einer "neuen Kultur" mit etwas abgespeckter Qualität, die deutschen Unternehmen neue Chancen in Chinas milliardenschweren Markt eröffnen könnte.

Die deutsche Industrie müsse ihre Produkte verstärkt auf die Bedürfnisse von Kunden außerhalb der klassischen Industrienationen fokussieren, in China liege das größte Potenzial für deutsche Maschinenbauer im mittleren Technologiesegment. Wenn die deutschen Unternehmen diesen Trend nicht bedienen können oder wollen, werden sie von ihren chinesischen Wettbewerbern sukzessive aus dem Markt gedrängt.

Chinesische Maschinenbau-Exporte - mittelfristig auch nach Europa und Nordamerika

Gefährlich dürfte dies nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern werden - mehr als die Hälfte der chinesischen Maschinenbau-Unternehmen erweitert gezielt ihre Exportaktivitäten. In der Untersuchung wurde dieser Fakt konkret für acht Fachbereiche nachgewiesen, Studienleiterin Daniela Bartscher-Herold von der Unternehmensberatung Euro-Asia Consulting meint jedoch, dass sich diese Erkenntnisse auch auf alle anderen Segmente der Branche übertragen lassen. Immerhin liegt China nach Deutschland und den USA bei den weltweiten Maschinenexporten bereits heute auf dem dritten Platz. Laut Bartscher-Herold bauen die Chinesen ihre Maschinenbau-Exporte auf systematische und aggressive Art und Weise aus.

Aktuell konzentrieren sie sich dabei auf benachbarte Länder wie Indonesien, Vietnam oder Indien. Im nächsten Schritt wollen sie mit ihren Maschinen auch das mittlere Marktsegment in Europa und Nordamerika erobern. Die Asien-Expertin bescheinigt den chinesischen Unternehmen größeren Realismus als noch vor wenigen Jahren. Sie haben erkannt, dass ihnen für die High-Tech-Märkte bisher noch das technologische Wissen fehlt. Folgerichtig konzentrieren sie sich aktuell auf Länder, in denen einfache technologische Lösungen gefragt sind. Die klassischen Industrienationen verliert China als potentielle Absatzmärkte dabei jedoch durchaus nicht aus den Augen. Dies belege unter anderem der Einstieg chinesischer Firmen bei deutschen Maschinenbauern wie Putzmeister, Schwing und Kion.

Deutsche Maschinenbauer müssen kundenorientierter und flexibler werden

Umgekehrt sind auch deutsche Unternehmen zunehmend an Übernahmen von chinesischen Konkurrenten interessiert oder kaufen chinesischen Joint-Venture-Partnern ihre Anteile - oft zu horrenden Preisen ab. Der schwäbische Werkzeugmaschinen- und Laserhersteller Trumpf hat beispielsweise im Herbst 2013 72 Prozent an einem wichtigen chinesischen Wettbewerber übernommen. Nach eigenem Bekunden gewinnt der High-End-Anbieter durch die neue Allianz einen Zugang zum dynamischen mittleren Marktsegment in China.

Der VDMA regt außerdem eine engere Zusammenarbeit von deutschen Maschinenbauern im Ausland an. Reinhold Festge meint, dass diese im Service dem lokalen Wettbewerb bisher viel zu viele Potenziale überlassen. Deutsche Firmen sind bisher zu langsam darin, bedarfsgerechte Lösungen zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten. Lokale Kooperationen mit anderen vor Ort präsenten deutschen Firmen könnten hier möglicherweise eine Wende bringen.


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