Desaster für Anleihen absehbar?

Auf der ganzen Welt verharren die Zinssätze auf historischen Tiefs. Marktteilnehmer glauben daher, dass sie sich von ihrem aktuellen Stand nur in eine Richtung bewegen können - nach oben. Was steigende Zinsen für die Investoren bei Anleihen bedeuten, ist das Thema des folgenden Beitrags.


Anleihen

Zum Hintergrund der niedrigen Zinsen

Die industrialisierten Länder wurden von der letzten Finanzkrise (2008) teilweise erheblich mitgenommen. Die Zentralbanken sahen sich zu Reaktionen veranlasst und entwickelten umfassende Programme mit stimulierenden Anreizen. In erster Linie bestanden diese Maßnahmen aus drastischen Zinssenkungen, welche von begleitenden Schritten unkonventioneller Natur angereichert wurden. Diese sollten den Niedrigzinseffekt langfristig wirksam machen.

Als dann im Jahr 2013 die US-Notenbank das erste Mal andeutete, diese Anreize schrittweise zurücknehmen zu wollen, gaben die Märkte stark nach. Später änderte die FED ihre Meinung dazu und die Märkte begrüßten das.

Was passiert mit Anleihen-Investments, wenn die Zinsen wieder steigen?

Die Frage stellen sich viele Anleger, denn die Zentralbanken könnten jederzeit ihre Politik ändern und wieder höhere Zinsniveaus zulassen. Marktwerte von Anleihen werden von folgenden Kriterien bestimmt:

  • Anlegeransichten zur Inflationsentwicklung und der Zinssatz-Tendenz.
  • Die Bewertung der Bonität unterschiedlicher Emittenten.
  • Risikobereitschaft der Anleger. 

Eine Änderung des Zinsniveaus beeinflusst den Marktwert einer Anleihe. Wenn die Zinsen steigen, sinken die Anleihen im Kurs. Umgedreht steigen die Anleihen, wenn die Zinsen fallen.

Steigt z.B. der Zins, würde ein neuer Anleger eine neue Anleihe kaufen, die ihm eine höhere Verzinsung verspricht. Er würde eine alte Anleihe, die noch einen niedrigeren Zins hat, nur kaufen, wenn er diese zu einem günstigeren Kurs erwerben kann. Dieser Effekt wirkt sich umso stärker aus, je länger die Laufzeit ist.

Dies wissend, sollte man bei den aktuell sehr niedrigen Zinsniveaus lieber einen Bogen um Anleihen machen.

Warum sollten daher Anleihen trotz steigender Zinsen gehalten werden?

Hierzu gibt es mehrere Aspekte zu beachten.

Fundamentierte Vorhersagen zur Zinsentwicklung sind äußerst schwierig bis unmöglich. Auch konventionellen Managern gelingt es auf Fünfjahressicht nicht, Anleihen-Benchmarks zu übertreffen.

Grundsätzlich weisen  Anleihen eine andere Performance auf als Aktien. Sie generieren unabhängig vom Zinszyklus risikosenkende Diversifikation und tragen so zur Abfederung von Kursschwankungen bei.

Historisch betrachtet muss sich die oben angeführte Theorie nicht immer bewahrheiten. Umfangreiche Studien über Zinssteigerungszyklen haben bewiesen, dass langfristige Anleihen in gewissen Zeitabständen bessere Entwicklungen als ihre mittel- und kurzfristigen Varianten zeigten. Andere Zeitabstände führten wiederum zu gegenteiligen Ergebnissen. Der Widerspruch hat eine einfache Erklärung: Eine Zentralbank kann die inflationsgeschürten Ängste privater Anleihen-Halter mit präventiver Zinserhöhung beruhigen.

Was können Anleger daraus schließen?

  1. Wenn eine Zentralbank die Erhöhung der Zinsen beschließt, hat dieses Vorgehen unterschiedliche Auswirkungen auf die verschiedenen Anleihelaufzeiten. Tatsächlich gab es in der Vergangenheit einige Fälle, in denen bei steigenden Zinsen langfristige Anleihen überdurchschnittliche Erträge verzeichnen konnten
  2. Unabhängig von der Zinszyklus-Phase kommen Anleiheinvestments eine wichtige Rolle in den Portfolios zu. Die Laufzeiten müssen Anleger aufgrund ihres individuellen Risikoprofils sowie ihres Anlageziels selbst bestimmen.
  3. Zinssatzprognosen sind schon vom Versuch her von wenig Nachhaltigkeit begleitet und eignen sich daher nicht für Anleiheinvestitionen.
  4. Das Risiko kann durch Streuung auf unterschiedliche Typen von Anleihen, unterschiedliche Laufzeiten und unterschiedliche Länder gesenkt werden.

Empfehlenswert für Anleger ist der prognosefreie Ansatz für Anlageklasseninvestments des Unternehmens Dimensional und des Nobelpreisträgers Eugene Fama. Dieser Ansatz lässt sich weltweit nur mit von Dimensional akkreditieren Beratern verwirklichen.


Dieser Text ist vom Autor freigegeben worden. Er trägt daher die alleinige inhaltliche und presserechtliche Verantwortung. Eine Haftung anderer Personen/Institutionen ist ausgeschlossen.

  

 

 

 

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