Die europäische Zentralbank sinniert über negative Zinsen. Was bedeutet das für den Anleger?

Die niedrigen Zinsen und der Ausblick für die nächsten Jahre haben Europa tief gespalten. Der Intention nach soll der niedrige Leitzins der EZB den südeuropäischen Krisenländern helfen, wirtschaftlich wieder Tritt zu fassen - bisher mit äußerst mäßigem Erfolg. EZB-Präsident Mario Draghi hält inzwischen auch Negativ-Zinsen nicht mehr für ausgeschlossen.


Zinsen

Anleger und Sparer hierzulande fürchten um ihr Geld. EZB-Chef Mario Draghi sieht die Euro-Zone bereits seit längerem als eine zweigeteilte Welt. Dabei geht es ihm unter anderem um günstige Kredite: Dank niedriger Zinsen haben es Unternehmen und Verbraucher im prosperierenden Norden des Kontinents so leicht wie nie, an günstige Darlehen zu kommen. In Südeuropa haben vor allem kleinere und mittlere Unternehmen dagegen nur sehr geringe Chancen auf geliehenes Geld, da fraglich ist, ob und wie lange sie einen Kredit überhaupt bedienen können. Im November 2013 hat sich die EZB deshalb entschlossen, die mit 0,5 Prozent bereits historisch niedrigen Zinsen in der Euro-Zone ein weiteres Mal zu senken und mit einem Leitzins von 0,25 Prozent für ein Allzeit-Tief gesorgt. Zum Vergleich: Im Jahr 2008 lag der europäische Leitzins noch bei etwas über vier Prozent. Auch der aktuelle Zinsschnitt reicht jedoch absehbar nicht aus, die Wirtschaftsleistung in den Krisenländern anzukurbeln. Möglicherweise folgen im Laufe dieses Jahres negative Zinsen. 

Negative Zinsen - Szenario mit zweifelhaftem Nutzen

Großen Nutzen brachten bisher weder die niedrigen Zinsen noch die äußerst großzügigen Kreditvergaben durch die EZB. Unmittelbar nach dem letzten Zinsschnitt begannen die europäischen Währungshüter daher, über drastischere Maßnahmen nachzudenken und könnten in den nächsten Monaten somit auch zu bisher tabuisierten geldpolitischen Waffen greifen. Anleihenkäufe im großen Stil könnten die Zinsen weiter senken, sind allerdings aus ökonomischen ebenso wie aus verfassungsrechtlichen Gründen heiß umstritten. Neue Finanzspritzen an die Banken in Form zweckgebundener billiger Kredite sollen nach dem Willen der EZB in Form von Investitionsdarlehen an notleidende Unternehmen fließen - in Großbritannien hat das Instrument bereits versagt, Wirtschaftswissenschaftler betrachten es als ein wettbewerbsverzerrendes planwirtschaftliches Instrument.

Als reale Drohkulisse gelten vielen negative Zinsen, die Mario Draghi für die Zukunft ausdrücklich nicht ausgeschlossen hat. Falls sie kommen sollten, würden die Banken für bei der EZB geparktes Geld einen Strafzins zahlen. Optimal wäre, wenn sie überschüssige Mittel stattdessen in Form von Krediten nach Südeuropa weiterleiten würden. Die EZB hat das Szenario laut ihrem Direktoriumsmitglied Benoit Coeuré bereits "technisch und juristisch durchgespielt" - negative Zinsen könnten also recht unmittelbar auf ihrer Agenda stehen. Ob das Modell auch in der Praxis funktionieren würde, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Vor zwei Jahren hat Dänemark dieses Konzept mit negativen Zinsen von 0,1 Prozent für Einlagen bei seiner nationalen Notenbank probiert - viele Banken gaben diese Kosten einfach an ihre Kunden weiter.

Zukunftsfähige Anlagemodelle - breite Streuung, aktives Chancen- und Risiko-Management

Anleger und Sparer haben von den Überlegungen der EZB allerdings wenig bis nichts. Negative Zinsen mögen Darlehensnehmern nutzen, für Lebensversicherungen und festverzinsliche Kapitalanlagen sind sie zusammen mit dem Inflationseffekt ein Instrument zur Geldvernichtung. Fakt ist: Der Verlust der Kaufkraft beeinflusst in Zukunft jede Anlage- und Investitionsentscheidung. Umso wichtiger sind dafür klare Strategien mit festgelegten Parametern. Die Basics dafür sind eine breite Streuung von Vermögensanlagen sowie ein aktives Chancen- und Risiko-Management, das sich nicht in Einzelentscheidungen erschöpft, sondern prozessual agiert.

 

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