Expertenartikel

Die gefühlte Inflation steigt weiter

Die reale Inflation ist im September 2013 auf 1,4 Prozent gesunken, eigentlich also kein Grund zur Sorge. Die gefühlte Teuerung schürt jedoch bei vielen Verbrauchern Ängste - vor steigenden Lebenshaltungskosten ebenso wie vor Altersarmut. Das Statistische Bundesamt Wiesbaden meldete für den September 2013 eine Inflationsrate von nur 1,4 Prozent.


Inflation

Noch im Juli hatte die Teuerungsrate bei 1,9 Prozent gelegen. Deutschland entfernt sich damit derzeit immer mehr von dem Grenzwert, den die Europäische Zentralbank vorgegeben hat: Bei einer Inflation von zwei Prozent sehen die Währungshüter stabile Verbraucherpreise als gegeben.

Niedrige Inflation vor allem durch sinkende Kraftstoff- und Heizöl-Preise

Für die Verbraucher fühlt sich die Preisentwicklung im Alltag allerdings anders an. Die niedrige Inflation kommt derzeit vor allem durch gesunkene Sprit- und Heizölpreise zustande. Kraftstoff war im September 2013 um 6,6 Prozent billiger als im Vorjahr, die Preise für Heizöl sind um 5,8 Prozent gesunken. Stattdessen wirkt sich die Inflation bei den Nahrungsmitteln aus. Für ihre Lebensmittel müssen die Deutschen derzeit rund fünf Prozent mehr bezahlen als im vergangenen Jahr. Einkommensschwache Haushalte ohne Auto dürften unter der Teuerungsrate von 4,7 Prozent in diesem Sektor derzeit bereits massiv zu leiden haben. Immerhin hat sich der Preisanstieg bei Lebensmitteln gegenüber Juli und August 2013 aktuell wieder etwas abgeschwächt. Auch die Strompreise haben wegen der Erhöhung der Ökostromabgabe seit dem Jahreswechsel kräftig angezogen.

"Gefühlte Inflation" - deutlich höher als die offiziellen Werte

Die Großbank UniCredit macht dagegen eine andere Rechnung auf. Die Ökonomen des Instituts rechnen mit der "gefühlten Inflation", bei der die untersuchten Waren nach ihrer Kaufhäufigkeit gewichtet werden. Für den Juli 2013 ermittelten sie für die gefühlte Inflation ein Jahreshoch von 2,9 Prozent, nachdem diese sich im März 2013 noch auf nur 1,9 Prozent belaufen hatte. Durch die gestiegenen Lebensmittelpreise lag sie im Sommer damit bereits deutlich über ihrem langjährigen Mittelwert von 2,5 Prozent. Da Obst, Gemüse, Fleisch und andere Nahrungsmittel besonders häufig eingekauft werden müssen, wirken sich Preiserhöhungen in diesem Bereich sowohl in der Wahrnehmung der Verbraucher als auch in der Haushaltkasse in besonders starkem Maße aus. Von den UniCredit-Analysten wurden sie deshalb mit 27 Prozent gewichtet. In die offizielle Inflationsstatistik kommen sie dagegen nur mit einer Gewichtung von zehn Prozent zum Tragen. Preissenkungen bei langlebigen Konsumgütern, beispielsweise Computern oder Haushaltselektronik, spielen in der UniCredit-Rechnung wegen der geringeren Kaufhäufigkeit nur eine marginale Rolle.

Steigende Erzeugerpreise für Lebensmittel als Indikator für die Inflationsentwicklung

Verantwortlich für den Preisanstieg bei Lebensmitteln sind die ungünstigen Witterungsverhältnisse dieses Jahres, aber auch eine wachsende Nachfrage nach Nahrungsmitteln in vielen Schwellenländern. Auf den deutschen Markt führte dieser Trend bereits im Juli 2013 zu einem Anstieg der Erzeugerpreise um 4,1 Prozent, der beispielsweise bei Milch und Milchprodukten sehr deutlich spürbar war: Butter war in diesem Monat im Vergleich zum Vorjahr um 46,9 Prozent teuer, Milch kostete um 19,2 Prozent mehr, Käse und Quark verteuerten sich um 6,5 Prozent. Bei Brot und Backwaren betrug der Preisanstieg 2,7 Prozent. Die Erzeugerpreise sind damit auch ein Indikator für die Inflationsentwicklung. 

Inflation - größtes finanzielles Risiko für das Rentenalter

Bei den Verbrauchern führt die steigende "gefühlte" - und grundlegenden Bereichen des Alltags eben auch reale - Inflation zu Ängsten, dass die steigenden Lebenshaltungskosten die Reserven für die Altersvorsorge langfristig vernichten. Nach einer Studie der Allianz fürchtet rund die Hälfte der heute 50- bis 70-jährigen Europäer, ihren bisherigen Lebensstandard zu verlieren. Die steigende Inflation sehen sie dabei als das größte finanzielle Risiko für ihr Rentenalter.


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