Die Wahrheit über die deutschen Autobauer

Der US-Automarkt ist bedroht, Donald Trump sieht die Schuld bei der deutschen Automobilindustrie. Offenbar fehlt ihm die belastbare Datenbasis, wie das CAR Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen ermittelte.


Die Wahrheit über die deutschen Autobauer

Er sorgte wieder einmal für Aufregung: US-Präsident Donald Trump hat erneut die deutsche Autoindustrie dafür kritisiert, den US-Autobauern den Markt abzugraben.

Vor allem die Premiumwagen sind ihm offensichtlich ein Dorn im Auge, da Millionen davon in den Vereinigten Staaten verkauft würden.

Weit gefehlt, der Marktanteil der fünf relevanten deutschen Hersteller sinkt seit 2011 kontinuierlich.

Sinkende Zahlen: Deutsche Autoindustrie verkauft weniger in die USA

Wie eine Erhebung des an der Uni Duisburg-Essen angesiedelten CAR Center Automotive Research ergab, betrug der deutsche Anteil am US-Automarkt im Jahr 2011 noch 8,6 Prozent, um in den folgenden zwei Jahren auf 8,0 Prozent zu sinken - Tendenz weiter fallend. Nicht zuletzt die Schwäche von VW zeichnet dafür verantwortlich. Im aktuellen Jahr bedienten die deutschen Autobauer noch ganze 7,3 Prozent des US-Fahrzeugmarktes, selbst bei Einbeziehung der Exoten und Kleinwagen der Tochterunternehmen können nur 7,6 Prozent verzeichnet werden.

Unter dem Strich fristet die deutsche Automobilindustrie in den USA, dem zweitgrößten Automarkt weltweit, nicht mehr als ein Nischendasein. Mit den heimischen Anbietern oder Fahrzeugherstellern aus Japan und Korea können sie jedenfalls bei Weitem nicht mithalten. Vor allem VW hat Marktanteile verloren, und das nicht erst seit Bekanntwerden der Abgasmanipulationen. Für das Jahr 2016 wurden Verkäufe von 1,27 Millionen Fahrzeugen registriert, davon reichlich 0,5 Millionen aus dem Volkswagen-Konzern - das Gesamtvolumen lag in den USA bei über 17,5 Millionen Fahrzeugen.

Nicht erwähnt: Deutsche Autoproduktion in den USA

Die Zahlen passen wohl nicht in das Bild, das der US-Präsident so drastisch zeichnet: Die deutsche Automobilindustrie betreiben einige Standorte in den Vereinigten Staaten. So ist zum Beispiel die weltweit größte Produktionsstätte des BMW-Konzerns in Spartanburg in South Carolina stationiert. Hier wurden im letzten Jahr mehr als 400.000 Fahrzeuge hergestellt. Insgesamt liefen fast 850.000 Kraftfahrzeuge deutscher Hersteller in den USA vom Band. Vor allem in den Bundesstaaten Michigan und South Carolina, wo auch General Motors, Chrysler und Ford angesiedelt sind, stellen deutsche Unternehmen die meisten Arbeitsplätze. Einen maßgeblichen Anteil daran hat die deutsche Autoindustrie.

Vor diesem Hintergrund erhalten die Ausführungen von Donald Trump einen faden Beigeschmack, zumal er als großer Kritiker von "Fake News" von sich reden machte. Die Kritik an den deutschen Außenhandelsbilanzüberschüssen auf die Automobilindustrie zu reduzieren, dürfte sich an dieser Stelle als Bumerang erweisen.


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