Energiemärkte: Wie Fracking die Welt verändern wird

Russland, bislang weltweit größter Öl- und Gasproduzent, wurde von den USA jetzt auf Rang 2 verwiesen. Der Grund: Fracking. Was bedeutet der amerikanische Fracking-Boom für die Energiemärkte?


Fracking

USA: Dank Fracking ganz vorn

Hydraulic Fracturing, kurz Fracking, das unter hohem Wasserdruck tiefliegende Gesteinsschichten zur Gewinnung von Schiefergas und Erdöl aufsprengt, macht die USA jetzt zum Energieproduzenten Nummer 1. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) und US Energy Information Administration (EIA) konnten die Vereinigten Staaten Weltmarktführer Russland dank dieser Bohrtechnik in punkto Fördermengen überholen: Während die jüngste US-amerikanische Produktionsstatistik eine tägliche Fördermenge von über 22 Millionen Barrel (1 Barrel = 159 Liter) an Öl, Erdgas und weiteren Brennstoffen ausweist, nennt Russland für 2013 21,8 Millionen als Zielvorgabe. Tatjana Mitrowa, Russische Akademie der Wissenschaften, sieht Russland als Verlierer im globalen Markt, denn Steuern und Zölle auf Gas- und Ölgeschäfte machen über 40 Prozent des russischen Haushalts aus. Allerdings rechnen Experten wie Peter Jackson vom Beratungsunternehmen IHS Cera mittelfristig kaum mit Anstieg der russischen Ölproduktion - Russland investiere zu wenig in innovative Förderungsverfahren und neue Förderstätten.

Globale Rohstoffmärkte in Bewegung

Dank Fracking mussten die USA in den letzten fünf Jahren 32 Prozent weniger Erdgas und 15 Prozent weniger Erdöl einführen. Werden die USA jetzt zum Selbstversorger, der sich vom Nahen Osten bzw. Saudi-Arabien unabhängig macht? Als Exporteur von Brennstoffen könnten die USA etwa durch Exporte nach China Einfluss auf die globalen Handelsströme nehmen. Die Machtverhältnisse auf den Rohstoffmärkten verschieben sich: Bisher steht das täglich 11,7 Millionen Barrel fördernde Saudi-Arabien weiter auf Platz 1 als Rohölexporteur, die USA mit 10,3 Millionen auf Platz 3, deren strategisches Interesse am Nahen Osten zurückgeht. Entsprechend wird sich die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) neu Richtung Asien orientieren müssen. Europa, von russischen Gasimporten abhängig, könnte bis zum erneuten Anziehen der Weltkonjunktur von sinkenden Preisen profitieren. Wie Deutschland, das 23 Prozent seines Energieverbrauchs aus Erdgas (zu knapp 87 Prozent über Importe) deckt.

Frackingverzicht verwässert deutsche Klimabilanz 

Angesichts der aktuellen Haushaltsblockade stimmt das Timing der US-Energierevolution: So konnte Fracking schon geschätzte 600.000 neue Arbeitsplätze schaffen und Amerikas Steuereinnahmen um 115 Milliarden steigern. Gleichzeitig fielen die US-Strompreise um zehn Prozent - zugunsten der Kaufkraft. Folgt der Rest der Welt dem amerikanischen Vorbild? Während die USA umfangreiche Lagerstätten in den Schieferformationen von Texas und North Dakota erschließen, sperren sich Deutschland und Frankreich aus Umweltschutz-Gründen noch gegen das Verfahren.

Schlechte Zeiten für die deutsche Klimaschutzbilanz: Hohe Preise für russisches Erdgas lassen Deutschland auf Kohlekraftwerke setzen, während Amerika Gaskraftwerke baut, die weit weniger Kohlendioxid abgeben. So erreichen die USA ihre Klimaschutzziele, obwohl dort Investitionen in erneuerbare Energien seit Jahren rückläufig sind. Hier muss hinterfragt werden, ob die alleine Ausrichtung auf Klimaschutzziele es rechtfertigt, andere Umweltsünden zu begehen.

Denn so positiv all dies klingt - das Förderverfahren selbst ist mit hohen Umweltrisiken verbunden:

  • das beim Aufsprengen eingesetzte Wasser (ca. 10 Millionen Liter pro Bohrung!) enthält toxische Chemikalien wie Antioxidationsmittel, wodurch das Grundwasser verunreinigt wird.
  • Verunreinigung des Oberflächenwassers durch das zurückgepumpte Bohrwasser, da mit dem Förderstättenwasser Schwermetalle und radioaktive Stoffe an die Oberfläche getragen werden. Bereits jetzt ist belastetes Wasser in US-amerikanische Flüsse gelangt.
  • Migration von Stoffen aus der Lagerstätte in anderen Schichten
  • Unfälle beim Abtransport des Brauchwassers.

 

Deutschland: Wer von Fracking profitiert

Zu den konkreten Auswirkungen von Fracking ist bislang nur wenig bekannt (so wird behauptet). Trotzdem hat Deutschland schon zwölf Förderlizenzen an Unternehmen wie Exxon Mobil, BNK Petroleum und 3Legs Resources vergeben - unter anderem für Fracking in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Thüringen. Im deutschen Boden, vor allem im Oberrheingraben und im Norddeutschem Becken liegen 1,3 Billionen Kubikmeter Schiefergas. Das Bundesumweltministerium, (zum Glück) noch gegen Schiefergasförderung in Trinkwasserschutzgebieten, kündigte neue Auflagen an, während die europäische Frackingbranche die Vorteile für Wirtschaft, Arbeitsmarkt und Kaufkraft herausstreicht: Fracking sei nicht gefährlicher als konventionelles Erschließen von Gasvorkommen, so Kurt Bock, Branchenverbandschef Cefic (The European

Chemical Industry Council). Dass er das sagen muss, liegt auf der Hand. Für die Chemieunternehmen bietet Fracking die Chance, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Konkurrenz aus dem Mittleren Osten, im Vorteil durch geringere Betriebskosten dank niedrigerer Energiepreise, scheint übermächtig. Wo Energiekosten mit gut 50 Prozent der Betriebskosten zu Buche schlagen, verlegt man seinen Produktionsstandort kurzerhand in die USA. Das ist natürlich ein schlagkräftiges Argument im Sinne derjenigen, die das Fracking nach Deutschland bringen wollen. Das erhöht den Druck auf die Entscheider und es ist zu hoffen, dass Deutschland sich diesem noch lange stellen kann.

Gerade vor dem Hintergrund der insbesondere durch die Energielobby veröffentlichten (Falsch-)informationen zu den hohen Kosten der Energiewende besteht die Gefahr, dass Politiker dem Druck nachgeben könnten. Dabei sind die Strompreise an den Strombörsen durch die Erneuerbaren tatsächlich gesunken. Dem Endverbraucher werden diese Einsparungen aber nicht weitergegeben. Und somit wird dem Großteil der Bevölkerung glauben gemacht, dass die „Subvention“ (so wird es ja gerne gesagt) erneuerbarer Energien viel zu hoch sei. Und genau da, wenn es um das eigene Portemonnaie geht, sind die meisten Menschen verwund- und beeinflussbar. Aus dieser Logik heraus ist es fast ein Muss, weiter die konventionelle Energieerzeugung voranzutreiben oder eben sogar solche stark umstrittenen Techniken wie das Fracking zu propagieren. Langfristig viel sinnvoller und nachhaltiger sollte jedoch der Focus auf die alternative Energiegewinnung gelegt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Menschen wachsam bleiben und erkennen, was tatsächlich hinter den verbreiteten Informationen steckt.


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