Energiewende: Die Briten zeigen, wie es geht

Die Energiewende ist in Deutschland zwar ein unerschöpfliches Thema für Medien und Politik, kommt in der Praxis jedoch nur zögerlich voran. Großbritannien zeigt jetzt, dass es auch anders gehen kann - unter aktiver Beteiligung von deutschen Unternehmen. Die Anzahl der Offshore-Windparks vor der britischen Nordseeküste befindet sich rasant im Aufwind.


Energiewende

Auch deutsche Energieversorger engagieren sich hier intensiv: RWE Innogy und Wettbewerber E-on haben in ihre jeweils vier britischen Hochsee-Windparks schon bisher Milliarden investiert, weitere Projekte sollen folgen. In Deutschland ist das erste RWE-Innogy-Projekt "Nordsee Ost" dagegen noch immer nicht ans Netz gegangen, ein weiterer deutscher Offshore-Windpark des Konzerns befindet sich in der Planungsphase. Auch die deutschen Aktivitäten von E-on in dieser Branche sind bisher auf eine einzige Anlage beschränkt.

Energiewende in Deutschland - triste Realität trotz großer Pläne

Aus Sicht der Politik sollen Offshore-Windparks zwar auch in der deutschen Energiewende eine zentrale Rolle spielen. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) ließ wissen, dass sie in Zukunft zum Teil den Strom von abgeschalteten Atomkraftwerken ersetzen sollen. Offshore-Windparks produzieren viel gleichmäßiger Elektroenergie als Land-Windräder oder Solaranlagen. Die Bundesregierung plant, bis 2020 in Nord- und Ostsee Offshore-Windanlagen mit einer Kapazität von mindestens 10.000 Megawatt zu bauen. Dieser Wert entspricht der Leistung von über 2.000 Turbinen respektive rund zehn Prozent der gesamten deutschen Stromerzeugung. Soweit die Theorie. Die Realität der Energiewende in Deutschland sieht indessen trübe aus. Ende Juni 2013 waren vor der deutschen Küste nur 89 Windräder mit einer Gesamtleistung von 385 Megawatt am Netz. Zum Vergleich wieder der Status Großbritanniens: Erst vor kurzem wurde vor der Themsemündung der weltweit größte Windpark London Array eröffnet. Die Briten verfügen damit jetzt über neunmal größere Offshore-Kapazitäten als die Deutschen.

Das Erfolgsgeheimnis der britischen Energiewende lässt sich auf einen simplen Nenner bringen: Offshore-Windparks in Küstennähe und einfache bürokratische Regelungen. Deutsche Hochsee-Windanlagen müssen nach dem Willen von Umweltschützern, Bürgern und Touristik-Chefs mindestens 25 bis 40 Kilometer Abstand zur Küstenlinie halten. Entsprechend kompliziert gestalten sich Bau, Betrieb sowie die Festlandanbindung der Windparks. Die Offshore-Projekte vor der deutschen Küste leiden wegen daraus resultierender "technischer Probleme" gleich serienweise unter jahrelangen Verzögerungen. In Großbritannien sind Hochsee-Windparks in zehn bis 15 Kilometer Entfernung vor dem Festland kein Problem. Gleichzeitig sind die Energiekonzerne dort nicht wie in Deutschland auf die infrastrukturellen Leistungen von Drittanbietern angewiesen, sondern gestalten diese in eigener Regie.

Unternehmen und Investoren reklamieren Planungssicherheit

Das schleppende Vorankommen der Energiewende in Deutschland hat seine Ursache im Kern in einer verfehlten Politik. Für die britischen Windparks hat London schon vor Jahren einen Masterplan entwickelt, eine systematische Konzessionsvergabe betrieben und Haftungsfragen bei Verzögerungen abgeklärt. Als Folge davon sind die britischen Anlagen im Vergleich zu Deutschland ein Paradies für Investoren. Auch deutsches Kapital wird hierdurch angezogen. Beispielsweise halten die Stadtwerke München oder Siemens größere Beteiligungen an britischen Offshore-Windanlagen.

Deutschland bringt dagegen derzeit zwar einige entsprechende Projekte zu Ende, neue Investitionen in diesem Sektor sind jedoch nicht in Sicht. RWE-Innogy-Chef Peter Terium und andere Energieexperten bringen die Probleme hierzulande auf den Punkt: Hohe Investitionsrisiken durch fehlende Klarheit der politischen Entscheidung und das Verkommen der Energiewende zu einem reinen Lobby-Thema. Durch die anhaltenden Diskussionen um der Erneuerbare-Energien-Gesetz und die künftigen Subventionsleistungen für Ökostrom schreckt die Bundesregierung interessierte Investoren wirksam ab und bringt die Energiewende insgesamt in Misskredit. Zu hoffen bleibt, dass der neue Koalitionsvertrag hier in absehbarer Zeit verlässliche politische Rahmenbedingungen ermöglicht. Das Beispiel Großbritannien zeigt im Übrigen, dass die Kürzung der Subventionen für die Energiewende Unternehmen Investoren nicht zwangsläufig verschreckt. Entsprechende Regelungen sollen ab Mitte 2014 greifen. Der Unterschied zu Deutschland: Ihre Auswirkungen sind für alle Beteiligten verlässlich planbar.

 

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