Expertenartikel

Euro im Höhenflug - mit Gefahren für die Wirtschaft

Der Euro wird im Vergleich zum US-Dollar immer stärker. Für die meisten EU-Länder, allen voran die südeuropäischen Krisenstaaten, birgt dieser Höhenflug wirtschaftliche Gefahren. Deutschland hat im Hinblick auf den Wechselkurs allerdings durchaus noch Luft nach oben. Vor zwei Jahren befürchteten Ökonomen und Finanzpolitiker, dass die europäische Währung kollabiert - heute ist sie stark wie selten.


Euro

Die Europäische Zentralbank (EZB) und große Teile der europäischen Wirtschaft freut diese Entwicklung jedoch nicht - der Euro wird für viele EU-Länder schlicht zu teuer. Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) drohte EZB-Präsident Mario Draghi erst vor kurzem, dass ein weiterer Höhenflug des Euro weitere Anpassungen der Geldpolitik erfordern würde. Im Klartext: Wenn der Wechselkurs des Euro weiter steigt, reagiert die EZB mit noch geringeren respektive negativen Zinsen.

Wechselkurs von 1,40 Dollar - für die meisten Euro-Länder problematisch 

Bemerkenswert war nicht nur Draghis Signal an die Investoren, den Kurs des Euro nicht noch weiter hochzutreiben, sondern auch die Reaktion des IWF. Zu dessen Geschäftsgrundlage gehört normalerweise, Wechselkursmanipulationen grundsätzlich abzulehnen. Noch im vergangenen Jahr erntete Japan harsche Kritik für seine Strategie, den Yen künstlich schwach zu halten. Jetzt kommentierte Hans Redeker von der US-amerikanischen Investmentbank Morgan Stanley, dass der IWF der EZB de facto einen Freibrief ausstellt, den Euro durch ihre geldpolitischen Maßnahmen zu schwächen. Offenbar sei die Lage in der Euro-Zone derart ernst, dass Europa zu extremen Mitteln greifen müsse.

Deutschland: Bisher keine Schwierigkeiten mit dem starken Euro

Das größte Problem des Euro ist derzeit womöglich seine Stärke. Nach einer längeren Schwächephase notiert sein Wechselkurs heute wieder bei etwa 1,40 US-Dollar. Für die Wirtschaft der meisten Euro-Länder ist dieser Kurs zu hoch. Besonders betroffen sind die Krisenstaaten Südeuropas, die sich zuletzt in sehr kleinen Schritten auf einen ökonomischen Aufschwung zubewegten. Auch Frankreich und Italien leiden unter dem starken Euro, da europäische Exporte auf dem Weltmarkt immer teurer werden. Redeker hat für die einzelnen Länder der Eurozone die optimalen Wechselkurse ausgerechnet. Als Basis dafür dienten die Lohnstückkosten respektive die Arbeitskosten in Relation zur Wirtschaftsleistung. Demnach würden Spanien oder Portugal einen Euro-Wechselkurs von 1,27 US-Dollar gut vertragen. Für Frankreich und die Niederlande läge der optimale Kurs bei 1,23 respektive 1,22 Euro. Für Griechenland böte ein Kurs von 1,02 US-Dollar - 26 Prozent unter dem aktuellen Wert - die besten wirtschaftlichen Chancen.

Für Deutschland resultieren aus dem starken Euro dagegen bisher keinerlei Probleme - kritisch würde es für die hiesige Exportwirtschaft erst ab einem Kurs von 1,52 US-Dollar. Die deutschen Exporte fokussieren sich traditionell auf technisch hochwertige Maschinen, Anlagen und Geräte - mit dem Effekt, dass für sie auf dem Weltmarkt weniger Kostenaspekte, sondern das deutsche Qualitätsversprechen eine Rolle spielen. Dagegen ist Südeuropa überwiegend auf den Export kostensensibler Produkte - beispielsweise von Textilien oder Lebensmitteln - angewiesen. 

Gefährliches Szenario: Deflation und Euro-Stärke

Zusammen mit dem hohen Wechselkurs werden in einigen europäischen Ländern auch deflationäre Tendenzen zum Problem. Niedrige Investitionen und sinkende Löhne könnten zusammen mit dem starken Euro zu einer nachhaltigen Blockade des Wirtschaftswachstums führen. Um diese Abwärtsspirale zu vermeiden, hat EZB-Präsident nach wie vor im Blick, den Höhenflug der europäischen Währung durch ein Anleihekaufprogramm zu stoppen, das außerdem die Zinsen niedrig halten würde. Offen ist die Frage, welcher Wechselkurs deflationäre Tendenzen sicher stoppen würde. Morgan-Stanley-Banker Redeker ist der Meinung, dass sich Europa dabei am schwächsten, jedoch wirtschaftlich relevanten Mitglied - aktuell Italien - orientieren müsse, anderen falls könne die gesamte Kette brechen. 


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