Großbritannien und sein Provisionsverbot

Vor gut zwei Jahren war Großbritannien eines der ersten europäischen Länder, in denen ein allgemeines Provisionsverbot bei Finanzberatung eingeführt wurde. Seither schaut man woanders mit großem Interesse auf die Auswirkungen auf den Finanzdienstleistungsmarkt. Manche Befürchtungen erwiesen sich dabei als unbegründet.


Provisionsverbot

Kein allgemeines Beratersterben nach Provisionsverbot

Als die Neuregelung eingeführt wurde, gingen viele Experten von einem spürbaren Rückgang der Finanzberatung und -vermittlung auf der Insel aus. Denn beim Provisionsverbot müssen die Kunden für die Beratungsleistung explizit bezahlen, während die provisionsorientierte Finanzberatung scheinbar kostenlos ist. Im Vorfeld der Neuregelung war befürchtet worden, dass dieser Paradigmenwechsel zu einer Austrocknung des Beratungsangebots insgesamt führen könnte. 

Zwei Jahre später kann von einem dramatischen Rückgang allerdings keine Rede sein. Waren im Jahre 2008 in Großbritannien 38.750 Finanzberater registriert, sind es heute noch 33.000. Rund 6.000 haben also mittlerweile aufgegeben, die meisten davon sind übrigens Bankberater. Bei dem Rückgang mag das Provisionsverbot eine Rolle gespielt haben, die alleinige Ursache ist es wahrscheinlich nicht.

In Deutschland sind die Zahlen auch ohne solches Verbot sogar stärker rückläufig. Zu der insgesamt moderaten Entwicklung mag beigetragen haben, dass es auch in Großbritannien Ausnahmebereiche gibt, in denen provisionsorientierte Beratung weiterhin möglich ist - nämlich bei Baufinanzierungen und Risiko-Lebensversicherungen

Veränderte Beratungslandschaft 

Dennoch hat das Provisionsverbot die Beratungslandschaft im Vereinigten Königreich verändert. Anbieter von Finanzberatung müssen beim Beratungsumfang schärfer kalkulieren und differenzieren. Vor allem im Bankbereich ist eine Konzentration auf vermögendere Kunden zu beobachten. Nur bei dieser Kundenschicht, die für Beratung auch mehr zu zahlen bereit ist, lohnt sich eine individuelle und aufwändigere Leistung. Bei Retail-Kunden sind dagegen günstigere Lösungen gefragt. Hier gibt es eine verstärkte Tendenz zur standardisierten Beratung per Telefon oder Online-Beratung. Sie wird auch von der Politik favorisiert, um die drohende Beratungslücke in diesem Bereich zu schließen. 

Bei komplexen Finanzprodukten ist dieses Beratungsmodell allerdings wenig geeignet. Sie bleiben dann entweder breiten Schichten verschlossen oder es besteht die Gefahr einer unsachgemäßen Nutzung. Auch an den Ausnahmebereichen für das Provisionsverbot stoßen sich manche Experten. Sie behinderten eine ganzheitliche Finanzberatung, die eigentlich anzustreben wäre, so die Argumentation. Trotz dieser Nachteile wird das Provisionsverbot per saldo als Fortschritt gesehen. 

Den Boden bereiten 

Vielfach wird davor gewarnt, das Modell unbesehen auf Deutschland zu übertragen. Der britische Finanzdienstleistungsmarkt sei wesentlich entwickelter als der deutsche. Schärfere Transparenzregeln und eine strengere Regulierung gebe es in Großbritannien schon länger. Insofern sei der Boden für ein Provisionsverbot bereits vorbereitet gewesen, in Deutschland wäre hier, ähnlich wie bei der Einführung der Honorarberatung, noch einiges zu tun.


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