Hedgefonds mit Katastrophenjahr

Hedgefonds und ihre Manager wurden in der Finanzwelt einst gefeiert. Inzwischen stecken die früheren Stars jedoch in einer tiefen Krise. 2013 wird für die Branche zu einem Katastrophenjahr. Hedgefonds stehen für ein globales Anlagevolumen von 2,5 Billionen US-Dollar (1,5 Billionen Euro). Hinter US-Aktien sowie globalen Indizes liegen sie renditemäßig weit zurück. Seit Anfang 2013 kommen Hedgefonds gemessen am breit aufgestellten HFRX Global Hede Fund Index nur auf Erträge von 5,5 Prozent.


Hedgefonds

Der US-Aktienindex S&P 500 konnte im gleichen Zeitraum einen Wertzuwachs von 24 Prozent für sich verbuchen. Noch dramatischer stellt sich die mittelfristige Wertentwicklung von Hedgefonds dar: In den vergangenen drei Jahren haben sie praktisch keinerlei Wertzuwachs mehr erzielt. Der S&P 500 konnte im gleichen Zeitraum einen Wertgewinn von 50 Prozent verzeichnen, der MSCI World brachte es auf ebenfalls komfortable 35 Prozent. Hinter dem S&P 500 liegen die Hedgefonds bereits seit fünf Jahren um 97 Prozentpunkte zurück. Experten stellen vor diesem Hintergrund die Existenz der Branche insgesamt in Frage.

Hedgefonds - Verlust von Professionalität und Markenkern

Hedgefonds-Manager - ihrem Ruf nach die absoluten Profis der Finanzwelt - nahmen bisher für sich in Anspruch, die Märkte in allen Lagen schlagen zu können. Ihr Fondsmodell erlaubt sowohl Wetten auf steigende als auch auf fallende Kurse, ihr Einsatz ist oft zusätzlich durch Kreditaufnahmen unterlegt. Zudem besitzen die Manager das Recht, die Anlageklassen nahezu frei zu wählen und können so die attraktivsten Wertpapiere für das Fonds-Portfolio erwerben.

Für die Anleger der Fonds hat dieser Luxus seinen Preis. Allein in diesem Jahr dürften rund 50 Milliarden US-Dollar an Fondsgebühren zusammenkommen. Das Problem dabei: Die früheren Stars sind offensichtlich ihre fürstlichen Gehälter nicht mehr wert. Nick Markola, Analyse-Chef der US-Vermögensverwaltung Fieldpoint Private, benennt die Stolpersteine für die Hedgefonds. Aus seiner Sicht waren und sind diese gegenüber Aktien defensiv positioniert. Die Maßnahmen der Zentralbanken haben vor allem den positiven Aktientrend gestützt. Ab 2015 dürfte sich die Situation der Hedgefonds nochmals verschärfen, da dann in den USA schärfere Regeln für institutionelle Hedgefonds-Investitionen gelten.

Andere Experten machen den Niedergang der Hedgefonds an strukturellen Faktoren fest: Die Branche sei in den vergangenen Jahren viel zu schnell gewachsen. Noch 1997 verwalteten die Fonds mit einigen hundert Fondsmanagern etwa 100 Milliarden US-Dollar. Heute sind über 10.000 Profis in diesem Marktsegment aktiv, von denen aus Sicht von Branchen-Kennern vielleicht ein Zehntel tatsächlich über das Profil eines professionellen Hedgefonds-Managers verfügen. Das Anlagemodell habe hierdurch sowie das immens gewachsene Anlagevermögen sowohl seinen Markenkern als auch wichtige Renditepotentiale verloren. 

Hohe Kosten, wenig Zukunftsfähigkeit

Die Kosten für die Fonds offenbaren weitere Schwächen. Ihre Investoren haben meist eine Verwaltungsgebühr von zwei Prozent des Anlagevermögens sowie 20 Prozent der Gewinne als Gebühren abzuführen. Aktiv gemanagte Aktienfonds verlangen im Schnitt dagegen nur 1,3 Prozent an Gebühren - und schaffen dadurch einen Investitionsanreiz, den die Hedgefonds nicht zu bieten haben. Der US-amerikanische Branchen-Experte Barry Riltholtz bezeichnet sie als "gigantische Transfer-Maschinen", deren Aufgabe es vor allem sei, Wohlstand von den Investoren zu den Fonds-Managern umzulenken. Abgesehen von einigen echten Super-Stars schaffen es diese jedoch heute nicht einmal, die Wertentwicklung der Märkte abzubilden. Hedgefonds-Manager der alten Schule - allen voran Legenden wie George Soros oder Stan Druckenmiller - erwirtschafteten für ihre Investoren unabhängig von der Situation der Märkte Jahresrenditen von mindestens 20 Prozent.

Die Fonds von Druckenmiller haben in den letzten zwei Dekaden durchschnittliche Jahresrenditen von 30 Prozent erzielt. Den aktuellen Trend der Hedgefonds betrachtet der Hedgefonds-Veteran als "Tragödie", die der gesamten Branche nur wenige Zukunftschancen lässt. Bei den Investoren leben Hedgefonds jedoch offensichtlich immer noch von den Erfolgslegenden, die in den 1990er und den frühen 2000er Jahren entstanden sind. Der Datenanbieter Preguin nennt eine globale Summe von 360 Milliarden US-Dollar, die im Laufe dieses Jahres in Hedgefonds flossen. Viele Anleger wollen mit den Fonds dem Niedrigzins-Umfeld entfliehen oder ihr Depot-Risiko diversifizieren. Aus Druckenmillers Sicht sind allerdings auch die neuen Fonds-Modelle, die mit "risikobereinigten Renditen" und Diversifizierung Kunden binden wolle, weder zukunfts- noch renditenfähig.

Hedgefonds in Deutschland - nur in einer Nischen-Position

In Deutschland fristen Hedgefonds übrigens eher ein Nischen-Dasein. Die insgesamt 17 Fonds verwalten ein Anlagevolumen von nur 612 Millionen Euro, seit Anfang 2013 haben die Anleger rund zehn Prozent ihrer Gelder abgezogen. Ihre durchschnittliche Performance liegt bei 2,6 Prozent. Neben einigen Hedgefonds mit Gewinnen zwischen fünf und zehn Prozent gibt es Verlierer, die mit bis zu 15 Prozent im Minus liegen.

 

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