Insolvenz bei Prokon: Die Anleger tragen eine erhebliche Mitschuld

Durch die bekanntgegebene Insolvenz von Prokon könnten rund 75.000 Menschen ihre Anlagevermögen verlieren. Die meisten von ihnen haben den Rendite- und Ökologie-Versprechen von Prokon-Chef Carsten Rodbertus blind vertraut - trotz zahlreicher Warnungen von Verbraucherschützern und Behörden. Prokon versprach seinen Anlegern ökologisch korrekte Investitionen in Windkraft und Traumrenditen von mindestens sechs Prozent bei völliger Abwesenheit von Risiken.


Prokon

Die Werbung für die Prokon-Genussrechte war zeitweise nahezu omnipräsent. Die rund 75.000 Anleger, die sich davon überzeugen ließen, investierten im Schnitt jeweils 20.000 Euro in die Papiere. Dass sie gegenüber Prokon im Insolvenzfall kaum Rechte haben, dürfte den wenigsten von ihnen klar gewesen sein. Derzeit versucht Prokon, seine Genussrechtsinhaber davon zu überzeugen, mindestens bis September 2014 kein Kapital aus dem Unternehmen abzuziehen und bereits erfolgte Kündigungen zu widerrufen - anderenfalls sei ein Insolvenzantrag unvermeidlich. Bis zum Montagnachmittag hatten knapp 39.000 Anleger dem maroden Unternehmen ihre Unterstützung zugesagt. Dabei geht es um ein Gesamtvolumen von 750 Millionen Euro respektive etwa 50 Prozent des Genussrechtskapitals. Experten gehen allerdings davon aus, dass dieser Betrag nicht reichen wird, eine Pleite abzuwenden. Sie schätzen, dass Prokon Zusagen über rund 1,33 Milliarden Euro braucht, um sich nachhaltig zu sanieren, zudem dürfte das Volumen der Kündigungen nicht wesentlich über 70 Milliarden Euro steigen.

Hohe Risiken bei Prokon - seit langem in der öffentlichen Debatte

Den Prokon-Anlegern dürfte trotzdem nicht viel anderes übrig bleiben, als darauf zu hoffen, dass die zugesagte Hilfe Früchte trägt. Ein Gutachten ist bereits zu dem Schluss gekommen, dass gekündigte Genussrechte allen anderen Forderungen nachgelagert sind und im Insolvenzverfahren daher nicht als fällige Forderungen betrachtet werden könnten. Im Klartext: Die Gläubiger stunden Prokon in ihre Forderungen auf unbestimmte Zeit, de facto verlieren sie im Fall der endgültigen Zahlungsunfähigkeit von Prokon ihr Anlagevermögen. Vor einem solchen Szenario haben sowohl Verbraucherschützer als auch die Finanzbehörden schon seit längerer Zeit gewarnt. Bei den Prokon-Anlegern stießen sie damit jedoch auf taube Ohren.

Offensichtlich wollten sich diese mehrheitlich nicht der Frage stellen, wie sicher ihr Geld bei Genussrechten wirklich ist oder wie Prokon es schaffen will, ihnen sechs Prozent Rendite ohne Risiken zu zahlen. Eine Basis-Regel für Geldanlagen besagt, dass hohe Erträge auch hohe Risiken nach sich ziehen - was natürlich auch für die Prokon-Genussrechte gilt. 

Politiker fordern mehr Verbraucherschutz für Geldanlagen

Inzwischen hat sich zu dem Prokon-Debakel auch die Politik zu Wort gemeldet. Der neue Justiz- und Verbraucherschutz-Minister Heiko Maas forderte mehr Verbraucherschutz Im Finanzbereich, da viele Kleinanleger mit der Bewertung von Anlagemodellen offensichtlich überfordert seien. Ob schärfere Regelungen zur Transparenz tatsächlich greifen würden, ist jedoch dahingestellt: Zwar ist die Positionierung von Prokon im sogenannten Grauen Kapitalmarkt offensichtlich, die Verbraucher hat dies jedoch wenig interessiert - vermutlich hätten sie sich auch einen aussagefähigeren Prospekt wenn überhaupt nur oberflächlich durchgelesen. Am Ende gilt auch hier die Devise "Gier frisst Hirn", wogegen auch der Staat niemanden wirksam schützen kann.

Grüne Geldanlagen - ohne professionelle Anlagestrategie vor allem "Schuldtransfer"

Psychologen sehen als Basis für folgenschwere finanzielle Fehlentscheidungen übrigens weniger Gier, sondern deutlich differenziertere Gründe. Der Hamburger Finanzpsychologe Norman Welz beschreibt im "Tagesspiegel", warum viele Menschen bei Anlageentscheidungen "intuitiv das Falsche" tun. Prokon profitierte beispielsweise immens vom wachsenden Interesse an "grünen" Geldanlagen. Anleger verbinden damit unter anderem ein "ethisches" Konzept, dass sie ihrer subjektiven Wahrnehmung nach auch vor den negativen Folgen von Spekulationen "schützt". Sein hessischer Kollege Christoph Wahlen spricht im Hinblick auf ökologische und ethische Geldanlagen von einem "Schuldtransfer" - die Anleger möchten hierdurch ihre empfundene Mitschuld an gesellschaftlichen Missständen zumindest etwas mildern. Dabei komme oft ein "Confirmation Bias" - also ein "Bestätigungsfehler" - zum Tragen: Für ihre Anlageentscheidung wählen sie nur jene Informationen aus, die zu einem positiven Bild, das sie gewonnen haben, passen. Die Resultate dieser Strategie bestehen in Selbsttäuschung oder Selbstbetrug. Carsten Rodbertus und sein Team haben diese Konstellation sehr geschickt zum Kundenfang genutzt. Privatanlegern gibt Norman Welz mit auf den Weg, sich bei ihren Anlagenentscheidungen nicht an der eigenen Angst vor Verlusten, sondern an Profis zu orientieren. Diese achten auf ihr Risiko und steigen bei unsicheren Geldanlagen rechtzeitig aus. Privatanleger ohne Ausstiegsplan betreiben mit ihren Geldanlagen dagegen Glücksspiel.

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