Japanisierung der Eurozone: EZB und Draghi am Pranger

Mario Draghi und die EZB tragen zur Japanisierung der Eurozone bei, denn von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank profitieren ausschließlich sehr Reiche, Geschäftsbanken und Staaten. Der Rest muss untätig zuschauen.


Japanisierung

Die globalen Notenbanken haben zur Bekämpfung der Weltfinanzkrise ihre Geldschleusen weit geöffnet und lassen sich gerne dafür loben. Dass der Kollaps durch die lockere Geldpolitik eigentlich erst möglich geworden ist, wird von EZB-Chef Draghi und anderen Notenbankern dementiert. Prinzipiell sehen sie die unangenehmen Folgen von QE nicht, die vermeintlich bessere Konjunktur und Beschäftigungslage geht allerdings immer auf ihr Konto. Über den Segen oder Fluch der expansiven Geldpolitik wird lebhaft diskutiert. Fakt ist jedoch, dass die Wirtschaft bestens florierte, als das Geld noch einen realen Preis hatte.

Die Allmacht der Zentralbank

Die Europäische Zentralbank wurde von der Politik nach der Finanzkrise als einzige Institution angesehen, die aus dem Dilemma führen könne. Draghi versprach, den Euro zu retten, was immer es koste. Er übernahm die Rolle des Machers, stellte sich über die Politiker und krempelte die EZB entsprechend seinen Vorstellungen um. Anfangs hielt die Notenbank schützende Distanz zur Politik.

Heute spielt der Chef selbst den Politikakteur, der Staaten mit Geld versorgt und Banken rettet. Doch hat sich die Zentralbank in ihrer eigenen Fiskalpolitik gefangen, darf die Staatsschuldensünder nicht mit Zinserhöhungen konfrontieren und muss die Börsenkurse mit weiteren Anleihekäufen stützen. Die Politik wird nicht geändert, weil dann offensichtlich wird: Sie ist bereits gescheitert.

Keine wirkliche Konjunkturbelebung

Draghi hat mit all den EZB-Billionen praktisch nichts erreicht und weicht kritischen Fragen dazu aus. Obwohl die Bilanzsumme nur noch von der Bank of Japan übertroffen wird, erhöht die Europäische Zentralbank das Volumen um ein Weiteres. Die Märkte waren nur nervös, weil die Akteure noch mehr erwartet hatten und von Draghi überraschend gebremst wurden.

Bislang wurde nichts geschafft, die Konjunktur wurde ebenso wenig verbessert wie die Inflationsrate gesteigert. Das viele Geld kommt nicht in der Realwirtschaft an und wird aufgrund bereits bestehender Schulden dort auch wenig angefordert. 

Der unverständliche Inflationswunsch

Der EZB-Chef ist seit Jahren auf zwei Prozent fixiert, obwohl die Zentralbank zu Beginn im Einklang mit der Schweiz eine Geldentwertung von null bis zwei Prozent anvisierte. Wenn die Federal Reserve demnächst ihre Zinsen erhöht, wird das Spektakel wieder richtig spannend. Doch dies wird ebenso ignoriert wie die inflationäre Entwicklung bei den deutschen Vermögenswerten. Draghi setzt die Scheuklappen auf und sorgt in der Eurozone für japanische Verhältnisse.


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