Kostbares Anlegergeld versickert: China vor der Finanzkrise?

Die nächste Schattenbank in China hofft auf Rettung. Springt der Staat ein, wächst der graue Kapitalmarkt ungehindert weiter, doch eine Insolvenz könnte eine Kettenreaktion auslösen. Bedroht eine Finanzkrise die aufstrebende Volkswirtschaft? Wann hört Peking auf, mit Blick auf vermeintliche finanzielle und soziale Stabilität Staatsgelder in insolvente Unternehmen zu pumpen, statt Anleger an Verlusten zu beteiligen?


China

Grauer Kapitalmarkt wächst

Ist ein Treuhandfonds gerettet, droht die nächste Pleite. Seit Monaten kommt der Jilin Trust seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nach. Betroffen sind drei Anlagetranchen von insgesamt einer Milliarde Yuan (119 Millionen Euro), einst durch die China Construction Bank als renditestark beworben. Erst Ende Januar rettete eine Provinzregierung den 360 Milliarden schweren Anleihefonds Credit Equals Gold No. 1. Das weltweit größte Geldinstitut Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) hatte ihn für die China Credit Trust an Kunden durchgeleitet.

Ökonomen wie Zhang Zhiwei, Brokerhaus Nomura, warnen vor einer Finanzkrise: Insolvenzvermeidung durch Direktüberweisungen standortnaher Gebietskörperschaften gefährde Chinas Wirtschaftssystem und dehne den grauen Kapitalmarkt unter den Augen der Aufsichtsbehörden weiter aus. Geschätzte 1, 5 Billionen Yuan (180 Mio. Euro) stecken in derartigen Produkten, 16 Prozent der Geldversorgung der Wirtschaft laufen über unregulierte Instrumente: Als Peking die Kreditvergabe eindämmte, sammelten Bankmanager Geld über Tochtergesellschaften ein, statt offizielle Darlehen zu vergeben und leiteten es an den Büchern vorbei an ihre Firmenkunden weiter - Haftung für Ausfälle ausgeschlossen.

China rettet marode Branchen

Die Rettungsaktionen sollen eine Kettenreaktion an Insolvenzen wie die Pleite des erst 2010 aufgelegten, zehn Prozent Rendite versprechenden Credit Equals Gold verhindern. Doch weil der Kohleförderer Shanxi Zhenfu Energy Group mit dem Geld seiner Anleger Altkredite bediente, musste die Vermögensverwaltungsgesellschaft bei der Rückzahlung der 3,3 Milliarden Yuan (400 Millionen Euro) an die 700 Investoren passen. Also unterstützte die Regierung der Provinz Shanxi die Kohlegrube mit einer neuen Produktionslizenz und viel Geld.

Auch Jilin-Trust und Anlagegesellschaft Jilin Province Trust Co.rechnen damit, denn die Kohlebranche leidet unter immensem Preisverfall. Nur Restrukturierung, so Anlageverwalter, sichert langfristig das Überleben der Bergbauunternehmen. Doch muss China seine  umweltfeindliche Kohleproduktion retten, statt in moderne Umwelttechnologien zu investieren? Rettungskonzepte schließen auch viele Firmen aus den Branchen Solar, Stahl, Bau und der Exportindustrie ein, die intransparente Finanzierungen durch Vermögenverwaltungsprodukte erhielten.

China ignoriert drohende Finanzkrise 

Misstrauische Anleger gefährden das System. Schließlich leben Fonds davon, Geld langfristig zu verleihen und dazu kurzfristige Investorenmittel zu generieren. Springt der Staat auch beim Jilin-Trust ein? Experten diskutieren, ob man China durch den Ausfall kleinerer Fonds demonstrieren sollte, dass es im Prinzip keine Ausfallrisiken riskanter Produkte trägt. Nichts Neues, denn schon 2013 brachte die Insolvenz von bis zu 20 Trustfonds Einbußen und Rückzahlungsverzögerungen für die Investoren - Jilin und China Credit Trust sind nur zwei von etwa 60 vergleichbaren Treuhandgesellschaften. Aktuell über 1,2 Billionen Euro schwere Trusts sind laut Wall Street Journal zu 40 Prozent dieses Jahr fällig, Ausleihungen an Rohstoffförderer, Industrie, Immobilienentwickler oder Infrastrukturbetriebe nur zu geschätzten 3 Prozent durch Eigenkapital abgefedert. Eine Finanzkrise, die an Thailand erinnert, dessen Bruttoinlandsprodukt unvermittelt sank. Auch Japan stützte seine Wirtschaft ständig über schuldfinanzierte Programme. Das Ergebnis der Finanzkrise: 25 Jahre schwächelndes Wachstum und die höchstverschuldete Industrienation der Welt. Premier Li Keqiang könnte die Finanzkrise ausbremsen und den Markt über Ausfälle entscheiden lassen. Aber weil Peking sieben Prozent Wachstum versprach und die Gesundung Arbeitsplätze kostet, teilt man weiter Wohltaten aus.

Höchste Zeit für Strukturwandel

Kostbares Anlegergeld, das in dubiosen Löchern versickert, ist für Investitionen in künftigen Wohlstand verloren. Sinkt das Wachstum, steigt das Risiko einer systemweiten Finanzkrise. Nicht zuletzt, weil China die Geldmenge in den letzten Jahren extrem ausweitete, um marode Branchen zu stützen. Auch bei der Immobilienblase in Shanghai (bis 2006) räumten Regierung und Zentralbank hinter staatlichen Finanzmanagern auf. Banken in China, die auch Normalbürgerkonten verwalten, gehören komplett dem Staat. 2001 betrug die Quote uneinbringlicher Kredite 30 Prozent. Also parkte der Staat die faulen Darlehen in einer Bad Bank, wo etliche heute noch sind. 1989 weckt schlimme Erinnerungen. Nach einer ausgeprägten Wachstumsphase lösten Korrekturen Demonstrationen aus, die Peking durch die Armee niederschlagen ließ. Fest steht: Wohltaten durch immer mehr billiges Geld und endlose Rettungsaktionen führen langfristig direkt in die Finanzkrise. Nie hat China unprofitable Projekte wie nötig abgeschrieben, sondern Altschulden nur umgewälzt und so Wachstumseinbußen nur aufgeschoben. Eine Strategie, die China in den nächsten Jahren sicher auf die Füße fällt.


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