Krisenwährung Gold - noch kaufenswert?

Die politische Krise in der Ukraine führt zu Turbulenzen auf den Rohstoffmärkten - vor allem die Preise für Gold und Öl befinden sich im Aufwind. Angesichts der aktuellen Eskalation versuchen immer mehr Investoren, ihr Kapital in Sicherheit zu bringen. Für die Entwicklung an den Börsen spielte die Ukraine-Krise lange keine Rolle.


Gold

Nach der jüngsten Eskalation reagieren jedoch nun auch die Aktien. In der vergangenen Woche hatte der US-amerikanische Technologie-Index Nasdaq die größte Verlustserie seit drei Jahren zu verzeichnen, einige Papiere verloren im zweistelligen Bereich. Die Krisenwährung Gold befindet sich dagegen im Aufwind. Die Auswirkungen der politischen Entwicklung in Osteuropa betreffen jedoch den gesamten Rohstoffsektor - mit Folgen für die Weltwirtschaft. 

Preisanstieg  für Gold und Öl

Anfang letzter Woche stieg der Preis pro Feinunze Gold (31,1 Gramm) um knapp zehn US-Dollar auf 1.330 Dollar - der Preisanstieg wurde durch Umschichtungen getrieben. Seit dem Jahresanfang hat sich Gold damit um über zehn Prozent verteuert. Auch der Ölpreis zieht inzwischen an - komplementär zu wachsenden Befürchtungen, dass die Entwicklung in der Ost-Ukraine zu Versorgungsengpässen in Europa führen könnte.

Andere konjunktursensible Rohstoffe leiden dagegen unter der derzeitigen wirtschaftlichen Schwäche Chinas. Durch die Ukraine-Krise brechen neue Gräben zwischen Moskau und dem Westen auf. Westliche Regierungen warnten Russland bereits mehrfach vor einem Einmarsch in die Ukraine. Beobachter sehen einen neuen Kalten Krieg mögliches Zukunftsszenario.

Bisher sieht es nicht so aus, als ob Wladimir Putin einlenkt. Der Ölmarkt reagiert auf die Konfrontation sehr empfindlich, da die Ukraine eine wichtige Transitstation für Ölexporte nach Westeuropa  ist. Zudem ist Russland einer der weltweit größten Energieproduzenten, eine Drosselung der russischen Exporte würde die Weltwirtschaft empfindlich treffen. Die Notierungen für Industriemetalle - Kupfer, Zink, Blei und überraschenderweise auch Silber - geben dagegen nach.

Der Preisverfall für konjunkturabhängige Rohstoffe reflektiert neben Rezessionstrends in den Schwellenländern auch den Einfluss von Befürchtungen verschärfter Handelsbeschränkungen auf die  globale Konjunktur. Besonders interessant: In der aktuellen geopolitischen Situation gilt Silber anders als Gold offenbar nicht mehr als Krisenwährung.

Gold wird ein weiteres Mal zur Krisenwährung

Gold profitiert von jeder neuen Verschärfung  der Osteuropa-Krise. Der Preisaufschwung für Gold hat im Übrigen schon vor der Eskalation in der Ukraine eingesetzt. Das "Citi-Investmentbarometer" weist für das erste Quartal 2014 aus, dass 56 Prozent der befragten Investoren innerhalb der kommenden drei Monate einen weiteren Preisanstieg für Gold erwarten - der zweihöchste Wert seit dem Beginn der Erhebung im Jahr 2011. Citi-Manager Dirk Hess meint, dass die Investoren eine Trendwende für den Goldpreis wittern.

Zusammen mit der Erwartung eines Preisanstiegs für Öl, mit dem - ebenfalls nach längerer Flaute -  41,5 Prozent der Befragten rechnen,  sei dies ein Indiz, dass der Grund dafür maßgeblich in den Entwicklungen in der Ukraine liegt. Noch im vergangenen Jahr befand sich der Preis für Gold im freien Fall - das Edelmetall erlebte seinen schlimmsten Preiseinbruch seit  den 1980er Jahren.

Der Unzenpreis war 2013 um 28 Prozent gesunken, Goldminen-Aktien hatten sogar über 50 Prozent an Wert verloren. Seit Mitte 2012 zeigte das Investmentbarometer für Gold durchgängig einen negativen Trend.   Derzeit fliehen die Anleger aus Aktien und anderen Wertpapieren offenbar verstärkt in Gold. Nachdem sich beispielsweise der DAX im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent verbessert hatte, folgte nun der Abschwung: Mitte April 2014 stand das Börsenbarometer mit knapp drei Prozent im Minus. Noch zu Jahresbeginn erwarteten die Analysten, dass sich die Aktien-Hausse fortsetzt und Gold als Investitionsobjekt bis auf weiteres keine exponierte Rolle spielt.

Goldminen-Aktien - Renaissance mit beachtlichen Rendite-Chancen

Auch Goldminen-Aktien erleben derzeit eine Renaissance und stehen an den Börsen damit derzeit fast allein. Die Aktien der großen Bergwerks-Gesellschaften, wie sie beispielsweise im NYSE Arca Gold Bugs  Index abgebildet werden, haben seit dem Jahresanfang im Schnitt um 16 Prozent zugelegt. Viele  Investoren erwarten, dass er noch deutlich stärker anzieht. Die Vorlage dafür liefert ein historisches Krisen-Szenario: Nach dem Einmarsch Russlands nach Afghanistan Ende 1979 stieg der Unzenpreis für Gold von 400 auf 850 US-Dollar an.                     

Goldminen-Aktien sind für Investoren derzeit noch aus anderen Gründen attraktiv. Der NYSE Arca Gold Bugs Index bildet die Wertentwicklung der weltweit größten Goldminengesellschaften ab - derzeit wird er zu einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 0,9 Prozent gehandelt. Die Papiere waren 1997 zum letzten Mal so billig. Klaudius Sobczyk, Asset-Management-Chef der Fondsgesellschaft PEH, erläutert, dass die  Aktien derzeit unter ihrem Netto-Inventarwert und damit auf veränderte Kosten- und Preisstrukturen reagiert.

Zudem sind eventuelle Wertberichtigungen der Goldreserven - früher ein wesentlicher Hemmschuh für die bewertet werden und daher für mittelfristig orientierte Anleger interessant sind. Die großen Produzenten haben überteuerte oder unrentable Minen in hohem Masse abgeschrieben Wertentwicklung - heute größtenteils eingepreist. Für Goldminen-Aktien sieht Sobczyk ein Aufholpotenzial von bis zu 30  Prozent. Angesichts der derzeit historisch niedrigen Kurse können Anleger in vielen Fällen mit respektablen Kursgewinnen rechnen.

Limitierte westliche Sanktionsmacht gegen Russland

Falls es zu einem ökonomischen Kräftemessen zwischen Russland und dem Westen kommt, erwarten Experten kräftige Preisbewegungen für Gold und Energie. Europa sollte allerdings nicht nur Moskau, sondern auch die Entwicklung in Fernost im Blick behalten. Die seit 15 Jahren laufenden Verhandlungen über russische Energielieferungen nach China stehen möglicherweise kurz vor ihrem Abschluss. Westliche Sanktionen gegenüber Russland durch den Stopp von Energieimporten würden in diesem Fall ins Leere laufen. Insider erwarten bisher nicht, dass Russland selbst seine Energiemacht als politisches Druckmittel verwendet, schließlich sei dies nicht einmal im Kalten Krieg geschehen. Ob diese Selbstbeschränkung auch heute noch Bestand hat, wird die Zukunft zeigen. Gold als Krisenwährung dürfte also vorerst seine Relevanz behalten.


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