Mogelpackung Lebensversicherung - irreführende Werbung

Die Vertriebstruppen sind wieder unterwegs und so lag diese Woche das folgende Kopfschüttel-Angebot zur Prüfung auf meinem Tisch. Aktuell bewirbt ein großer, deutscher Lebensversicherer - respektive dessen Vermittler - seine Verzinsung mit sagenhaften 7,60% für das Jahr 2014.


Mogelpackung Lebensversicherung - irreführende Werbung

Ein 30 Jahre laufender Vertrag dieses Supertarifs mit Auszahlung in 2014 (Monatsbeitrag: 100,- €) soll einetatsächliche Rendite von 6,08% pro Jahr erzielt haben. Alles super, dann sind doch jene blöd, die zu 1,66% in 10-jährige Bundesanleihen anlegen? Oder ist da noch irgendwo ein Haken dran?

Wir rechnen nach:

Tatsächlich bekommt der o.g. Kunde nach 30 Jahren nur eine effektive Rendite von 4,94%. Der Versicherer hat im Werbematerial doch glatt vergessen anzugeben, dass im Vertrag auch noch Kosten anfallen! Die Auszahlung ist gegenüber einer echten 6,08%-Verzinsung immerhin 18.325,- € geringer. Kostenquote: rund 18%. Ein teurer Spass. Bedauerlich dass die Vermittler zu 99% das Verkaufsmaterial nachplappern statt nachzurechnen.

Zudem verschweigen Vermittler und Werbematerial in fahrlässiger Weise den zeitrelevanten Effekt der hohen Abschlusskosten in den ersten Jahren. 7,60% in 2014 klingt marketingtechnisch zunächst gut, nur 7,60% bezogen auf was? Verzinst wird nämlich nur der Sparanteil. Die Rendite nach dem ersten Jahr (der Sachverhalt wird rechtssicher im Begriff Rückkaufswert verpackt) liegt nämlich bei MINUS 35%. Wir prüfen das aktuelle Original-Angebot mit 30 Jahren Laufzeit und angenommener linearer Wertentwicklung von 6%: Im 10. Jahr bekäme der Kunde bei Kapitalabruf 0,03% Rendite, im 15. Jahr 2,36%, im 20. Jahr 3,36% und im 25. Jahr 3,91%. Wohlgemerkt bei angenommener Wertentwicklung des Deckungskapitals (=Beitrag abzüglich Kosten) von 6%!

Interessant ferner, dass die Verzinsung des genannten Supertarifs in den letzten 12 Jahren auch in 4 Jahren negativ war (Tiefpunkt in 2002 mit MINUS 9,70%). Das wurde allerdings nicht beworben: honni soit qui mal y pense.

Also: Bleiben Sie kritisch und misstrauen Sie blumigen Werbeaussagen. Im Grunde gehört sowas meiner Ansicht nach ohenhin verboten. Sind Sie bei konkreten Angeboten unsicher, dann wenden Sie sich an einen unabhängigen Honorarberater Ihres Vertrauens, um größeren Schaden zu vermeiden.

Weitere Informationen zu Ross und Reiter und noch einige haarsträubende Hintergrundinformationen gibt es gerne auf persönliche Nachfrage beim Autor.


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