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Negativzinsen und Währungskrieg

Negativzinsen sind mittlerweile keine Ausnahmeerscheinung mehr. Im weltweiten Wettbewerb um die lockerste Geldpolitik haben immer mehr Notenbanken ihren Leitzins gesenkt. Manche Beobachter sprechen bereits von einem drohenden globalen Währungskrieg.


Währungskrieg

Währungskrieg: weltweiter Zinssenkungs-Wettbewerb

Die Motivation für die Politik des billigen Geldes ist einfach. Damit wollen die Zentralbanken jeweils günstige Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft schaffen und die Konjunktur ankurbeln. Die Kreditvergabe soll dadurch erleichtert und die Investitionstätigkeit stimuliert werden. Niedrige Zinsen vermindern für Konsumenten außerdem den Sparanreiz, die Konsumnachfrage wird gefördert. 

Ein weiterer Aspekt ist der Abwertungseffekt. Die Abwertung der eigenen Währung wird von mancher Notenbank nicht nur bewusst in Kauf genommen, sondern sogar gezielt angestrebt, um Exporte zu unterstützen und Importe zu verteuern. Auch davon erhofft man sich einen Wachstumsimpuls. Genau darin sehen Finanzexperten aber einen Währungskrieg aufziehen. Denn die Notenbanken unterbieten sich derzeit gegenseitig mit niedrigen Zinsen. Seit Mitte letzten Jahres haben mehr als zwanzig Zentralbanken rund um den Globus ihren Leitzins gesenkt. In großen Währungsräumen wie den USA, Japan, Großbritannien und der Euro-Zone befindet er sich bereits seit Längerem auf Null-Niveau, in der Schweiz und Schweden sogar darunter. 

Die unguten Folgen von Negativzinsen 

Negativzinsen, die sonst eine Extremkonstellation bei der Zinsbildung sind, werden mehr und mehr zum Normalfall. Nach Angaben der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wiesen im Februar weltweit langfristige Staatsanleihen mit einem Gesamtvolumen von 2,4 Billionen Dollar negative Renditen auf, alleine 1,9 Billionen Dollar entfielen davon auf den Euro-Raum, ein erheblicher Teil darunter auf deutsche Staatspapiere. Die oft genannte Begründung für die lockere Geldpolitik, die Bekämpfung einer Deflationsgefahr, wird dabei von der BIZ angezweifelt. Sie hält die Ängste vor Deflation für übertrieben. 

Tatsächlich bergen Negativzinsen und ein zum Währungskrieg ausartender Abwertungswettbewerb auch erhebliche Risiken in sich. Die Möglichkeit der billigen Verschuldung begünstigt leichtsinnige und riskante Investitionen, die Gefahr der Blasenbildung wächst. Auf der anderen Seite führen negative Renditen zu einer schleichenden Enteignung von Sparern. Die dringend notwendige private Vorsorge für das Alter kommt dadurch zunehmend unter Druck. Den erleben auch Finanzdienstleister wie Lebensversicherungen sowie Banken und Sparkassen, deren Geschäftsmodelle bei Negativzinsen mehr und mehr in Frage gestellt werden. 

Lockere Geldpolitik: wirksam?

Es besteht daher durchaus Anlass, die Entwicklung mit Sorge zu sehen. Dabei ist die lockere Geldpolitik bisher den Nachweis ihrer Wirksamkeit weitgehend schuldig geblieben. Zwar gibt es in den USA eine positive Wirtschaftsentwicklung, die wohl auch dem billigen Geld geschuldet ist. Im Euro-Raum und in Japan hat die Lockerung aber bislang nicht gefruchtet. 


Dieser Text ist vom Autor freigegeben worden. Er trägt daher die alleinige inhaltliche und presserechtliche Verantwortung. Eine Haftung anderer Personen/Institutionen ist ausgeschlossen.

  

 

 

 

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