Ökostrom für Europa - auch ökonomisch sinnvoll?

Der EU-Gipfel berät über gemeinsame Klimaziele. Jetzt belegt eine Greenpeace-Studie: Kollektive Anstrengungen im Bereich Ökostrom und erneuerbare Energien sind nicht nur gut für das Klima, sondern rechnen sich auch langfristig.


Ökostrom

Europa uneins bei Ökostrom-Quote

Der EU-Gipfel ist von wirtschaftlichen und nationalstaatlichen Interessen mit Zukunftsrelevanz geprägt: Umwelt schützen, Arbeitsplätze schaffen, Unternehmensgewinne einfahren, kurz, den Lebensstandard in Europa verbessern. Energie- und Klimaziele betreffen Fragen wie die Reduktion des Kohlendioxidausstoßes bis 2030 und den Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Energieverbrauch. Der Vorschlag der EU-Kommission nennt hier eine Quote von 27 Prozent bis 2030, doch Deutschland wünscht sich eine höhere, aber Umweltorganisationen wenigstens 45 Prozent. Dagegen wollen sich Kohle und Atomstrom favorisierende Mitgliedsstaaten wie Polen oder Großbritannien beim Ökostrom nicht festlegen. Zeit für die Umweltschützer, den öffentlichen Druck zu erhöhen: Eine aktuelle Greenpeace-Studie zeigt, dass der forcierte Ausbau erneuerbarer Energien Länder, Wirtschaft und Verbraucher nicht mehr kosten muss. Im Gegenteil, dieser Ausbau spart Geld, verglichen mit der gegenwärtigen Marschroute - vorausgesetzt, man baut das Stromnetz durchdacht aus. Bis 2022 sollen europaweit neue Stromleitungen für 104 Milliarden Euro entstehen, Strom aus Windkraft und Solaranlagen 37 Prozent der gesamten Stromerzeugung ausmachen. Zukünftig soll es technisch einfacher sein, Strom über Landesgrenzen hinaus zu handeln.

Greenpeace-Szenario: Energierevolution

Ziel der EU-Kommission: Erneuerbare sollen 27 Prozent der gesamten Primärenergie stellen. Was es laut Greenpeace notwendig macht, wenigstens 45 Prozent aus regenerativen Quellen zu gewinnen. Der Bericht powE[R] 2030 basiert auf Modellkalkulationen des Ingenieurbüros Energynautics und beantwortet Fragen wie: Für wie viel Ökostrom müssen zukünftige Netze ausgelegt sein? Wie gelingt der technische Umbau? Was wird all das kosten? Dazu vergleicht Greenpeace drei Szenarien. Der Idealfall: Die 28 Mitgliedstaaten der EU plus Norwegen und die Schweiz schaffen es gemeinsam, bis 2030 eine Ökostrom-Quote von 77 Prozent zu erreichen. Bei der zweiten Möglichkeit bleibt alles wie es ist. Ein Konfliktszenario schließlich lässt nur noch Polen, Tschechien und Frankreich an Kohle und Atom festhalten. Leider würden dann zwei Energiesysteme konkurrieren.

Fazit des Reports: Der Idealfall gemeinsamer Anstrengung kostet am wenigsten. Bis 2030 ließe sich eine Ökostrom-Quote von 77 Prozent gut finanzieren. Denn eine intelligente Netzausbau-Strategie integriere die doppelte Anzahl an Solar- und Windkraftanlagen wie aktuell geplant - zu gleichen Kosten, weil sich die Zahl benötigter Überlandleitungen halbiere.

Ökostrom nein danke? Eine teure Entscheidung

Energynautics empfiehlt, das momentane Drehstrom-Hochspannungsnetz nicht zu erweitern, sondern ein neues Hochspannungs-Gleichstrom-Netz darüber zu installieren. Vorausgesetzt, der Stromhandel zwischen den Ländern klappt ohne technische Hemmnisse. Entscheide man sich jedoch, zwei "nichtkompatible Energiesysteme" nebeneinander zu betreiben, würden die Kosten für Leitungsbau, Brennstoffe, Emissionshandel und ungenutzte Ökoenergie weiter klettern. Schon jetzt fahre Europa bereits die Ökostrom-Produktion herunter - und schalte Windräder ab, wo das Netz überfordert ist. Kosten, die Energynautics für 2030 mit 1,7 Milliarden Dollar beziffert. Wie stehen die Chancen für die von Greenpeace durchgespielte Energierevolution? Eher schlecht, denn die Lobby fossiler Energien scheint ungebrochen einflussreich. Außerdem besteht angesichts der Krim-Krise Diskussionsbedarf, vielleicht wird der EU-Gipfel Entscheidungen über gemeinsame Klimastrategien vertagen. Aber die Zeit läuft: Investitionen in erneuerbare Energien sind bereits heute auf dem Rückzug.


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