Offshore-Windparks in der Flaute

Geschlossene Fonds (unternehmerische Beteiligungen) fokussieren sich in Deutschland aktuell vor allem auf Projekte im Bereich der regenerativen Energien. Großen Anteil daran hat nicht zuletzt die Politik: Im Rahmen der Energiewende werden Investitionen in diesem Marktsegment unbedingt gewollt und großzügig gefördert. An den ökonomischen Realitäten ging der neue Windpark oder die kommerzielle Solaranlage indessen oft vorbei.


Windpark

Neben Unternehmen und ganzen Regionen spüren auch viele Investoren inzwischen die negativen Folgen. Ein Offshore Windpark in der Nordsee galt bis vor kurzem als eines der Non-Plus-Ultras innovativer Umwelt-Strategien. Inzwischen steckt die noch sehr junge Branche in einer tiefen Krise. Die Gründe dafür finden sich in ungelösten technologischen Fragen, der unzureichenden Netzanbindung der Windparks und politischen Debatten, die insgesamt zu einer nachhaltigen Verunsicherung von Investoren führen.

Statt Offshore-Boom: Branchenkrise und Rückzug der großen Energieversorger

Für die Städte an der Küste ist die Situation ein herber Schlag. Investitionen in alternative Energien und insbesondere Offshore-Windkraft sollte angesichts des Niedergangs der Werftenindustrie und der rezessionsbedingten Flaute der Container-Schifffahrt die wirtschaftliche Zukunft der Nordsee-Küstenregion begründen. In den vergangenen Jahren sind dafür eine leistungsstarke Betreiber- und Zulieferindustrie sowie das entsprechende Forschungspotential entstanden. Allein in Bremerhaven wurden auf dieser Basis bisher 3.500 neue Arbeitsplätze geschaffen, für die kommenden zwei Jahrzehnte rechneten Wirtschaftsforscher mit rund 7.000 weiteren neuen Jobs. Die Realität im Norden sieht indessen anders aus. Die IG Metall erwartet massive Arbeitsplatzverluste. Die meisten Offshore-Unternehmen haben den Stellenabbau bereits angekündigt.

Die großen Energieversorger, darunter die deutschen Konzerne EnBW und RWE, der Oldenburger Stromversorger EWE sowie die dänische Dong, haben ihre Investitionsplanung bereits abgeändert und einen Windpark in deutschen Gewässern vorerst zum No-Go erklärt. Beratungsunternehmen prognostizieren der gesamten Branche eine nicht zuletzt politisch motivierte Flaute, die die ihre Entwicklung für mindestens zwei bis drei Jahre stoppt. Auch Beteiligungen von Privatinvestoren gehen zurück.

Politische Attacke gegen den Windpark auf dem offenen Meer

Offshore-Windparks produzieren derzeit nicht einmal ein Hundertstel des Stroms, den sie im "Stichjahr" 2030 liefern sollen. Verantwortlich dafür ist einerseits die noch unausgereifte Offshore-Technik: Ein Windpark auf dem offenen Meer gehört bislang zu den teuersten Formen, Ökostrom zu produzieren. Parallel dazu gibt es massive Schwierigkeiten bei der Netzanbindung der Offshore-Windanlagen, die ihre Ursachen unter anderem in unzulänglichen Transmissions- und Speichertechnologien haben. Die Bundesregierung hatte für den Offshore-Strom bisher einen "verbindlichen Anschlussplan" verkündet, den sie nun auch aus politischen Gründen attackiert.

Nach den Protesten gegen die erneute Strompreisexplosion zum Jahresanfang 2013 stellte die Politik nun auch die gesetzlich geregelten und über die EEG-Umlage subventionierten Mindestpreise für Ökostrom in Frage. Für Investoren entfällt damit ein wesentlicher Anreiz, sich für Öko-Energien zu engagieren, das Interesse an einem Windpark vor der Nordseeküste tendiert damit folgerichtig gegen Null. Aus Expertensicht ist für den Windpark in der Nordsee und vergleichbare Projekte auch aufgrund der bestehenden technologischen Defizite ein realistischer Zeitrahmen nicht absehbar. Für Anleger bedeutet dies entweder "Finger weg" oder die Beimischung eines hochspekulativen Elements in die Vermögensdiversifikation. Als Basis-Investment ist der Windpark auf dem Meer auf alle Fälle ungeeignet. 


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