Expertenartikel

Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen steigen

Der Renditeabstand zwischen US-amerikanischen und europäischen Staatsanleihen steigt - aufgrund guter Konjunkturerwartungen für die USA dürfte sich diese Schere in den nächsten Monaten weiter öffnen. Für Europa prognostizieren Ökonomen dagegen ein eher moderates Wirtschaftswachstum. Der Renditeabstand auf dem Markt für Staatsanleihen befindet sich derzeit auf einem mehrjährigen Höchststand.


Renditen

Für zehnjährige US-amerikanische Staatanleihen wurde am vergangenen Dienstag eine Rendite von 2,79 Prozent ausgewiesen. Auf den ersten Blick scheint das nicht hoch, jedoch erwirtschaften beispielsweise deutsche Bundesanleihen derzeit nur Renditen von 1,64 Prozent. Marktteilnehmer und Analysten erklären diesen Trend mit den unterschiedlichen Prognosen für die Konjunktur sowie für die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und Europa. Die meisten Beobachter erwarten nach der temporären Flaute durch den strengen Winter in den USA einen konjunkturellen Aufschwung und damit auch weiter steigende Renditen für US-amerikanische Staatsanleihen. 

US-amerikanische Staatsanleihen profitieren von schnellerer wirtschaftlicher Erholung

Der Londoner Hedgefonds-Manager Stephen Jen vergleicht die Finanzkrise mit einem Sturm, der ab 2007 zunächst Nordamerika traf und danach auch in Europa ankam. In den USA und in Europa ist er inzwischen abgeflaut und beutelt nun die Schwellenländer. Daraus folgt, dass die US-amerikanische Wirtschaft auf absehbare Zeit kräftig wachsen und der Aufschwung in Europa etwas langsamer vor sich gehen dürfte, während die Schwellenländer in die Krise driften.

Die geldpolitischen Erwartungen richten sich darauf, dass die Fed ihren Leitzins früher erhöhen wird als die Europäische Zentralbank (EZB). Zusammen mit der im Vergleich zu Europa stärkeren wirtschaftlichen Erholung dürften deshalb auch die Renditen amerikanischer Staatsanleihen in höherem Maße steigen.  Der EZB-Rat hat den europäischen Leitzins auf seiner letzten Sitzung Anfang März 2014 zwar nicht gesenkt, hält an seiner Niedrigzins-Politik jedoch bis auf weiteres fest. Als Begründung dafür verwiesen die europäischen Währungshüter auf das - allerdings bisher nur zögerliche - Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone.

Angesichts der europäischen Inflationsrate von derzeit 0,8 Prozent erscheint eine künftige Deflation nicht unwahrscheinlich. Viele Marktteilnehmer betrachten sie anders im Gegensatz zur EZB nicht als ein Schreckgespenst, sondern als durchaus folgerichtig. Beide Faktoren wirken sich derzeit jedoch auch auf das Potential europäischer Staatsanleihen aus. 

Europäische Performance entscheidet sich anhand der politischen Entwicklung

Ein weiterer Einflussfaktor auf den Renditenabstand zwischen US-amerikanischen und deutschen/europäischen Staatsanleihen besteht in einer selbst für Experten unerwarteten Entwicklung auf dem Devisenmarkt: Der Euro notiert dort derzeit mit einem Kurs von etwa 1,39 US-Dollar in der Nähe seines Zwei-Jahreshochs. Alle Prognosen der vergangenen Monate gingen jedoch davon aus, dass er gegenüber dem US-Dollar sukzessive an Wert verlieren würde.

Selbst die Krim-Krise hat dem Euro bisher nicht geschadet - trotz den zu erwartenden Auswirkungen einer weiteren Eskalation in der Ukraine auf den Euro-Raum sowie der Tatsache, dass der US-Dollar gerade in Krisenzeiten seit jeher als sicherer Hafen gilt. Nicht nur die europäische Währung, sondern auch europäische Staatsanleihen sind an den Märkten nach wie vor begehrt, was sich auch in steigenden Renditen niederschlagen dürfte. Ihre Aussichten bleiben jedoch mit der politischen Entwicklung eng verbunden - die Krise in der Ukraine ist noch längst nicht ausgestanden.

 

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