Rückschritt bei Behörden: Bachelor reicht nicht

Es ist noch nicht lange her, da galt das Bachelor-Studium als Lösung, um Studiengänge an Universitäten und Hochschulen an die Anforderungen der modernen Arbeitswelt und der Globalisierung anzupassen. Wirtschaft wie Bildungspolitiker machten sich für entsprechende Reformen stark.


Bachelor

Heute wollen viele der seinerzeitigen Protagonisten davon nichts mehr wissen. Das Ansehen der Absolventen hält sich in Grenzen, die Aufstiegschancen sind oft bescheiden und die Klagen über mangelnde Qualifikation und fehlende Eignung häufen sich - selbst im öffentlichen Dienst. Der Staat, der das Bachelor-Studium erst möglich gemacht hat, verweigert ihm selbst die Anerkennung.

Hohe Erwartungen - und viel Enttäuschung 

So lehnt das Bundesinnenministerium Bachelor-Absolventen die Aufnahme in den Höheren Dienst ab, selbst wenn längere Berufserfahrung nachgewiesen wird - nur ein Beispiel. Erst im letzten Jahr hatte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag mit heftiger Kritik an den Bachelors Aufmerksamkeit erregt. Zu viele Studenten, häufige Abbrecher, immer noch zu akademisch, unterqualifiziert und für die Praxis oft ungeeignet, so lassen sich die recht pauschalen Vorwürfe zusammenfassen. Dieses Bild überrascht, war doch die mit dem Bologna-Prozess verbundene Reform mit Hoffnungen und breiter Unterstützung angegangen worden. 

Das neue Studium sollte schnellere weil stringentere, weniger "verwissenschaftlichte" und international vergleichbare Studienabschlüsse ermöglichen - und damit eigentlich genau auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes zugeschnitten sein. Dem früheren Diplom- oder Magister-Studium war immer wieder zu große Theorielastigkeit und Praxisferne vorgeworfen worden. Fehlende Wissenschaftlichkeit sollten Bachelors mit mehr Praxiserfahrung wettmachen. Dieses schöne Bild hält scheinbar der Realität nicht stand. Inzwischen werden Bachelor-Absolventen oft belächelt und abschätzig bezeichnet - als Fließband-Akademiker oder Studienabbrecher mit Zeugnis. Erst der Master gilt als die eigentliche Qualifikation - für Studenten wie Arbeitgeber. 

Warum die Kritik vielfach unfair ist

Dabei ist diese Abwertung unfair. Jedes Bachelor-Studium bedeutet von der Konzeption her zwangsläufig Zeitverknappung - Zeit, die nicht zum Lernen, - und was noch wichtiger ist - nicht zum Gewinnen von Lebenserfahrung zur Verfügung steht. Dass die Studenten dieses "Know How" nicht in den Beruf mitbringen, kann ihnen nicht vorgeworfen werden. Und wer möchte, dass die Ausbildung weniger abstrakt und analytisch ist, darf nicht anschließend Defizite bei Abstraktionsvermögen und strukturellem Denken beklagen. 

Der 21jährige Bachelor-Absolvent mit bester Performance, Berufs- und Lebenserfahrung, Auslandspraktika und einem genau auf die jeweilige Stelle zugeschriebenen Fähigkeitsprofil ist ein - absurdes - Wunschbild, das gerade die Wirtschaft gerne propagiert. Wenn die Wirklichkeit dem nicht entspricht, wird Klage geführt. Viele Kritiker vergessen dabei gerne ihre Postulate von gestern und dass die heutige Situation auch das Ergebnis ihres früheren Handelns ist. Den Studenten und Absolventen wird das nicht gerecht.


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