Sind vermögensverwaltende Fonds (i)Ihr Geld wert?

Gemäß einer Befragung von 11.000 Privatanlegern, welche im Auftrag eines renommierten Investmenthauses (BlackRock Merrill Lynch) durchgeführt wurde, sind nur fünf Prozent der Deutschen bereit, mehr Risiko für eine höhere Rendite zu akzeptieren. Dieses Verhalten stellt die Mehrzahl der Anleger vor ein schier unlösbares Problem. Denn vermeintlich sichere Anlagen in Form von festverzinslichen Wertpapieren und Geldmarktinstrumenten sind aufgrund des historisch niedrigen Zinsniveaus unattraktiv und für den langfristigen Vermögensaufbau nicht mehr zu empfehlen.


vermögensverwaltende Fonds

Um dennoch positive Realrenditen zu erzielen und zudem das potentielle Verlustrisiko zu begrenzen, suchen Anleger nach Lösungen, die in allen Börsenphasen Erfolg versprechen. Flexible Mischfonds sind derzeit gefragt wie nie zuvor und sind der aktuelle Kassenschlager der Fondsbranche.

Wissenschaftliche Studien bestätigen, dass über 90 Prozent der Wertentwicklung eines Portfolios auf die richtige Auswahl der Anlageklassen zurückzuführen ist (Brinson, Hood & Beebower 1973 und 1986 aktualisiert 1991).

Doch gerade Privatanleger möchten diese wichtige Entscheidung nicht selbst treffen. Dies ist verständlich. Schließlich bezahlen sie hohe Gebühren an die Fondsgesellschaft und möchten gerade in der wesentlichen Entscheidung nicht alleine gelassen werden. Lieber vertrauen sie auf das Können von Fondsmanagern und Vermögensverwaltern in der Hoffnung, dass diese gerade in schwierigen Marktphasen die richtigen Entscheidungen für ihr Vermögen treffen.

Eine zusätzliche Bestätigung erhält der Anleger durch unzählige Marketingaktionen der Fondsbranche. Diese hat den Wunsch der Anleger nach Sicherheit und Ertrag längst erkannt und hat, unterstützt durch die Fachpresse, ihre gewaltige Marketingmaschinerie auf die neue  „Wunderwaffe“ der Mischfonds ausgerichtet.

Hierbei wird eine ganz neue Vorstellung über die Funktionsweise der Finanzmärkte geschaffen, die dem interessierten Anleger suggeriert, dass allgemeingültige Marktmechanismen heute nicht mehr existieren und neue Fondskonzepte diese ersetzen. Nach  Aussagen von Anlageexperten und der Fachpresse ist „Kaufen und Halten“ nach André Kostolany  nicht mehr der richtige Weg. Das Credo lautet: „Eine flexible Aktienquote ist der Schlüssel zum Erfolg“. Kurzum: „Vermögensverwaltende Fonds sind die sinnvollste Anlageform für Anleger überhaupt“ (Die Welt, 19. April 2013).

Vermögensverwaltende Fonds - Sicherheit als Marketing-Versprechen

Eine erste Gegenfrage könnte lauten, waren die Finanzmärkte jemals sicher? Vermögensverwaltende Fonds suggerieren Sicherheit, indem das Fondsvermögen bei wachsender Volatilität der Märkte aus risikoreichen Aktienanlagen in Cash oder hochwertige Staatsanleihen umgeschichtet wird. Das Marketing-Versprechen lautet, dass diese Fonds unabhängig von der Marktsituation immer "das Richtige" machen werden. Bedenklich wird es, wenn vermögensverwaltende Fonds unabhängig von "Marktindizes" oder "Benchmarks" agieren. Anleger können in diesem Fall keinerlei Transparenz im Hinblick auf die Renditechancen sowie das Risikoprofil des Fonds erwarten. Bei einem solchen "flexiblen Mischfonds" kann der Anteil an risikoreichen Anlagen beliebig variieren und im Ernstfall das Anlagevermögen erheblich reduzieren.

Deutliche Underperformance im Vergleich zu einer Aktien-Renten-Strategie

Trotzdem sind im vergangenen Jahr europäische Anleger vermehrt in vermögens-verwaltende Fonds eingestiegen. Nach Branchenschätzungen handelt es sich hierbei um einen Gesamtwert in Höhe von mehr als 18 Milliarden Euro. Zwischen Juni 2012 und Juni 2013 konnten lediglich konventionelle Anlageprodukte wie Tages- oder Festgeld höhere Zuwächse verzeichnen. Aus Expertensicht ist dieser Trend durch keine realen Erfolge flexibler Mischfonds unterlegt: Nach einer Studie der Rating-Agentur Morningstar (www.morningstar.de) vom 13. August diesen Jahres haben diese mit ihrem Anlagemix aus Rohstoffen, Renten, Aktien und Cash in den letzten beiden Jahren überwiegend enttäuschende Ergebnisse geliefert - und zwar auch bei einer langen Performance-Historie über mehrere Börsenzyklen. Auch bei einer langfristigen Untersuchung über einen Zehnjahreszeitraum und im gesamteuropäischen Maßstab kommt Morningstar zu dem Ergebnis, dass vermögensverwaltende Fonds gemessen an einem statischen Aktien-Renten-Index (50 Prozent FSTE World, 50 Prozent Barclays Capital Euro Aggregate TR) eine stark unterdurchschnittliche Wertentwicklung aufweist. Die Studie förderte im Vergleich zur Benchmark  eine erschreckend hohe Zahl von Underperformern zutage und zeigt damit, dass nicht nur einige Ausreißer für das bescheidene Ergebnis verantwortlich sind, sondern das gesamte Marktsegment.

Aber es geht noch schlechter. Nicht genug, dass vermögensverwaltende Fonds bescheidene Anlageergebnisse liefern, diese substanzielle niedrigere Wertentwicklung geht mit einem wesentlich höheren Risiko einher. Im Dreijahresvergleich war der maximale Jahresverlust mehr als doppelt so hoch als bei dem statisch gewählten Vergleichsindexportfolio.

Auch angesichts der Finanzkrise erfüllen vermögensverwaltende Fonds damit ausgerechnet ihre originäre Aufgabe nicht, die darin bestehen sollte, die Marktturbulenzen auszugleichen. Zudem stehen geringen Erträgen hohe Kosten gegenüber. Sinnvoller und rentabler als Investitionen in flexible Mischfonds ist meines Erachtens ein breit diversifiziertes Welt-Portfolio mit regelmäßiger Rückführung auf die Ausgangsgewichtung (Rebalancing), das sich aus kostengünstigen Indexfonds und Assetklassenfonds zusammensetzt.


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