Sparen: die Sucht der Deutschen

Beim Sparen sind die Deutschen unerschütterlich. Trotz anhaltender Niedrigzinsen werden Jahr für Jahr rund 10 Prozent des verfügbaren Einkommens gespart. So konstant die Sparquote im Zeitablauf ist, beim Sparverhalten gibt es schon einige bemerkenswerte Änderungen. Immer mehr Geld wird im Ausland investiert.


Sparen

Auslandsanlagen über institutionelle Investoren 

Es ist dabei oft nicht der Sparer selbst, der den Weg in fremde Länder sucht. Vielmehr sind es Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften, die verstärkt im Ausland anlegen und so das Geld der Sparer umleiten. Die Entwicklung ist aus Sicht mancher Beobachter konsequent. In einer Zeit, in der deutsche Unternehmen bei Investitionen zurückhaltend sind und der Staat sich selbst eine Schuldenbremse auferlegt hat, finden Ersparnisse hierzulande einfach nicht mehr ausreichend Verwendung. Was nicht sinnvoll investiert werden kann, fließt ins Ausland. 

Ausland wird zum deutschen Schuldner

Dort macht sich die deutsche Sparwut inzwischen bemerkbar. Dank der Zuflüsse sinkt auch woanders das Zinsniveau spürbar. Wenn die Entwicklung weiter anhält, wird der vom deutschen Sparer getriebene Kapital-Export aus dem Euro-Raum bald sogar den aus China übertreffen. Die starke Nachfrage nach fremden Währungen für Zwecke der Kapitalanlage ist möglicherweise mit ein Grund für die dauernde Euro-Schwäche.

Und noch einen Effekt hat das Sparen in fremden Ländern: Es kommt zu einer zunehmenden Verschuldung des Auslands gegenüber deutschen Gläubigern. 

Anleihen mehr gefragt als Aktien 

Denn beim deutschen Auslandsinvestment gibt es klare Präferenzen. Das Geld wird bevorzugt in Anleihen investiert. Seit den Negativ-Erfahrungen der Finanzkrise sind auch institutionelle Anleger bei Aktien eher vorsichtig. Der deutsche Normalsparer hat sich ohnehin längst von Börsen-Investments zurückgezogen. Der Anteil der Wertpapiere beim Sparen ist seit Jahren rückläufig. Zweimal mussten Kleinaktionäre bittere Enttäuschungen erleben - in den Jahren 2000 und 2007. Das wirkt nach. Relativ konstant mit rund 40 Prozent ist der Anteil der - besonders niedrig verzinslichen - Bankeinlagen. Dagegen haben Ersparnisse über institutionelle Anleger deutlich zugelegt.

Das Fazit lautet: beim Sparen vertrauen die Deutschen verstärkt den Profis und weniger sich selbst. 

Nicht ohne Risiken 

Grundsätzlich ist gegen den deutschen Spar-Exodus nichts zu sagen. Dass das Kapital dorthin fließt, wo es am ertragbringendsten investiert werden kann, ist Ausdruck ökonomischer Gesetzmäßigkeiten. Und auch aus individueller Sicht können Auslandsengagements ein sinnvoller Beitrag zur Diversifikation sein. Allerdings gab es beim Auslands-Sparen auch schon Negativ-Erfahrungen. Rund 600 Mrd. Euro mussten zwischen 2007 und 2013 abgeschrieben werden. Nicht jede besser verzinste Anleihe ist ein gutes Investment.

Oft sind hohe Renditen Ausdruck besonderer Risiken. Und nicht nur Unternehmen sind insolvenzgefährdet, manchmal sind es ganze Staaten.


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