Versorger ohne Geschäftsmodell?

Die Versorger RWE und Eon galten in der vergangenen Dekade als echte Stars am Kapitalmarkt. Inzwischen geraten ihre Aktienkurse immer stärker unter Druck. Analysten zweifeln an der Zukunftsfähigkeit der Energiebranche insgesamt. RWE-Chef Peter Terium befand vor kurzem, dass den Energieversorgern das "traditionelle Geschäftsmodell unter den Füßen wegbricht".


Versorger

Damit meinte er nicht nur den eigenen, derzeit stark angeschlagenen Konzern sondern die Branche insgesamt. Nicht nur die großen deutschen Energiekonzerne RWE, Eon, ENBW und Vattenfall leiden immer stärker unter dem Verfall der Börsenpreise für Elektroenergie. Auch kleinere Versorger, darunter viele Stadtwerke, arbeiten inzwischen unrentabel. Die Anlageklasse Energieversorgungsunternehmen leidet.

Konventionelle Versorger leiden unter privilegiertem Ökostrom

An der europäischen Energiebörse (European Energy Exchange, EEX) ist der Großhandelspreis für Strom seit Anfang 2011 von gut 60 Euro auf unter 40 Euro pro Megawattstunde gefallen. Rentabel sind unter diesen Marktbedingungen nur noch Braunkohlekraftwerke und Atomanlagen. Auch deren Margen werden jedoch durch die seit Januar 2013 komplett zu erwerbenden CO2-Zertifikate sowie die Brennelemente-Steuer immer stärker aufgezehrt. Insgesamt leidet die konventionelle Stromerzeugung immer stärker unter privilegiertem Ökostrom, der Einspeisevorrang besitzt und durch Subventionen unterstützt wird. Sparprogramme verhindern allenfalls "rote Zahlen". Zwar engagieren sich inzwischen auch die Energie-Riesen verstärkt im Bereich der erneuerbaren Energien - den Ertragsschwund im konventionellen Sektor in den Bilanzen der Versorger kompensiert dies jedoch noch bei weitem nicht.

RWE und Eon hatten im dritten Quartal 2013 jeweils Verluste im dreistelligen Millionenbereich zu verbuchen. RWE kann in diesem Jahr immerhin von einer Milliarde Euro profitieren, die als einmaliger Ausgleich für zu hohe Lieferpreise in die Unternehmenskassen floss. Im vergangenen Jahr gestartete Sparprogramme sollen pro Versorger zwar Kostenentlastungen in Höhe von einer halben Milliarde Euro bringen. Gleichzeitig leiden die Konzerne jedoch unter der Schuldenlast für den Kapazitäten-Ausbau vergangener Jahre. Effizienzsteigerung und Kostensenkungen können vor diesem Hintergrund zwar die Gefahr "roter Zahlen" im kommenden Geschäftsjahr mindern, werden jedoch kaum zu einem Anstieg der Konzerngewinne führen.

Die Versorger drängen nun die Politik, ihre Förderung für regenerativ gewonnen Strom zu überdenken. Der bisherige Stand der Koalitionsverhandlungen in Berlin gibt allerdings keinen Anlass zu der Hoffnung, dass für den Strommarkt demnächst neue Regeln gelten werden. Die meisten Analysten sind offenbar der gleichen Meinung: Für die RWE-Aktie überwiegen angesichts sinkender Kursprognosen eindeutig die Verkaufsempfehlungen. Im Fall von Eon stimmen die Experten derzeit relativ paritätisch für "Halten" und "Verkaufen".


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