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Aufarbeitung der Finanzkrise 2008

Fabrice Tourre, auch bekannt als „Fabulous Fab“, trägt beträchtliche Mitschuld an der Finanzkrise des Jahres 2008. Jetzt folgt die Verurteilung. Das spendet Hoffnung – Vielleicht wird die Finanzkrise jetzt effektiver aufgearbeitet.


Finanzkrise 2008

Merkwürdigerweise fällt es gar nicht so sehr auf, dass der Goldman-Sachs-Banker „Fabulous Fab“ kürzlich verurteilt wurde. Der Grund liegt darin, dass andauernd von Prozessen und Verurteilungen berichtet wird, die mit der Finanzkrise in Verbindung stehen. Andererseits sind viele Menschen der Meinung, dass die Finanzkrise noch gar nicht umfassend aufgearbeitet sei und deshalb auch die Schuldigen noch immer nicht zur Rechenschaft gezogen wurden.

Diesem Gefühl lässt sich nur schwerlich widersprechen, weil sich ein Großteil der Prozesse mit den Banken selbst befasst hat. Die Deutsche Bank trotz Millionengehältern es ist, die aus Angst vor Prozesskosten und Strafen ganze drei Milliarden Dollar zurückgelegt hat, um die eventuelle Mitschuld zu begleichen. Heutige Aktionäre müssen diese Rechnung begleichen. Die Manager von früher, die eigentlich gegen Gesetzte verstießen, können längst über alle Berge sein. Genau so, wie „Fabulous Fab“ schon lange nicht mehr bei Goldman Sachs angestellt ist. Es ist wahrscheinlich, dass die Aktionäre von damals ihre Aktien schon längst wieder veräußert haben.

Auch einzelne Menschen sind an der Finanzkrise 2008 schuld.

Selbstverständlich sind an den Finanzkrisen nicht nur die Banken allein schuldig. Ebenso machten Immobilienkäufer, Politiker und Notenbanker ihre Fehler. Geht es allerdings um die Verantwortung von den Banken, traf die Aufarbeitung nicht immer die Richtigen.

Das wesentliche Problem der Finanzkrise hatte darin bestanden, dass äußerst viele Bankmanager nicht ausreichend auf den Vorteil ihrer Bank bedacht waren, sondern den Eigenen im Auge hatten. Viele Banken wurden dafür schon bestraft, doch einzelne Banker sind kaum verurteilt worden. Hier sind in erster Linie nur der IKB-Chef Stefan Ortseifen und Jérome Kerviel, ein Spekulant aus dem Hause Société-Générale, zur Rechenschaft gezogen worden. Diese einseitige Bestrafung der Finanzkrise-Täter kann jetzt – mit der Bestrafung von Fabrice Tourre – allerdings zu Ende sein, weil noch nie ein individueller Banker, der vergleichsweise dicht am Epizentrum der Finanzkrise 2008 gehandelt hat, verurteilt wurde. In Deutschland wir der Versuch im Prozess gegen die HSH Nordbank und ihren seinerzeitigen Chef Nonnenmacher versucht.

Tourres Machwerk bereitete den Weg zur Finanzkrise

Doch was tat Fabrice Tourre? Er leitete seinerzeit ein Team, das hypothekenbesicherte Wertpapiere konstruiert hat, die schließlich ein Auslöser für die Finanzkrise waren. Tourres Team rief das Produkt „Abacus“ ins Leben, und zwar für den Hedge-Fonds eines John Paulsen. Das Arrangement ließ es für Paulsen zu, auf den Wertverfall dieses Produkts zu wetten. Deshalb waren Bestandteile dieses Finanzprodukts auch so angelegt, dass möglichst viel Verlust entsteht. Natürlich musste auch jemand auf der anderen Seite stehen und als Wettgegner fungieren. Abacus wurde an Investoren verkauft, die aber gar nicht wussten, was hinter der Idee dieses Produkts steht. Gerichte müssen jetzt klären ob allein dieses Vorgehen schon ein Verbrechen darstellt oder nicht.

Unabhängig davon kann das Urteil gegen Tourre auf jeden Fall als eine Wende in der Aufarbeitung der Finanzkrise begriffen werden, weil nun endlich die Individuen in den Fokus geraten. Seit kurzem klärt ein Gericht in Hamburg auch die Schuld in der Frage des Dirk Nonnenmacher, einst HSH-Nordbank-Chef.

Einzelne Menschen zu überführen ist langwierig – Die Finanzkrise ist längst nicht aufgearbeitet

Das ist nicht immer leicht, weil viele Fragen nur schwer zu klären sind: Wie groß darf das Risiko sein, das ein Bankmanager eingeht? Ab wann ist von Fahrlässigkeit zu sprechen? Wann ist ein konstruiertes Wertpapier gefährlich, wo verlaufen die Grenzen? Muss ein Angeklagter selbst die Schuld auf sich nehmen, oder liegt die nicht eher bei seinem Chef und dessen Mitarbeitern? Wie ist es um die Verantwortlichkeit eines Vorstandschefs bestellt, der die von den Mitarbeitern vorbereitete Steuerklärung unterschreibt?

Es dauert entschieden länger, die Schuldigkeit einer einzelnen Person korrekt festzustellen als einer Bank Bußgelder abzunehmen. Wenn wir die Menschen finden wollen, die für die Finanzkrise verantwortlich gewesen sind, müssen wir diesen Weg beschreiten und dafür Sorge tragen, dass der fabelhafte Fab nicht als einziger verurteilt wird.

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