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Indien und Rupie im Abwärtstrend

Indien galt lange als Hoffnungsträger im aufstrebenden Club der sogenannten BRIC-Staaten. Nach der verhaltenen Konjunktur in China und schlechten Nachrichten aus Brasilien sorgt nun auch Indien für Negativschlagzeilen. Die Wirtschaft lahmt und der Kurs der indischen Rupie verfällt immer mehr.


Indien, Rupie

Krise in Indien politisch bedingt

Die Gründe für die indische Krise liegen vor allem in der Politik. Die Regierung hat es bisher nicht vermocht, wichtige Reformvorhaben im Parlament durchzubringen. Hinzu kommen etliche Korruptionsskandale, die das Vertrauen in die politische Führung nachhaltig erschüttert haben. Das Wirtschaftswachstum der indischen Unternehmen hat sich vor diesem Hintergrund deutlich abgeflacht. Heute liegt es immerhin noch bei fünf Prozent, aber zweistellige Wachstumsraten waren versprochen worden. Die Industrieproduktion stagniert. 

Leistungsbilanzdefizit belastet

Zunehmend negativ wirkt sich das chronische Leistungsbilanzdefizit aus. Indien muss wichtige Rohstoffe wie Erdöl, Erz und Kohle für teure Devisen importieren, die Exporte sind trotz billiger Rupie dagegen rückläufig. Der Kurs der Rupie fällt kontinuierlich. Das macht Importe noch teurer, gleichzeitig steigen im Land die Preise drastisch. Viele Inder, die nach wie vor in großer Armut leben, kämpfen täglich um ihre Existenz. 

Rupie soll stabilisiert werden

Die Regierung versucht den Währungsverfall der Rupie zu bekämpfen. Die ergriffenen Maßnahmen wie Kapitalverkehrskontrollen, Importbeschränkungen und zusätzliche Besteuerungen wirken aber halbherzig, zum Teil auch kontraproduktiv. Ausländisches Kapital wird verschreckt. Der Umfang der ausländischen Direktinvestitionen ist drastisch zurückgegangen. 

Umkehr der Kapitalflüsse?

Dafür sind nicht nur die hausgemachten indischen Probleme verantwortlich. Angesichts einer erwarteten restriktiveren Geldpolitik in den USA beginnt sich internationales Kapital umzuorientieren. Gelder, die in den vergangenen Jahren bevorzugt in die BRIC-Staaten - u.a. auch nach Indien, China - geflossen sind, könnten zukünftig wieder mehr in den Vereinigten Staaten investiert werden. 

Blockade bleibt zunächst

Derzeit spricht nicht viel dafür, dass sich an dem politischen Stillstand in Indien kurzfristig etwas ändert. Im Frühjahr nächsten Jahres stehen Wahlen an. Bis dahin dürfte Wahlkampf mit politischen Winkelzügen das Geschehen bestimmen. Viele setzen ihre Hoffnung auf den neuen Chef der indischen Zentralbank. Der hatte angekündigt, besonderes Augenmerk auf die Stabilisierung der Rupie als Voraussetzung für mehr Wachstum zu legen. Ob er sich damit durchsetzen kann, bleibt abzuwarten, denn Rolle und Möglichkeiten der indischen Notenbank sind umstritten.

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