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Keynes: Überwindung einer Finanzkrise durch Staatsausgaben

Der britische Ökonom John Maynard Keynes gilt als einer der größten Wirtschaftswissenschaftler der letzten hundert Jahre. Viele seiner Erkenntnisse und Theorien beruhen auf den Erfahrungen der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre.


Keynes

Nach dem zweiten Weltkrieg diente er vielen Wirtschaftspolitikern als Rechtfertigung für eine schuldenfinanzierte staatliche Nachfragepolitik. In Zeiten des Neoliberalismus war Keynes dagegen eher verpönt. Im Zuge der Finanzkrise 2007/2008 erlebt er jetzt eine Renaissance. 

Grenzen der Geldpolitik in einer Finanzkrise

Ein wichtiges Element in der Keynesianischen Lehre ist die sogenannte Liquiditätsfalle. Der Begriff bezeichnet eine Situation, in der die Zinssätze durch die Geldpolitik soweit nach unten gefahren sind, dass auch zusätzliche Geldmengenerweiterungen nicht mehr für weitere Investitionsanreize sorgen. Normalerweise soll eine lockere Geldpolitik über sinkende Zinsen zu mehr Investitionen und damit wirtschaftlichem Wachstum führen, da die Kredite für Unternehmen verbilligt werden. Unter einem bestimmten Zinssatz - ab etwa drei Prozent - wird zusätzliches Geld nach Keynes aber von den Finanzakteuren dem Kapitalmarkt nicht mehr für langfristige Investitionen zur Verfügung gestellt, sondern gehortet. Die Ursache für dieses Verhalten liegt nach Keynes in der Erwartung einer Liquiditätsprämie  - das ist der Vorteil, den flüssiges Geld im Vergleich zu Waren besitzt. 

Finanzkrise und Eurokrise: eine typische Liquiditätsfalle?

Viele erkennen in der jetzigen Zinssituation charakteristische Anzeichen einer Liquiditätsfalle. Zur Bewältigung der Euro-Krise und der vorhergehenden Finanzkrise betreibt die Europäische Zentralbank eine expansive Geldpolitik mit mehrfachen Zinssenkungen. Trotz dieser Politik und historisch niedriger Zinsen befinden sich etliche Staaten im Euro-Raum in einer Rezession, ohne dass eine Trendwende erkennbar ist. Die Empfehlung von Keynes in einer solchen Situation lautet: wenn nicht genügend langfristige Investitionen stattfinden, weil Geld gehortet wird, muss der Staat die Lücke füllen, indem er Investitionen tätigt und diese über Schulden finanziert. Diesen Vorschlägen wurde gerade in den 1960er/1970er Jahren gerne gefolgt. Allerdings vergaß man meist den zweiten Teil von Keynes' Lehre - den späteren Schuldenabbau in Zeiten der Hochkonjunktur. 

Umstritten: Rezept für eine Finanzkrise

Heute berufen sich wieder viele auf Keynes bei der Lösung der Finanzkrise und Euro-Krise und kritisieren die auf Schuldenabbau konzentrierte Sparpolitik in den Krisenstaaten. Ob mehr Keynesianismus eine Lösung bieten würde, bleibt allerdings in Theorie und Praxis höchst umstritten.

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