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Kostenloses Girokonto – Geldsegen oder Kostenfalle?

Seit Jahren fällt der Leitzins der EZB drastisch ab und ist mit 0,00 % auf ein historisches Rekordtief gesunken. Die Niedrigzinsphase hält somit an und ist zum Dauerzustand avanciert. Die Folge: Da Banken nicht mehr an den Zinsen für Kreditvergaben verdienen, versuchen sie das Geld an anderer Stelle wieder reinzuholen. So zum Beispiel bei den Kontogebühren. Extra-Kosten für Bargeldabhebungen oder die Girocard sind im Kommen und führen zu erheblichen Mehrkosten. Gleichzeitig werben Direktbanken massiv mit kostenlosen Girokonten. Wie ist das möglich?


Kostenloses Girokonto

Irreführende Bezeichnung

In den meisten Fällen ist die Bezeichnung „kostenloses Girokonto“ vielmehr ein Köder alsdie Realität. Hinter dem kostenlosen Girokonto steht meist nichts weiter als ein Konto ohne Kontoführungsgebühr, das bedeutet, dass die Bank monatlich keine Grundgebühr für die Führung des Girokontos erhebt. Wirft man einen näheren Blick auf die Konditionen, wird schnell klar, dass das Konto alles andere als kostenlos ist. Vor allem in puncto beleghafte Buchungen, Geldeinzahlungen und Dispo lauern versteckte Kosten, die nicht zu unterschätzen sind. Das vermeintlich kostenlose Bankkonto wird so schnell zur Kostenfalle. Deshalb sollte man sich vom Lockangebot „kostenloses Girokonto“ nicht in die Irre führen lassen. 

Versteckte Kosten und Bedingungen erkennen 

Damit das Girokonto nicht zum Kostenschreck wird, lohnt es sich, die verschiedenen Angebote ausgiebig unter die Lupe zu nehmen. Versteckte Gebühren können Sie mit einem Blick ins Preis-Leistungsverzeichnis des jeweiligen Kreditinstitutes identifizieren. Achten Sie auf Gebühren für: 

  • Kontoführung
  • Kartenprodukte (Girocard / Kreditkarte)
  • Bargeld abheben
  • Geld einzahlen
  • Fremdwährungsentgelt
  • Dispozins
  • Daueraufträge
  • Beleghafte Buchungen 

In Zeiten, in denen Banken nicht mehr am Kreditgeschäft verdienen, zeigen sie sich äußerst kreativ, wenn es darum geht, den Kunden Geld aus der Tasche zu ziehen. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Girocard: Jahrzehntelang war sie als grundlegendes Zahlungsmittel kostenlos im Konto enthalten.  Mittlerweile steht nun im Kleingedruckten von so mancher Bank, dass eine jährliche Kartengebühr von bis zu 15 Euro dafür anfällt.

Doch nicht nur bei den Gebühren werden viele Kunden hinters Licht geführt. Auch was die Bedingungen für ein kostenloses Girokonto angeht, ist Vorsicht geboten. So sind die meisten Konten nur dann „kostenlos“, wenn ein monatlicher Geldeingang auf das Konto eingeht. Wird die Bedingung nicht erfüllt, wird – trotz der angepriesenen Kostenfreiheit – eine Kontogebühr fällig. 

Stiftung Warentest: 23 kostenlose Konten ohne Wenn und Aber

Wie eine aktuelle Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, waren von 231 getesteten Girokonten nur 23 tatsächlich kostenlos. Bei den 23 Konten fällt keine Kontoführungsgebühr an, sie sind an keinerlei Bedingungen geknüpft, alle Online-Transaktionen sowie die Girocard sind kostenlos im Konto enthalten. Die Bezeichnung „kostenloses Girokonto“ ist für diese Konten somit zutreffend – zumindest dann, wenn man seine Bankgeschäfte in erster Linie über Online-Banking abwickelt. Für beleghafte Buchungen können auch bei den 23 Gratiskonten zusätzliche Gebühren anfallen. 

Überraschend ist auch, dass sich Filial- und Direktbanken, die ein bedingungslos kostenloses Girokonto anbieten, die Waage halten. Überregional bieten vier, regional zwei Filialbanken ein Gratiskonto ohne Wenn und Aber an. Die Zahl der Direktbanken mit kostenlosem Konto liegt aktuell bei neun. Da Direktbanken durch das fehlende Filialnetz geringere Ausgaben wie Geldinstitute mit Filialen haben, wäre hier mit einer höheren Zahl zu rechnen gewesen. 

Fazit: Kostenloses Girokonto 

Ja, es gibt es noch – das kostenlose Girokonto. Generell ist bei vermeintlichen Gratiskonten jedoch Vorsicht geboten. Lassen Sie sich nicht von Lockangeboten blenden und setzen Sie sich vor der Kontoeröffnung unbedingt mit den jeweiligen Konditionen auseinander. Selbst bei den von Stiftung Warentest identifizierten 23 kostenlosen Girokonten besteht keine absolute Garantie, dass sämtliche Buchungsposten gebührenfrei sind.

Vor allem für beleghafte Transaktionen ist hier mit Kosten zu rechnen. Nichtdestotrotz stellt ein Konto ohne Kontoführungsgebühren gegenüber kostenpflichtigen Bankkonten aufs Jahr gerechnet eine beträchtliche Kostenersparnis dar.


 
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