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Manchmal kommen sie wieder: Banken führen die Kontoführungsgebühren wieder ein

Das kostenlose Girokonto ist in den vergangenen Jahren für immer mehr Verbraucher zur Normalität geworden. Viele Banken haben ab einem bestimmten monatlichen Geldeingang oder sogar ganz generell keine Gebühren mehr erhoben. Doch nun kehren die Gebühren zurück. Warum das so ist und was Sie jetzt tun können, um nicht drauf zu zahlen, erfahren Sie hier.


Kontoführungsgebühren

Rund 8,7 Milliarden Euro könnten die Banken durch Kontoführungsgebühren einnehmen. Viele haben über einen langen Zeitraum darauf verzichtet – schließlich konnten sie die Kosten für das Girokonto durch hohe Zinsen von der EZB quersubventionieren. Nun sind sie jedoch gezwungen, diese Gebühren wiedereinzuführen. Die Gründe dafür liegen in der aktuellen Konjunkturphase der Euro-Zone.

Mit Nullzinsen zu mehr Kaufkraft

Die Wirtschaft schwächelt und damit sinkt die Kaufkraft – was wiederum eine strauchelnde Wirtschaft zur Folge hat. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, senkte die Europäische Zentralbank (EZB) zu Beginn des Jahres 2016 den Leitzins auf 0 Prozent.

Der Leitzins bezeichnet die Konditionen, zu denen sich die Banken bei der EZB Geld leihen können – dies sollte mit der Senkung des Zinssatzes besonders lukrativ werden. Die Idee dahinter: Die Banken sollen die niedrigen Zinsen an die Verbraucher weitergeben, damit diese mit dem günstig geliehenen Geld die Wirtschaft ankurbeln. Um den Anreiz, Kredite zu vergeben, weiter zu verstärken, werden für Einlagen der Banken Strafzinsen fällig.

Investieren statt sparen

Die Kehrseite: Verbraucher streichen keine Zinsen mehr ein, das Sparen auf klassischem Weg wie dem Sparkonto lohnt sich damit nicht mehr. Das ist gewollt: die Menschen sollen mehr investieren, statt zu sparen.

Damit das System funktioniert, müssen die Banken jedoch über ausreichend Eigenkapital verfügen, damit ihnen eventuelle Kreditausfälle nicht den Hals brechen. Bei vielen Kreditinstituten ist dies jedoch nicht der Fall. Anstatt Kredite zu vergeben, die immer mit einem gewissen Risiko behaftet sind, lagern sie ihr Kapital daher trotz Strafzinsen bei der EZB – und das kostet. Zugleich heimsen Banken durch Kredite kaum noch Gewinne ein, dem gegenüber stehen stetig steigende Kosten für Filialen, Personal und Infrastruktur – die die Banken an die Verbraucher weitergeben und zwar durch Kontoführungsgebühren.

Direktbank versus Filialbank

Was kann man nun tun, wenn die Bank für das ehemals kostenlose Konto nun kräftig Gebühren verlangt? Ein Wechsel der Bank kommt für die Mehrheit der Deutschen bislang nicht in Frage. Sie fürchten einen hohen Aufwand und scheuen daher vor einem Wechsel zurück; 74 Prozent der Bundesbürger haben noch nie ihr Girokonto gewechselt. Dabei lässt sich durch einen Wechsel gerade jetzt viel Geld sparen. Direktbanken unterhalten kein kostspieliges Filialnetz, da sie nur online und telefonisch erreichbar sind. Die Leistungen sind allerdings in aller Regel mit der einer Filialbank vergleichbar. Wer auf die persönliche Beratung seiner Filialbank verzichten kann, ist mit einer Direktbank gut bedient.

Kontowechsel wird einfacher

Der Wechsel des Girokontos wird vom Gesetzgeber seit dem 18. September 2016 wesentlich vereinfacht: Mit diesem Datum sind die Banken dazu verpflichtet, bei einem Kontowechsel alle Buchungen der vergangenen 13 Monate an die neue Bank zu übermitteln. Für den Kunden fällt damit ein immenser Aufwand weg – der der häufigste Grund war, bei der Hausbank zu bleiben und mitunter hohe Kosten zu tragen. Dies fällt nun weg.

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