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Mittelstandsanleihen: ein problematischer Markt

Anleihen von Unternehmen bilden ein Segment des Anleihemarktes. Obwohl hier öffentliche Anleihen dominieren, haben in den vergangenen Jahren mehr und mehr Unternehmen die Finanzierung über börsennotierte Schuldverschreibungen genutzt. Was für Großunternehmen bereits seit Langem selbstverständlich ist, wird inzwischen auch von Mittelständlern als Chance erkannt. Dennoch gilt der Markt für Mittelstandsanleihen als unterentwickelt.


Mittelstandsanleihen

Ein spezielles Marktsegment mit eigenen Gesetzen

Auf 228 Milliarden Euro wird der Markt für Unternehmensanleihen insgesamt beziffert. Derzeit werden rund 500 Emissionen von 236 Unternehmen - Finanzdienstleister nicht eingerechnet - gezählt. Zwei Drittel der Anleihen und fast 97 Prozent des Anleihevolumens entfallen dabei allerdings auf Großunternehmen. Den kleinen Rest teilen sich niedrigvolumige Emissionen mittelständischer Unternehmen. 

Für den Markt der Mittelstandsanleihen gelten besondere Gesetze. Dies zeigt sich unter anderem in der Zinsentwicklung. Während bei den Großunternehmens-Anleihen die Zinsen entsprechend der allgemeinen Kapitalmarktentwicklung gesunken sind, haben sich die Zinssätze bei Mittelstandsanleihen gegenläufig entwickelt. Bei 7,75 Prozent liegen die Zinssätze hier derzeit durchschnittlich, Großunternehmen zahlen dagegen lediglich 2,375 %. 

Anleihen: Ursachen für Zinsaufschläge

Die bemerkenswerte Zinsdifferenz hat unterschiedliche Ursachen. Ein wichtiger Grund liegt darin, dass der Markt für Mittelstandsanleihen noch nicht so funktionsfähig ist. Viele Unternehmen treten hier neu auf, es haben sich noch keine festen Strukturen etabliert und es mangelt an Übersicht. Das treibt in der Tendenz die Finanzierungskosten. 

Eine andere Ursache liegt in den Unternehmen selbst. Mittelstandsanleihen sind riskanter als Anleihen von Großunternehmen und müssen daher entsprechende Risikoaufschläge bieten, um Kapitalgeber zu finden. Ein Manko sind in der Regel ungünstigere Finanzierungsstrukturen. Mittelständler haben häufig eine schlechtere Eigenkapitalbasis als Großunternehmen und sind insofern risikoanfälliger. Auch bei anderen Bilanzkennziffern weisen mittelständische Unternehmen schlechtere Werte auf als größere Firmen. Die Ausfallrate ist denn auch im Schnitt deutlich größer, sie liegt bei 1,5 Prozent im Vergleich zu 0,8 Prozent am Gesamtmarkt. Dazu haben unter anderen Ausfälle von Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien beigetragen. 

Mittelstandsanleihen als Kapitalanlage

Für Anleger sind Mittelstandsanleihen wegen der attraktiven Zinsen ein potentiell interessantes Investment-Feld. Es erfordert aber eine intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Unternehmen und eine genaue Marktbeobachtung. Sonst drohen unliebsame Überraschungen. Wer hier investiert, sollte sich des Zusammenhangs zwischen Rendite und Risiko in besonderem Maße bewusst sein.

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