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Risikostreuung bei Geldanlagen - warum die Diversifikation bei Investments so wichtig ist!

"Lege nicht alle Eier in einen Korb"! Dieses Sprichwort gilt nicht nur für die Eiersuche beim nahenden Osterfest, es handelt sich um eine alte Börsenweisheit und einen Ratschlag für Geldanlagen. Gemeint ist, bei Investments zu streuen oder - wissenschaftlich ausgedrückt - Diversifikation zu betreiben.


Geldanlage-Möglichkeiten gibt es viele, jede einzelne mit spezifischen Renditeperspektiven und spezifischen Risiken. Oft fokussiert sich das Interesse von Anlegern auf ein bestimmtes Investment. Bei der Diversifikation geht es mehr darum, das Ganze im Blick zu behalten und um die richtige Zusammensetzung eines Anlage-Portfolios.

Der Zusammenhang zwischen Rendite und Risiko

Grundsätzlich ist jede Geldanlage durch den Zusammenhang von Rendite und Risiko geprägt. Anlagen mit höheren Renditeperspektiven sind mit einem größeren Risiko verbunden. Der "Preis der Sicherheit" sind niedrige Renditen. Deshalb bringen Zinsen auf dem nahezu 100prozentig sicheren Sparbuch seit jeher deutlich weniger als Aktienkäufe - zumindest auf längere Sicht und im Schnitt. Risiko kann dabei ganz unterschiedliche Ursachen und Ausprägungen haben. Es tritt als Ausfallrisiko, Kursrisiko, Inflationsrisiko, Liquiditätsrisiko, Wechselkursrisiko, Zinsänderungsrisiko usw. auf. Mit welchen Risiken eine Geldanlage konkret behaftet ist, hängt wesentlich von ihrer Art und Ausgestaltung ab.

Grundlegend - die Portfolio-Theorie von Harry M. Markowitz

Es war der US-Ökonom Harry M. Markowitz, der sich als erster wissenschaftlich mit dem "richtigen Investieren" unter Berücksichtigung von Rendite und Risiko befasst hat. Seine 1952 veröffentlichten Erkenntnisse mündeten in die sogenannte Portfolio-Theorie, die später Grundlage für die moderne Finanztheorie bilden sollte. Markowitz befasste sich vor allem mit Börseninvestments - also börsengehandelten Wertpapieren. Seine Erkenntnisse lassen sich aber ohne weiteres auf Anlageformen übertragen, die nicht börsenfähig sind. Bei Börsenpapieren zeigt sich das Risiko vor allem in den Kursen in Form von Kursschwankungen (in der sogenannte "Volatilität"). Dahinter können unterschiedliche Risikofaktoren stehen.

Markowitz konnte zeigen, dass es besser ist, bei Geldanlage Papiere mit unterschiedlicher Renditeerwartung und unterschiedlichem Risiko zu mischen als auf ein einzelnes Papier zu setzen. Denn durch die Mischung lässt sich stets ein Vorteil erzielen. Entweder kann im Vergleich zur Einzelanlage bei gleichbleibender Renditeerwartung das Risiko gesenkt werden oder bei gleichbleibendem Risiko ist eine höhere Rendite zu erwarten. Wer auf Risikostreuung verzichtet, verzichtet damit auf einen Vorteil, ohne eine Gegenleistung dafür zu bekommen.

Wie und warum Risikostreuung wirkt

Der Grund für diesen Risikostreuungseffekt ist, dass Wertpapiere sich nicht gleichläufig entwickeln. Selbst wenn alle Kurse sich in die gleiche Richtung bewegen, fallen die Veränderungen unterschiedlich stark aus. Das genügt schon, um einen Risikostreuungseffekt zu erzielen. Am stärksten wirkt Risikostreuung dort, wo überhaupt kein statistischer Zusammenhang zwischen Kursbewegungen besteht oder die Kursveränderungen genau gegenläufig erfolgen: steigt der Kurs eines Papieres, sinkt der Kurs des anderen und umgekehrt - das Risiko hebt sich dann gegenseitig auf.

In der Realität findet man genau entgegengesetzte und völlig voneinander unabhängige Kursentwicklungen nur selten. Das hängt damit zusammen, dass die allgemeine Marktentwicklung - man könnte auch sagen: die Börsenstimmung - auf alle Papiere in ähnlicher Weise, wenn auch unterschiedlich stark ausstrahlt. Im Ergebnis lässt sich durch Risikostreuung nur ein Teil des Risikos "wegdiversifizieren", während das aus dem Markt resultierende Risiko bleibt. Dafür darf man dann als Anleger aber auch eine Risikoprämie in Form einer höheren Rendite erwarten.

Risikostreuung bei Aktien

Bei Aktien funktioniert Risikostreuung ganz einfach dadurch, dass man nicht nur auf eine bestimmte Aktie setzt, sondern Aktien von verschiedenen Unternehmen ins Depot nimmt. Wenn ein Wert "floppt" besteht immer noch eine große Wahrscheinlichkeit, dass die anderen performen. Mit bereits einem Dutzend zufällig ausgewählten Papieren kann man - mathematisch-statistisch nachweisbar - eine gute Näherung an einen Markt erreichen. Am bequemsten und kostengünstigsten funktioniert Risikostreuung mit ETFs - börsengehandelten Indexfonds. Die bilden im Rahmen ihres Fonds-Portfolios einen Marktindex - zum Beispiel den DAX, den Dow Jones-Index oder andere Indizes - nach und entwickeln sich daher fast gleich wie ihr Bezugsindexes. Der Kauf eines solchen ETFs ist dem Kauf des jeweiligen Marktes vergleichbar. Die breiteste Streuung ist mit ETFs möglich, die sich auf den MSCI World beziehen. Dieser Index umfasst die 1.600 wichtigsten Aktien aus 23 Industrieländern.

Risikostreuung über Anlageklassen hinweg

Was innerhalb einer Anlageklasse - zum Beispiel bei Aktien - gilt, funktioniert auch über Anlageklassen hinweg. Und zwar sogar besonders gut, denn hier existieren bezüglich Performance und Risiko wesentlich weniger Abhängigkeiten, manchmal findet man bei Anlageklassen sogar gegenläufige Entwicklungen. Ergo ist der Risikostreuungseffekt besonders ausgeprägt. Ein Beispiel: wenn die Zinsen steigen, rentieren sich verzinsliche Anlagen besser, bei Aktien führen steigende Zinsen dagegen oft zu Kursverlusten.

Als wichtige Anlageklassen gelten verzinsliche Bankeinlagen, Anleihen, Aktien, Rohstoffe und Edelmetalle, Immobilien, manchmal auch Sachwerte wie Kunst und Antiquitäten. In jedem Anlageportfolio sollten im Hinblick auf die Diversifikation mehrere Anlageklassen vertreten sein. Die "richtige" Gewichtung hängt dabei von der persönlichen Einstellung zu Rendite und Risiko ab. Auch der Anlagehorizont spielt eine Rolle. Sicherheitsorientierte Anleger werden Geldanlagen mit hoher Sicherheit ein relativ großes Gewicht im Portfolio beimessen. Wer bereit ist, für mehr Rendite auch kalkulierte Risiken einzugehen, wird - gut gestreut - stärker auf Aktien setzen. So lässt sich ein ausgewogenes Rendite-Risiko-Verhältnis herstellen.


 
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