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Versicherer reduzieren Anleihen

Dass viele Anleger in sichere Staatsanleihen fliehen, ist für Deutschland und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), ein Glück. Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen ist so groß, dass nicht einmal Zinsen gezahlt werden müssen. Den Anlegern geht es lediglich darum, dass ihr Geld am Ende der Laufzeit noch vorhanden ist.


Versicherer wenden sich von Anleihen ab

Aber dieser stete Zufluss von Anlegergeldern, mit denen Deutschland wirtschaften kann, scheint nachzulassen. Grund dafür ist, dass die Versicherer, die Jahrzehnte lang ihr Kapital in Anleihen untergebracht hatten, sich von diesem Markt abwenden.

Mehr als 90 Millionen Lebensversicherungen gibt es hier zu Lande, bei denen die Kunden auf einen Garantiezins von 4,0 Prozent warten, eine Leistung, die die Versicherer durch Anlagen in Staatsanleihen nicht mehr erbringen können.

Maximilian Zimmerer, Kapitalanlagestratege bei der Allianz, sagt hierzu deutlich: „Wir werden den Anteil an europäischen Staatsanleihen in den nächsten Jahren reduzieren.“ Wenn Staatsanleihen, dann schon die von Ländern außerhalb der Eurozone, doch wolle die Allianz letztlich unabhängiger von Staatsanleihen werden: „Um höhere Renditen zu erzielen, müssen wir unsere Anlagebasis verbreitern.“

Stattdessen will sich die Allianz alternativen Anlagemöglichkeiten zuwenden. Zimmerer deshalb: „Ich würde mich freuen, wenn wir den Anteil alternativer Anlageformen in den nächsten fünf Jahren auf 16 Prozent verdoppeln könnten.“

Gemeint sind damit unter anderem Immobilie vermieten, Beteiligungen und ein Kredit für Unternehmen sowie für die Infrastruktur, wozu auch der Ausbau von Gas- und Stromnetzen gehört.

Dies könnte bedeuten, dass in fünf Jahren statt 40 Milliarden Euro Kapital der Allianz dann zwischen 80 bis 100 Milliarden Euro Kapital abseits von Staatsanleihen investiert wird.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Staaten von den Anlagen der Versicherer abhängig sind. Immerhin hat die Allianz fast 170 Milliarden Euro in deutsche Staatsanleihen gesteckt.

Um neue Anlagemöglichkeiten für sich zu entdecken, ist die Versicherungsbranche insgesamt zu höheren Risiken bereit. Dies sei im Falle von Infrastrukturprojekten zum Beispiel gegeben, dass man zwar eine höhere Rendite erzielen werde, man aber das Projekt auch in einer Phase voller Unsicherheiten bereits finanziell unterstützen müsste.

Allerdings macht neben diesen Risiken den Versicherern auch das künftige Solvency II das Anlegen abseits von Staatsanleihen schwer. Denn riskantere Anlagen müssen demnach auch mit mehr Eigenkapital abgesichert werden. (NS/BHB)


 
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