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Wie funktioniert gewerbliches Leasing?

Leasing ist ein Vertrag zur Nutzungsüberlassung von Gütern, der rechtlich zwischen Miete und Kauf angesiedelt ist. Im privaten Bereich spielen Leasing-Verhältnisse vor allem bei Fahrzeugen eine Rolle, im gewerblichen Bereich ist der Anwendungsbereich wesentlich breiter. Denn Leasing besitzt für Firmen Vorteile. Im Folgenden wollen wir uns näher mit dem gewerblichen Leasing befassen.


Gewerbeleasing, Leasing für Unternehmen, Firmenleasing, gewerbliches Leasing - die Begriffe sind ähnlich und meinen das Gleiche: Leasing-Verhältnisse, bei denen der Leasingnehmer ein Unternehmen oder Selbständiger ist und das Leasinggut betrieblichen Zwecken dient. Der Begriff "Leasing" ist dem englischen "lease" = "mieten" entlehnt. In mancher Hinsicht unterscheidet sich Leasing aber von der normalen Miete.

Gewerbliches Leasing - Anwendungsbereiche und Verbreitung

Es gibt praktisch nichts was nicht geleast werden kann. Immobilien, Maschinen, Geräte, Fahrzeuge, Büroausstattung, EDV-Anlagen ... die Liste ließe sich fortsetzen. Gewerbliches Leasing steht für etwa 90 Prozent der Leasing-Verhältnisse in Deutschland. Das Leasing-Marktvolumen in Deutschland lag 2019 bei über 74 Mr. Euro. Ganz überwiegend geht es um Mobilien-Leasing, wobei Fahrzeug-Leasing den größten Anteil ausmacht. Immobilien-Leasing kommt dagegen vergleichsweise selten vor. Gebäudeflächen werden bevorzugt gekauft oder gemietet.

Besonders leasing-intensiv ist das Baugewerbe mit einer Leasing-Quote von über 40 Prozent, gefolgt vom Handel mit einer Quote von knapp 24 Prozent und dem verarbeitenden Gewerbe mit gut 15 Prozent. Beim Leasing-Neugeschäft hatte 2018 der Dienstleistungssektor den größten Anteil (37 Prozent), das verarbeitende Gewerbe erreichte 19 Prozent.

Finance und Operate Leasing

Im Zeitablauf sind viele Leasing-Formen und -Varianten entstanden. Man findet auch zahlreiche Klassifikationen von Leasing-Verhältnissen. Grundlegend ist die Unterscheidung zwischen Finance Leasing und Operate Leasing:

  • Beim Finance Leasing oder Finanzierungsleasing besteht ein längerfristiges Leasing-Verhältnis, an dessen Ende das Wirtschaftsgut oft in das Eigentum des Leasingnehmers übergeht oder zumindest eine Kaufoption besteht. Der Leasingnehmer trägt auch das Investitionsrisiko und ist für Instandhaltung, Wartung und Reparatur zuständig. Finance Leasing weist eine größere Nähe zum Kauf als zur Miete auf;
  • Operate Leasing-Verträge sind kurz- bis mittelfristig ausgerichtet. Häufig ist keine feste Laufzeit vorgesehen. Der Leasing-Vertrag kann jederzeit gekündigt werden. Das Investitionsrisiko liegt beim Leasinggeber, ebenso die Verantwortlichkeit für Wartung und Reparatur. Operate Leasing steht der Miete näher als dem Kauf. 

Der Leasing-Vertrag

Ein Leasing-Vertrag ist ein schuldrechtlicher Vertrag. Im Unterschied zu vielen anderen Vertragsformen sind Leasing-Verträge im deutschen Vertragsrecht nicht speziell normiert. Sie haben sich in der Praxis entwickelt. Bei ihnen gelten üblicherweise Regelungen, die man in Miet- und/oder Kaufverträgen findet. Häufige Vertragstypen sind:

  • Verträge mit Vollamortisation: die Anschaffungs- und Finanzierungskosten des Leasinggutes werden während der Laufzeit voll abgedeckt.
  • Verträge mit Teilamortisation: hier erfolgt nur eine teilweise Abdeckung der Anschaffungs- und Finanzierungskosten. Am Laufzeitende verbleibt ein kalkulierter Restwert. Der Leasingnehmer hat dann häufig eine Verlängerungs- oder eine Kaufoption.
  • kündbare Verträge: diese Verträge können jederzeit zu vorher festgelegten Bedingungen durch Kündigung beendet werden. Häufig findet dann eine Weitervermietung an Dritte statt.

Beim Leasing-Geschäft übernimmt die Leasing-Gesellschaft vielfach den Kauf des gewünschten Leasing-Gutes vom Hersteller/Anbieter - zum Beispiel den Erwerb einer bestimmten Maschine. Zwischen Leasinggeber und dem leasenden Unternehmen wird dann der Leasingvertrag geschlossen. Im gewerblichen Bereich findet man häufiger das Flottenleasing. Dann gilt Leasing nicht für einzelne Fahrzeuge, sondern für einen ganzen Fuhrpark. Flottenleasing-Verträge sind oft umfassender gestaltet als normale Leasing-Verträge und enthalten weitere Service-Leistungen.

Steuerliche Aspekte

Für die steuerliche Behandlung ist entscheidend, wem das Leasinggut wirtschaftlich zuzuordnen ist. Das Steuerrecht hat dafür detaillierte Regeln erarbeitet. Beim Operate Leasing erscheint das Leasinggut in der Regel in der Bilanz des Leasing-Gebers. Der Leasingnehmer kann die Leasingraten in diesem Fall steuerlich als Betriebsausgaben geltend machen. Wird das Leasinggut dem Leasingnehmer zugeordnet (häufig beim Finance Leasing), muss es in seiner Bilanz aktiviert werden. Der Finanzierungsteil von Leasingverpflichtungen ist als Verbindlichkeit zu passivieren. Finanzierungskosten dürfen als Betriebsausgaben geltend gemacht werden, ebenso Abschreibungen.

Sale and Lease Back

Beim sogenannten Sale and Lease Back werden Wirtschaftsgüter - oft Immobilien, aber auch Anlagen und Maschinen - an den Leasinggeber verkauft und anschließend zurückgeleast. Das Unternehmen erhält dadurch Liquidität, die zum Schuldenabbau oder für Investitionen eingesetzt werden kann. Das Sale and Lease Back stellt eine Finanzierungsalternative zu Bankkrediten dar und wird gerne genutzt, wenn die Kreditspielräume schon ausgeschöpft oder der Kreditzugang erschwert ist.

Zusätzlich wird die Bilanz entlastet: es findet eine Bilanzverkürzung statt, bei Schuldentilgung sinkt der Verschuldungsgrad bzw. steigt die Eigenkapitalquote. Auch Liquiditätskennzahlen verbessern sich. Damit lässt sich gegenüber potenziellen Kreditgebern Kreditwürdigkeit signalisieren. In diesem Sinne kann Sale und Lease Back gleich einen doppelten Finanzierungseffekt bewirken - durch zusätzliche Liquidität und bessere Kreditchancen.

Wer bietet gewerbliches Leasing an?

Das Leasing-Geschäft wird in Deutschland wesentlich durch mittelständische Leasing-Gesellschaften geprägt. Im Bundesverband Deutscher Leasing-Unternehmen e.V. (BDL) sind rd. 150 Leasing-Gesellschaften Mitglieder. Sie decken etwa 85 Prozent des deutschen Leasingmarktes ab.

Zwei Drittel der Leasing-Gesellschaften haben weniger als 50 Mitarbeiter. Viele Leasing-Unternehmen sind mit Banken verbunden, im Bereich des Fahrzeug-Leasings besteht zum Teil auch eine Bindung an bestimmte Hersteller. Der Vertrieb erfolgt über unterschiedliche Kanäle - über Eigenvertrieb, Kooperationspartner, Händler und zunehmend auch digital über Vermittlungsplattformen.


 
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