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Banken: Manipulationen an der Tagesordnung

Jeden Tag werden neue Manipulationen der Banken bekannt - Zeichen des moralischen Verfalls einer Branche, die sich nicht mehr für traditionelle Grundsätze interessiert!? Doch was lässt sich dem Niedergang kaufmännischer Grundprinzipien entgegensetzen?


Banken

Rekordstrafen: EU ahndet Manipulationen

Christian Dyckerhoff, Vorsitzender der seit 500 Jahren bestehenden Versammlung des Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg, tritt für Korrektheit, Anstand und Fairplay als Leitlinien des Geschäftslebens ein. Nach Dyckerhoffs Auffassung ein harter, aber notwendiger Kampf. Denn kein Tag vergeht ohne Vorwürfe gegen den Finanzsektor - wegen Manipulationen. Gerade belegte die EU acht große internationale Banken mit einer Strafe von insgesamt 1,71 Milliarden Euro, neben der Deutschen Bank (Strafanteil 725 Millionen) die Royal Bank of Scotland, die US-Bank JP Morgan sowie die Citigroup. Der Grund: Kartellabsprachen und Manipulationen des Liborsatzes, Basis für Finanzgeschäfte in Höhe hunderter Billionen Dollar. Dazu stehen die Banken in Verdacht, illegalen Einfluss auf Devisenkurse, Rohölpreise, Derivatehandel, Aluminium- und Goldmarkt genommen zu haben.

1980er: Manipulationen salonfähig

Experten sind sicher: Neben Geldstrafen und schärferen Gesetzen ist es höchste Zeit für eine stärkere Regulierung und ein ethisches Grundgerüst. Eingesetzt habe der Verfall ethischer Grundsätze der Banken bereits Anfang der 1980er, im Zuge von Marktliberalisierung und Aktienhausse, so Dyckerhoff. Wo das rücksichtslose Durchsetzen eigener Interessen auf Kosten von Geschäftspartnern Erfolg verspracht, verlor Gier bald den Habitus der Unmoral. Entsprechend geriet der Idealtypus des hanseatischen Kaufmanns, der die Belange seines Geschäftspartners respektiert, zum Auslaufmodell. So nutzte sogar IG-Metall-Chef Franz Steinkühler seine Insiderinformationen als Aufsichtsratsmitglied von Daimler-Benz für private Aktiendeals. Steinkühler wurde erwischt und trat 1993 zurück. Aber andere machten ungeniert weiter, bemüht, auf dem Weg zum schnellen Reichtum keine Spuren zu hinterlassen. Wie Dorothea Schäfer vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung weiß, besteht auch heute kaum Gefahr, dass Manipulationen auffliegen. Und falls doch, dienen die Vergleich zum Nutzen geringen Strafen kaum der Abschreckung.

Libor & Co.: Wie Banken Gewinn maximieren

Manipulationen des Libor? Warum nicht. Dieser Referenzwert, der den Zins reflektiert, zu dem sich die Banken gegenseitig Geld leihen, ist auch Bezugsgröße für private Darlehenszinsen. Ein Wert, den die Banken nach Gutdünken zur eigenen Gewinnmaximierung festlegen können. Ähnlich die Manipulationen im Handel mit Gold, Devisen und Derivaten, weshalb Falko Fecht von der Frankfurt School of Finance and Management die Aufsichtsbehören auffordert, endlich regulierend durchzugreifen. Zudem sei unverständlich, warum private Banken Finanzmarktpreise eigenmächtig festlegten. Fecht fordert für den täglich Millionen umsetzenden Devisenmarkt eine Transparenz, wie sie am Aktienmarkt selbstverständlich ist. Andere Experten verlangen die Rückkehr zu ethischen Maßstäben. Aktuelle anonyme Erhebungen enthüllen eine Kultur der Unredlichkeit: So befragte eine New Yorker Anwaltskanzlei im Juli 250 Wallstreet-Akteure. Ein Viertel war mit Aussicht auf zehn Millionen Dollar zu Insidergeschäften bereit. 17 Prozent glaubten, dass ihre Vorgesetzten beide Augen zudrückten und ein Viertel war Zeuge von Insidergeschäften direkter Kollegen. Und eine Umfrage des CFA Institute, das bei Ausbildung seiner Finanzfachleute Wert auf ethische Korrektheit legt, fand heraus: 53 Prozent der Top-Finanzmanager glauben, dass nur eine flexible Geschäftsmoral den Aufstieg garantiert.

Banken setzen Anreize für Manipulationen

Geldverluste durch Aktien werden nicht mehr als Fehlspekulationen verbucht. Vielmehr sucht man mit anwaltlicher Hilfe nach Schwachstellen im Börsenprospekt, um das Unternehmen zu verklagen. Beliebt auch das Anfechten von Hauptversammlungsbeschlüssen auf Basis irrelevanter Einzelheiten - mit dem Ziel, durch das Unternehmen mit attraktivem Schweigegeld belohnt zu werden. Lässt sich diese Entwicklung umkehren? Das Leitbild des ehrbaren Kaufmanns im Blick, sieht Christian Dyckerhoff die Manager der Banken am Zug: Nicht alles ausreizend, was rechtlich machbar ist, müssen diese Vorbild sein - und Mitarbeiter entsprechend schulen. Außerdem setzt die Höhe von Gehältern und Bonuszahlungen falsche Anreize. Warum korrekt sein, wenn man nach wenigen Jahren privatisieren kann? Dazu wirken nur deutlich höhere Strafen abschreckend - der Jahresgewinn der Deutschen Bank lässt 725 Millionen für Manipulationen wie einen Kollateralschaden aussehen. Denn erst, wenn Sanktionen die Existenz einer Bank oder eines Unternehmens bedrohen, dreht sich der Wind. Die Zeit ist reif für die Trendwende - im Sinne von Sparern und Anlegern. Für Ihre private Finanz- und Vermögensplanung empfiehlt sich ein langjährig erfahrener und unabhängiger Finanz- und Honorarberater.


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