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Aktien und Börse: Komplexes einfach erklärt

Die Börse ist ein wichtiger Tragpfeiler unserer Wirtschaft, und doch gibt es nur wenige Menschen, die verstehen, wie sie funktioniert. Auf dem ersten Blick erscheint das System kompliziert und weckt dadurch eher selten die Lust, sich intensiver damit zu beschäftigen. Dabei sind die Grundprinzipien relativ einfach erklärt und leicht nachvollziehbar. Börse und Aktienhandel gehören eben nicht zu einem fernen Finanz-Universum, sondern sie gehorchen immer denselben, schlicht gestrickten Gesetzen. Hier ein Einblick für Neueinsteiger, die sich über die Schwelle trauen.


Börsen, das sind nichts weiter als internationale Handelsplätze. Dort dreht sich alles um Zahlen und Kurse, und natürlich auch darum, Geld zu verdienen. Die erste Börse gründete sich im 16. Jahrhundert in der belgischen Stadt Brügge, einer regen Handelsmetropole, deren Organisatoren es für nötig befanden, Tauschgeschäfte zentral zu regeln. Die Kaufmannsfamilie Van der Beurse zeigte sich in dieser Hinsicht besonders aktiv, sie gab der "Börse" schlussendlich ihren Namen. Was genau geht auf diesem besonderen Marktplatz vor, auf dem Trader und Broker ihr großes Poker Spiel austragen - und der alle Augen auf sich zieht, wenn die Wirtschaft verrücktspielt?

Was ist der Sinn der Börse?

Der Sinn der modernen Wertpapierbörse besteht darin, die Wege für Investoren offenzuhalten, um ihre Finanzen in Unternehmen einzubringen oder sie bei Bedarf auch wieder abzuziehen. Firmen nutzen diese Möglichkeit dafür, sich Eigenkapital zu beschaffen, ohne dafür einen teuren Bankkredit aufnehmen zu müssen. Immer noch zu kompliziert? Hier folgt der Blick ins Detail!

Ein Unternehmen, das frische Finanzen benötigt, kann unter bestimmten Voraussetzungen den Weg über die Börse wählen. Es verkauft in diesem Fall Aktien, also Unternehmensanteile, an Investoren, und erhält dafür Geld, das es auf jeden Fall behalten kann und nicht verzinsen muss. Eine Firma, die noch nicht an der Börse gelistet ist, muss dafür aber zuerst einen sogenannten Börsengang durchführen, das heißt, einen standardisierten Prozess durchlaufen, sich offiziell bewerten lassen und einen Einstiegskurs für ihre Aktien festlegen lassen. Erst dann geht es los.

Diese Vorteile bietet der Börsenhandel

Nicht börsennotierte Firmen können ein ähnliches Tauschgeschäft außerhalb der Börse über den OTC-Handel (Over the Counter) durchführen, allerdings in eher kleinem Rahmen mit individuell ausgehandelten Konditionen. Die Börse bietet den großen Vorteil, dass sämtliche Transaktionen stark reguliert sind und jeder Aktienkäufer ganz genau Bescheid weiß, worauf der sich einlässt. Aktienpreise entstehen auf transparente, nachvollziehbare Weise durch Angebot und Nachfrage, nachvollziehbar für alle, die sich mit dem System näher beschäftigen. Wie beim Online Poker sorgen zusätzliche Regulationen für die nötige Sicherheit der Anleger und Unternehmen, darum ist und bleibt die Börse die bevorzugte Handelsplattform weltweit.

Börsengelistete Unternehmen können ihre Bilanzen nicht vor der Öffentlichkeit verstecken: Sie müssen die Zahlen Quartal für Quartal offenlegen, damit die Aktieninhaber und eventuelle neue Investoren genau wissen, woran sie sind. Nicht börsennotierte Firmen sind dazu nur einmal im Jahr verpflichtet, und das in einem kleineren Umfang. Schwächelt ein Unternehmen mit Börsenzugang, dann fällt in der Regel der zugehörige Aktienkurs, weil die Firmenanteile naturgemäß im Wert sinken. Schwingt sich die betreffende Firma aber wieder zu neuen Höhen auf, dann zieht auch der Kurs wieder an.

Kurzum: An der Börse geht es nicht zu wie beim Texas Hold'em im Wilden Westen, sondern vorschriftsgemäß wie in einem straff organisierten modernen Poker Turnier. Der hohe Standardisierungsgrad hält die Transaktionskosten auf niedrigem Niveau, weil sich kein Spekulant erst aufwendig einen Verkäufer suchen und mit ihm persönliche Bedingungen aushandeln muss. Ganz im Gegenteil: Millionen von Transaktionen gehen tagtäglich über den Tisch, immer nach dem gleichen Schema und ohne direkten Kontakt zwischen Unternehmen und Tradern.

Ein Trader - was ist das überhaupt?

Ein Trader kauft Aktien, Rohstoffe und Währungen und veräußert diese innerhalb eines bestimmten Zeitraums wieder. Dabei versucht er, mittels Kursschwankungen einen Profit zu erzielen. Auch Privatpersonen können jederzeit an den komplexen Finanzmärkten teilnehmen und traden. Die Prinzipien und Strategien der Trader ähneln in vielerlei Hinsicht denen eines Pokerspielers. So erfährt man sowohl beim Traden als auch beim Pokern eine hohe Varianz. Ebenso gehören lange Pechsträhnen einfach mit dazu und müssen in die Planung einkalkuliert werden.

Sowohl Pokerspieler als auch Trader benötigen bestimmte Fähigkeiten, um sich auf ihrem jeweiligen Sektor zu behaupten: Das zu gehören vor allem Aggressivität, Konzentration und Geduld. Wer viel investiert, kann zwar im Gegenzug viel verlieren, aber auch umso mehr gewinnen. Für wenig Einsatz und einer geringen Risikobereitschaft stehen indes nur kleine Belohnungen bereit, wenn überhaupt. Ein erfolgreicher Trader muss also so etwas wie ein "Zocker" sein, aber auf eine sachliche, überlegte Art und Weise, die sich auf Bilanzen und Fakten grünet.

Wissenswertes über Aktien: Was ist das - und wie funktioniert's?

Die Aktie symbolisiert den Anteil, den ein Aktieninhaber an einem Unternehmen erwirbt. In früheren Zeiten bestand das Wertpapier noch aus bedrucktem Papier, das der jeweilige Eigentümer zu seinen Akten legte und im Bedarfsfall weiterkaufte. Heute sind Aktien normalerweise nicht mehr physisch greifbar, doch ihre praktische Funktion hat sich nicht verändert. Jede Einzelne von Ihnen steht für einen festgelegten Anteil an einer Kommanditgesellschaft oder Aktiengesellschaft, fest verbrieft und gesetzlich untermauert.

Entscheidet sich ein Unternehmen dafür, Aktien auszugeben, also an die Börse zu gehen, hat es traditionell das Recht, am Morgen die Börsenglocke zu läuten und damit den Handelstag offiziell zu eröffnen. Danach stürzen sich hoffentlich die Trader auf die frischen Wertpapiere und alles Geld, das bei diesem ersten Aktienverkauf eingeht, landet auf dem Konto der Firma als echtes Eigenkapital ohne Rückzahlungspflicht.

Der weitere Aktienhandel findet ohne Beteiligung des Unternehmens statt, hieran verdienen (oder verlieren) einzig und allein die Spekulanten. Für eine weitere Finanzspritze ist eine sogenannte Kapitalerhöhung nötig, dabei wird die Zahl der Aktien angehoben. In diesem Fall haben die bereits vorhandenen Aktionäre das Vorkaufsrecht, um neue Anteile an "ihrer" Firma zu erwerben. Und das zu einem verlockenden Sonderpreis! Nur, wenn danach noch Wertpapiere übrig bleiben, dürfen sich weitere Investoren zum Normalpreis bedienen.

Aktien werden nicht nur einzeln gehandelt, sondern auch im Rahmen sogenannter ETFs, also börsengehandelten Fonds. Ihre Funktionsweise gleich den klassischen Aktienfonds, allerdings sind sie börsennotiert und damit nur einmal täglich zu handeln, sondern über die gesamte Börsenzeit hinweg.

Aktienindizes unter der Lupe: Leitwerte im großen Börsen Poker

Ein Begriff tritt immer wieder auf, wenn es um das Thema Börse und Aktien geht: der Aktienindex. In Deutschland ist es besonders der DAX, der den Tradern manchmal den Schweiß auf die Stirn und ein anderes Mal die Freudentränen ins Gesicht treibt. Aktienindizes werden dazu genutzt, die Entwicklung eines bestimmten Marktbereichs besser nachvollziehen zu können. Sie bilden das wirtschaftliche Gesamtgeschehen eines Marktsektors ab, indem sie die Kursbewegung der bedeutendsten Unternehmen dieser Sparte zusammenfassen. Jeder Aktienindex ist entsprechend anders aufgestellt, auch die Zahl der darin enthaltenen Firmen schwankt.

Ein ETF richtet sich immer darauf aus, einen bestimmten Index und dessen Schwankungen nachzuahmen. Manchmal beinhaltet er einige wenige erfolgreiche amerikanische Hightech-Firmen, ein anderes Mal eine Vielzahl deutscher Kleinbetriebe. Aber auch für den Handel mit Einzelaktien stellen die Indizes eine wichtige Benchmark dar, eine Vergleichsmarke also, die es erlaubt, die Wertpapier-Performance besser zu bewerten. Schließlich kann sich ein Trader sich über 8 Prozent Rendite viel mehr freuen, wenn die Weltwirtschaft gleichzeitig nur um 4, aber nicht um 12 Prozent gewachsen ist.

DAX

Den bedeutendsten deutschen Aktienindex haben wir bereits erwähnt: Der Dax bildet das große Poker Spiel der leistungsfähigsten deutschen Unternehmen ab. 30 Konzerne finden darin Platz, die etwa 80 Prozent der deutschen Marktkapitalisierung ausmachen. Die Automobilindustrie und die Chemiebranche sind im DAX übrigens besonders stark vertreten. Es handelt sich also um den wichtigsten Leitindex der deutschen Wirtschaft, der auch international große Beachtung erfährt.

MDAX

Auch der MDAX ist ein spezifisch deutscher Aktienindex, er beinhaltet ebenfalls 30 Unternehmen, allerdings nicht aus dem Bereich der Großkonzerne, sondern der mittleren Betriebe. Darunter schließt sich dann der SDAX als Sammelpunkt für kleine deutsche Unternehmen an. Weder MDAX noch SDAX spielen bei EFT-Investment eine besondere Rolle - aber sie gehören zu einem vollumfänglichen gesamtwirtschaftlichen Spiegelbild schlichtweg dazu.

Dow Jones

Der Dow Jones existiert bereits seit dem Jahr 1896 und hat seitdem nie an Bedeutung verloren. Enthalten sind die 30 stärksten US-Unternehmen, also die besten Performer Nordamerikas. Sie werden im Poker Spiel um die Dow-Jones-Mitgliedschaft nicht nach ihrer Marktkapitalisierung eingeordnet, sondern direkt nach ihrem Wert. Was viele nicht wissen: Der Dow Jones gliedert sich in verschiedene Wirtschaftszweige, im Vordergrund steht dabei meist der gerade genannte Dow Jones 30 Industrial. Die Bereiche Versorgung und Transport sind hier ausgenommen, sie gehören dem Dow Jones Utility Average an.

An dieser Stelle dürften die wichtigsten Eckpunkte des Börsengeschehens klar geworden sein. Natürlich lassen sich die Details noch vertiefen: Wer gern selbst ein Trader werden möchte, sollte genau das tun und weiterforschen.


 
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