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Der Karstadt-Blender: Nicolas Berggruen

Die Zukunft der Kaufhauskette Karstadt ist weiter ungewiss, denn der Rückzug von Nicolas Berggruen und die Übernahme von René Benko eröffnen gleich mehrere Zukunftsoptionen. Die Belegschaft sieht die Entwicklung mit gemischten Gefühlen.


Karstadt

Erneuter Eignerwechsel bei Karstadt

Es ist gerade einmal drei Jahre her, als der 52-jährige Nicolas Berggruen den angeschlagenen Konzern Karstadt für einen Euro übernahm und dessen Sanierung versprach. Froh waren damals alle Beteiligten. Der Insolvenzverwalter gab grünes Licht, die Gewerkschaften hielten still und das Personal verzichtete auf Gehälter in dreistelliger Millionenhöhe. Nicolas Berggruen versprach, das Unternehmen mit eigenen Mitteln zu regenerieren, dabei kein Personal abzubauen und den Umsatz wieder zu steigern. Vor allem jedoch sollte Karstadt nicht in Einzelstücke zerrissen werden.

Doch keines der vollmundigen Versprechen wurde von dem exzentrischen Investor eingehalten. Im Gegenteil dazu zieht sich Nicolas Berggruen jetzt aus dem Konzern zurück. Die 300 Millionen Euro, die er durch den Verkauf der drei Karstadtobjekte in Hamburg, Berlin und München eingenommen hat, sollten eigentlich in die Sanierung der Kaufhauskette fließen. Doch der größte Teil wird dank geschickter Positionierung großteils auf den Konten des Investors landen. Immer deutlicher wird für die Beobachter, dass Nicolas Berggruen sich nicht im geringsten für das Schicksal von Karstadt interessiert. Auch der Vorstandschef musste im Sommer seinen Hut nehmen. Wie in vielen solcher Transaktionen geht es auch hier nur um Geld und Macht, die Mitarbeiter sind wie so oft die Dummen. 

Der neue Eigner von Karstadt ist nur an den Gebäuden interessiert

Der Deal wurde vor zwei Monaten eingeleitet und ist sehr raffiniert gestrickt. Damals erhielt der Österreicher René Benko von Berggruen jeweils gut 75 Prozent des operativen Geschäfts von den drei Nobelshoppingpalästen KaDeWe, Alsterhaus und Oberpollinger sowie 28 weiteren Sportfilialen. Benko und sein Partner Beny Steinmetz, ein israelischer Diamantenhändler, haben nun die gemeinsame Option zur 75-prozentigen Übernahme aller 83 Standardfilialen von Karstadt. Benko hat die Mehrheitsbeteiligungen an den Nobelhäusern gegen eine 300 Millionen Euro schwere Zusicherung erhalten, die in die Sanierung des Konzerns fliesen soll.

Davon profitiert kein anderer als der Investor selbst, denn ihm gehören inzwischen die Gebäude an 21 Karstadtstandorten. Wenn die längst überfälligen Renovierungen dort abgeschlossen sind, werden Mieterhöhungen erwartet, die in die Kasse von Benko fließen. Berggruen soll für die Abgabe von Karstadt an der Benko-Gesellschaft beteiligt werden, in der die meisten der Kaufhaus-Immobilien zusammengefasst sind. Die Gewerkschaft Verdi läuft Sturm gegen den Deal und will sich mit Benko im Januar darüber auseinandersetzen.

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