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Wie funktioniert ein Derivat?

Für das Jahr 2020 wird vor allem die Corona-Pandemie und die damit verbundenen weltweiten Auswirkungen im Gedächtnis der Menschen hängenbleiben. Die Reise- und Kontaktbeschränkungen beeinflussten das gesellschaftliche Leben zeitweise massiv und auch die Weltwirtschaft musste in zahlreichen Sektoren starke Einbrüche hinnehmen. Umso erstaunlicher ist die Entwicklung an den weltweit wichtigsten Aktienmärkten, die nach einem kollektiven Einbruch im März 2020 bereits fast ausnahmslos wieder über dem Jahresanfangsniveau von 2020 stehen.


Mittlerweile wollen auch viele Privatanleger etwas von der boomenden Entwicklung abbekommen und sind an den Finanzmärkten investiert. Abgesehen davon, dass die durchschnittlichen Renditen des vergangenen Jahrhunderts durchaus eine Investition in Wertpapiere rechtfertigen, sollten Privatanleger sich vorher genau informieren - vor allem, wenn man beabsichtigt in exotische Produkte wie beispielsweise Derivate zu investieren. Nachfolgend sind deshalb die wichtigsten Informationen zum Thema Derivate zusammengefasst.

Was ist ein Derivat?

Ein Derivat ist im Prinzip nichts anderes als eine vertragliche Vereinbarung zwischen zwei Parteien, die in Form eines Finanzinstruments an den Kapitalmärkten handelbar ist. Für einen zugrundeliegenden Basiswert, z. B. eine Aktie oder ein Rohstoff, werden unterschiedliche Vertragsinhalte fixiert. Der hauptsächliche Parameter ist dabei in den meisten Fällen der Kurs des Basiswerts, zu dem ihn die zwei Vertragsparteien zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Zukunft austauschen, also einerseits verkaufen bzw. andererseits kaufen. Auch Vereinbarungen zu mehreren Basiswerten können auf diese Weise in einem Derivat zusammengefasst werden.

Was ist der Zweck von Derivaten?

Derivate werden auch als Termingeschäfte bezeichnet. Dieser Begriff macht Menschen oft verständlicher, um was es bei Derivaten eigentlich geht: nämlich um Erwartungen. Beide Vertragsparteien eines Derivatehandels gehen von einer bestimmten, in ihrem konkreten Fall jedoch gegenläufigen, Entwicklung des Basiswerts aus. Während die eine Partei davon ausgeht, dass beispielsweise der Wert von Gold in den kommenden Monaten fallen wird, erwartet die Gegenpartei eine gegenläufige Entwicklung des Goldpreises. Sie vereinbaren, zu einem bestimmten Termin den Basiswert, in unserem Beispiel Gold, zu einem bestimmten Kurs untereinander zu handeln.

Welche Arten von Derivaten gibt es?

Mittlerweile existiert eine Vielzahl von unterschiedlichen Finanzstrukturen für ein Derivat. Diese lassen sich aber drei Hauptkategorien zuordnen:

  • Termingeschäfte
  • Optionsgeschäfte
  • Swaps

Bei Termingeschäften verpflichten sich die Parteien zur Erfüllung ihrer Vereinbarung. In dem genannten Beispiel wird also eine bestimmte Menge Gold zu einem festgelegten Preis in der Zukunft zwischen zwei Handelsparteien ausgetauscht. Wird über eine Börse abgewickelt, nennt man diese unbedingten Termingeschäfte Futures, ansonsten Forwards.

Bei Optionsgeschäften erwirbt der Käufer lediglich die Option bzw. das Recht einen Basiswert zu kaufen (Call) bzw. zu verkaufen (Put), er muss es letztendlich aber nicht tun. Der Verkäufer der Option hingegen muss sich der Entscheidung des Käufers fügen, den Basiswert auf Wunsch also tatsächlich handeln, wird für diese Verpflichtung aber mit einer Prämie entschädigt.

Ein Swap (englische Bezeichnung für Tausch) hat keine Aktie oder einen Rohstoff als Basis, sondern Zahlungsströme. Kredite, Devisen oder Zinsen werden in Form von Forderungen bzw. Verbindlichkeiten zu einem bestimmten zukünftigen Zeitpunkt oder aber auch an mehreren aufeinanderfolgenden Terminen getauscht.

Was sind die Risiken von Derivaten?

Mittlerweile existieren unzählige von Ausgestaltungsformen für Derivate. Oft laufen diese auf eine Hebelwirkung hinaus, die Derivate volatiler machen als die zugrundeliegenden Basiswerte, z. B. eine Aktie. Deswegen kann auf der einen Seite in relativ kurzer Zeit eine wesentlich höhere Rendite erzielt werden - oder eben auch ein herber Verlust des eingesetzten Kapitals. Als Anleger sollte man sich also ganz genau über die vertraglichen Bedingungen des jeweiligen Derivats im Klaren sein. Da hierfür in der Regel viel Zeit und fachmännische Kenntnisse erforderlich sind, sollten private Investoren sich genau überlegen, ob sie den mit Derivaten verbundenen Aufwand und das Risiko für im Gegenzug erhöhte Ertragschancen wirklich eingehen wollen.


 
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